Telefongespräch

Ja, die Freude über den erstellten Förderplan hielt nur kurz. Nach ein paar Tagen klingelte das Telefon, die Sonderpädagogin war am Apparat. Was die wohl will, dachte ich noch und schon wurden mir nacheinander ihre ganzen Bedenken vor die Füße geworfen.
Los ging es mit,- sie hätte sich was überlegt!!! Ohwei, ob dies was gutes ist? Wohl kaum.
Erst einmal redete sie davon, wie toll sie doch den Förderplan erstellt hätte. Auf meine Äußerung, der wäre zwar gut, aber ja doch insgesamt sehr negativ geschrieben meinte sie,- „Ja ich wäre darüber auch nicht so erfreut, wenn jemand so über mein Kind schreiben würde, aber sie habe es extra so verfasst, damit das Jugendamt auch wirklich bezahlt“! Ruhe bewahren dachte ich…
Als nächstes fing sie wieder an, darüber zu reden, dass sie doch bald mal mit Tom arbeiten schreiben könnte, zum Schulhof gehen oder das er nächsten Sommer die Prüfungen auch mit ihr in der Schule schreiben könnte. Ich versuchte immer noch ruhig zu bleiben, wollte nicht unnötig Stress mit ihr, aber als es zu massiv wurde, platzte mir doch der Kragen und ich sagte ihr ganz klar, dass wir nicht daran interessiert seien, dass sie so sehr daran arbeitet, dass Tom bald wieder IN das Schulgebäude geht. Das brachte dann alles in Wallungen. Sie meckerte daraufhin mich an, sie würde doch garnicht daran arbeiten, dass er schnell wieder in die Schule geht, sondern nur ganz Niederschwellig versuchen, ihn wieder soweit zu fördern, dass er sich der Schule annähern kann…. . Sie würde sich doch soviel Gedanken darüber machen, Tom gut zu helfen, sie hätte doch schon so vielen Kindern geholfen und sie hätte doch soviel Ahnung…. .
Daraufhin erzählte ich ihr mal, was sie mit ihrer ach so gut gemeinten Ahnung so angerichtet hat. Dadurch, dass sie Tom gezwungen hat, runter zu kommen und wieder mit ihr zu reden, ist er zurück in sein, “ ich muss doch funktionieren“ gefallen. War erst körperlich krank, lange verunsichert, ängstlich. Wir mussten ihn wieder aufbauen, ihm versichern, dass dies nie wieder so vorkommt. Das Vertrauen zu uns und den Menschen hatte dabei wieder einen Riss bekommen, den es nun ersteinmal wieder zu kitten galt. Ich sagte ihr, dass ihr kommen soviel Stress auslöst, dass er dadurch vorher Ruhe benötigt und danach auch Stunden platt ist. Ich versuchte ihr zu erklären, dass ein lernen mit den Menschen wieder mehr in Kontakt zu treten, am besten nicht zusammen mit dem Thema Schule versucht wird, da dies ja Toms schlimmste Momente waren. Er kommt besser zur Ruhe und kann sich allem wieder öffnen, wenn er bestimmen kann, wann er was möchte. Erst, wenn er genügend Energie über hat, kann er sich in Ruhe neuem stellen, hat Lust, was Neues auszuprobieren und kann dies dann auch als positiv erleben. Wir müssen ihm einfach die Zeit geben, die er braucht, dann erreichen wir mehr, als wenn wir ihn ständig zwingen.
Dies wollte sie alles nicht hören, sie ist so überzeugt von ihrem Handeln, dass alle, die anders denken, dumm sind. Einschließlich unseres Psychiaters. Dies machte mich schon fassungslos, aber richtig zur Sache ging es, als sie anfing zu erzählen, dass sie mit der Webschule und unserer Therapeutin telefoniert hätte, dass es doch das beste sei, wenn Tom weiterhin im Regelschulsysthem bleibt und in Kooperation mit der alten Schule arbeitet. Also, die alte Schule schickt alle Aufgaben zur Webschule, die die ausgefüllt zurück senden muss und so könnte er doch dann auch arbeiten schreiben und Noten bekommen… .
Was hat sie gemacht? Hinter unserem Rücken mit der Webschule telefoniert und denen gesagt, dass wir mit der alten Schule kooperieren wollen? Nicht ihr Ernst! Ich war inzwischen sprachlos, wütend und entsetzt! Langsam reicht es aber mit ihrer, ach so übermotivierten Art. Wir arbeiten seit Monaten daran, dass er von der Schulpflicht befreit wird und nun kommt die uns so? Dies zeigt leider wieder, dass die alle von Anfang an genau dies im Sinn gehabt haben. Sie hatten ja am Anfang solche Andeutungen gemacht. Da kamen so Sätze wie,- „Die Bezirksregierung lässt keinen aus der Schulpflicht“! Oder, „Wenn wir dann nächsten Jahr mal zusammen in die Gesamtschule gehen, können wir ja…“!
Wie konnten wir solange glauben, dass wir an einem gemeinsam Ziel arbeiten, aber eigentlich ganz unterschiedliche Dinge meinen? Wie konnte sie uns so lange immer wieder erzählen, dass sie alles so sieht wie wir und auch will, dass er an der Webschule bleibt, bzw nicht in die Regelschule zurück soll, wenn Sie doch genau das Gegenteil immer verfolgte. Schon lange haben wir uns immer wieder gefragt, warum sie so oft komische Bemerkungen gemacht hat. Haben uns gefragt, ob wir so vieles von ihr einfach nicht richtig verstanden haben oder auf welcher Seite sie wirklich steht… . Alles war so komisch, aber sie hat immer wieder unsere erwähnten Befürchtungen weggewischt und uns beruhigt. Erklärt, warum sie dies oder jenes so geschrieben hat, „doch nur damit wir problemloser unser Ziel erreichen…“. Oh wie nett, herzlichen Dank.
Nach einem nicht so schönen Gespräch, konnten wir uns darauf einigen, dass wir das Ruhen der Schulpflicht nun beantragen, sie ersteinmal nicht mehr vorbei kommt, da dies Tom zu sehr stresst und wir ihr aber weiterhin schriftlich fragen beantworten, damit sie ihr Geld, was sie von der Bezirksregierung bekommt, rechtfertigen kann. Wieder einmal glaubte ich ihr, dass nun endlich alles geklärt sei und sie uns in Ruhe lässt. Wenn das Ruhen durch ist, hat es sich ja sowieso mit ihr erledigt, dachten wir…
Nun mussten wir ja nur noch mit der Gesamtschule den Termin, zum erstellen des Antrages für das Ruhen der Schulpflicht hinter uns bringen. Dies sollte doch ein leichtes sein. Wurde aber auch dieser Termin nicht.
Wie lange soll das denn noch so weiter gehen? Wie lange halten wir noch durch? Warum dies alles?

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