Wie der Alltag leichter wird

Heute will ich mal anhand von einigen Beispielen beschreiben, wie wir unser Leben entspannter gestalten. Die wichtigsten Dinge, die wir in dieser Zeit gelernt haben sind,- Geduld und passt die Dinge euch an.
Geduld ist sehr wichtig, da das Gegenteil, Druck, Hektik und Strafen, meist nur kontraproduktiv wirken. Wenn wir langfristig Fortschritte machen wollen und erleben, dass unsere Kinder entspannt, gerne und freiwillig viele Dinge machen, dann sollten wir es langsam angehen und dabei in kleine Abschnitte aufteilen.
Beispiel, jedes Jahr benötigen die Kinder ja neue Schuhe, sowohl durch die gewachsene Füße als auch der Wechsel von Sommer,- zu Winterschuhen. Dies gestaltete sich bei uns einige Jahre doch sehr schwierig. Es gab Geschrei, Overload’s, Verweigerung die neuen Schuhe anzuziehen, sie wurden in den Müll geworfen oder tagelang geweint, bzw einfach nicht das Haus verlassen… einfach gesagt, – es war für alle Beteiligten nicht schön.
Nach und nach haben wir es dann anders probiert. Wenn es um Schuhe ging, die noch passten, nur saisonal jetzt wieder rausgeholt wurden, habe ich ersteinmal darüber geredet, dass bald die Zeit kommt, wo man wieder dicke Schuhe tragen muss. Dann standen sie im Flur, so das er sie sehen konnte. Als nächstes habe ich ihn gefragt, ob er sie einmal kurz anprobieren kann, damit wir sehen, dass sie noch passen. Nur kurz und dann direkt wieder wegstellen. Auch habe ich Zeit gehabt, ihm zuzuhören, was er zu diesen Schuhen zu sagen hat,- wo der Schuh drückt-. Manche Dinge konnte ich dadurch verändern,- andere Schnürsenkel, die Schuhe putzen oder etwas weiten… . Bei vielem merken, dass sie ihm noch nie „gepasst“ haben, ich die ihm aber einfach aufs Auge gedrückt hatte, weil sie mir gefallen haben oder sie billig waren. Da viel mir auf, wie oft wir Dinge entscheiden, die nicht auf unser Kind in erster Linie ausgerichtet sind, sondern auf uns oder die anderen Mitmenschen, „da man das halt so macht“ oder, weil es alle so machen.
Damit wären wir auch beim zweiten,- alles möglichst so zu machen, wie es für den Autisten gut und passend ist und nicht für mich, die Schule, den Staat oder die Freunde…. warum sollte ich unser Kind dazu zwingen Schuhe zu tragen, die ihn drücken, er als unangenehm empfindet, die so zu viel Energie rauben…, nur weil „alle anderen“ das doch auch so machen? Wenn ich in Ruhe auf unseren jungen höre, was er für Schuhe tragen möchte, ihm Zeit gebe sich passende auszusuchen, ihn dafür vielleicht nicht in einen Laden quäle sondern er online schauen kann und wir dann 3 paar bestellen, damit er hier in Ruhe probieren kann. Wenn ich mich auf ihn, seinen Geschmack, Vorlieben und Gefühle einlasse, klappt es immer besser, als früher. Solche ausgesuchten Schuhe werden dann auch gerne getragen. Dies gilt natürlich genauso auch für alle anderen Bereiche. Kleidung, Essen, Hygiene, Hobbys, Schule, Freunde, Vereine, Feiern …. . Wie gehe ich damit um? Passe ich den Jungen den Menschen an oder darf er die Dinge sich anpassen?
Erwarte ich jeden Tag von Tom, dass er endlich lernt, dass man nicht nur in Trainingshose, aus dem Haus geht oder freue ich mich, dass er nun entspannt das Haus verlassen kann? Auch wenn Nachbarn und Freunde komisch gucken oder doofe Fragen stellen? Er fühlt sich darin wohl, es drückt und kratzt nichts, sie sind immer weich und gleich,- wunderbar. Es gibt sie in kurz und lang und fertig. Nie war Hosenkauf und das tragen so entspannt, wie jetzt. Ob er jemals noch mal andere tragen wird,- wir wissen es nicht. Aber selbst wenn eine Hochzeit oder Beerdigung anliegt, darf er damit gehen. Ich lege keinen Wert darauf „Etikette“ zu bewahren, die Hosen,- dies gilt natürlich auch für den Rest der Kleidung, sollten sauber sein und noch passen, fertig. So einfach kann es sein, wenn er entscheiden darf, was gut für ihn ist und nicht wir ihm was aufs Auge drücken, was wir meinen, dass man das so machen muss. Vor allem nicht, nur weil „die Gesellschaft“ dies so will.
Genauso ist es auch mit dem Kindergarten, der Schule oder der Freizeit… . Ich möchte, dass wir entscheiden dürfen, was gut für unseren Jungen ist und was zu viel,- bzw bei manchen Dingen ist es ok, wenn ein Arzt oder Psychiater bestätigen muss, dass Tom dies überlastet… Nur wenn man über Jahre darum kämpfen muss, dass er nicht mehr endlich lernen MUSS, sich der Schule anzupassen sondern Tom so lernen darf, wie es zu ihm passt. Dies verbraucht leider viel zu viel Energie, die nicht nur sinnlos ist, sondern sogar kontraproduktiv.
Wir Eltern können in Deutschland immer noch nicht über die Art und weiße des Lernens entscheiden. Darüber müssen wir mit Behörden mehr oder weniger kämpfen,- manchmal auch mit Psychologen, Psychiatern und Lehrern…, aber wir können den Rest des Tages entscheiden, wie er leben kann. Die vielen kleinen Dinge, wie Hosen, Schuhe, Hobbys oder Essen …, liegen doch in unserer Hand. Bei alldem sollten wir immer überlegen, warum meine ich, ist dies sooooo wichtig, es genauso zu machen? Was schadet es ihm, wenn er es anders macht? Entstehen dadurch bleibende Schäden oder eher genau andersherum. Schadet es ihm, wenn er es machen muss? Wer oder was ist mir bei der ganzen Sache wirklich wichtiger? Was die Nachbarn denken, die Familie oder mein Kind?
Natürlich kann und muss man bei manchen Dingen auch langfristig überlegen, was es schaden könnte. Nur haben wir leider auch dabei oft nur die Sicht von „Normalos“ und nicht von „Aspis“ im Sinn. Braucht oder will jeder Autist wirklich ständig mit Menschen zusammen sein, die ihn überfordern? Muss man Kirmes, Sportvereine oder Shoppingcenter mögen um glücklich leben zu können? Auch hier haben wir gelernt umzudenken. Heute fragen wir uns mehr,- was wollen wir wirklich? Ja, es ist gut, dass er schwimmen geht, aber er mag keine öffentlichen Freibäder, also haben wir einen Pool in unseren Garten gestellt. Einkaufen kann man auch online oder wir fahren zu Zeiten, wo kaum Menschen in den Geschäften sind. Dabei nehmen wir Rücksicht auf seine Aussagen, wo er zb das Licht zu grell findet oder der Geruch eklig ist… . Wenn wir möchten, dass er mit zum einkaufen fährt, darf er sagen wo wir einkaufen. Er darf auch jederzeit sagen, „jetzt reicht es mir“, dann darf er sofort ohne Diskussion oder fragen, ins Auto gehen oder wir fahren alle sofort zurück. Dies hilft ihm sich zu trauen neues auszuprobieren. Manchmal müssen wir Neues mehrmals ausprobieren, bis es entspannt klappt, aber dies lohnt sich doch.
Also immer die Ausrichtung, wir passen uns ihm an, nicht er ständig uns. Dabei bleiben ja doch auch immer noch genügend Dinge über, wo er sich anpassen muss. Nur jeder Moment, den er einfach entspannt bleiben kann, spart Energie und dies kommt dann doch wieder allen zu gute. Seitdem wir immer mehr streichen von den Sachen, die ihn stressen, hat er endlich wieder Energie über und fängt nun von sich aus an, neues auszuprobieren. Ja, wir passen an so mancher Stelle nicht mehr ins Raster, fallen auf und viele fragen sich,-“ müssten die nicht mal…“? Nein, wir müssen nicht, denn wir leben unsere Leben und du deins. Woher solltest du also besser wissen, was für uns gut und passend ist. Ich möchte dafür sorgen, dass wir auch in Zukunft glücklich und entspannt leben können, dies klappt aber nicht mit ständigem Stress. Wir alle müssen lernen die Welt aus Sicht des anderen zu sehen, da viele aber nicht selber Autisten sind, können sie dies nicht so leicht. Da hilft es dann zuzuhören und Ihnen zu glauben, was sie sagen und dann den Alltag darauf auszurichten und nicht auf,-“ das machen aber doch alle so“!
Wir sind ja (schon) einzigartig, wundervoll und liebenswert, einfach so, so wie jeder ist. Wir müssen nicht umtrainiert werden, lernen uns anzupassen oder wenigstens nicht aufzufallen…..

Schulamt meldet sich endlich

Nach fast 3 Monaten, hat sich das Schulamt gemeldet. Wir hatten mit unserem Anwalt abgesprochen, dass wir nach 3 Monaten eine Unterlassungsklage einreichen werden, aber dies wissen die ja dort auch und haben somit noch kurz davor einen Brief geschickt.
Unser Antrag sei bei Ihnen eingegangen,- „ach echt, ist ja super“! Dann kommt ein bla bla über, er sei ja Autist …, es wäre aber durch unsere abgegebenen Gutachten nicht ersichtlich, warum er nicht an die ihm zugewiesene Förderschule gehen kann , in eine Klinik und dort die Schule für kranke oder wenigstens Hausunterricht machen kann. „Bitte was? Wir haben keine ausreichenden Gutachten abgegeben, die dies begründen“? „Was steht denn sonst auf den ganzen Stellungnahmen vom Psychiater? Er stellt sich zu sehr an…“?
Somit bitten Sie uns, ein geeignetes Gutachten vom Gesundheitsamt und eines vom Schulpsychologen einzureichen. Eine Frist haben Sie uns dafür auch direkt gesetzt. Für uns müssen 6 Wochen reichen. Wir waren sprachlos, was soll uns dazu noch einfallen. Nur, sie haben es wieder geschafft, dass eine neue Runde eingeläutet wurde. Wieder zieht sich alles unnütz in die Länge. Wieder haben wir die A-Karte und sollen aufgeben oder die geforderten Unterlagen anbringen.
Nachdem wir uns einen Tag etwas beruhigt hatten sprachen wir mit unserem Anwalt darüber. Auch der war verwundert über so viel Arroganz. Er konnte uns in soweit beruhigen, dass er sagte, wir müssten nicht zum Gesundheitsamt oder Schulpsychologen, da wir dort nur in Gefahr laufen, dass dieser uns nicht bescheinigt, dass keine Schule möglich sei. Dies wäre nicht gut. Wir könnten aber von unserem Psychiater und der Therapeutin noch einmal ein Gutachten erbeten, welches alles noch genauer zusammenfasst, was schon in den vorherigen Stellungnahmen stand.
Diese werden wir dann ans Schulamt senden und schauen, was sie damit machen. Die werden sich bestimmt wieder fast 3 Monate Zeit lassen um dann noch einmal zu sagen,- na gut, aber jetzt fehlt noch…!
Unser Anwalt wird aber nach Ablauf einer gewissen Zeit, von der Bezirksregierung erwarten, dass sie eine endgültige Entscheidung treffen, denn nur so, können wir auch dagegen vorgehen. Auch müssen sie in einem Ablehnungsbescheid genau begründen, warum sie den Antrag nicht genehmigen. Wir gehen mal davon aus, dass sie ihn ablehnen werden, da die Abteilungsleiterin schon von vorne herein gesagt hatte, Ruhen der Schulpflicht, sei normal keine Option, nur wenn überhaupt nichts anderes möglich sei. Da waren wir noch davon ausgegangen, dass sie die erbrachten Gutachten so annehmen und sich nach den Ergebnissen richten. Auch das erstellte AOSF Gutachten besagt, dass kein Schulbesuch, Hausunterricht möglich sei. Nur die Sonderpädagogin hatte ja da den schönen Satz reingeschrieben, dass sie glaubt, dass nur ein erfolgreiches eingliedern in die Regelschule möglich sei, wenn er IN eine Klinik gehen würde. Darüber hatten wir uns schon letztes Jahr so aufgeregt, denn ihr steht diese Beurteilung überhaupt nicht zu, solche Urteile zu fällen, übersteigt eindeutig ihre Kompetenz. Dies ist aber der Bezirksregierung und der Sonderpädagogin egal, denn sie können es für ihre Zwecke nutzen.
So hat es uns auch nicht gewundert, dass das Schulamt uns genau darauf „hingewiesen“ hat, dass wir doch belegen müssen, dass dies auch nicht zum Erfolg führt. Das es darüber schon seit letztem Jahr eine Stellungnahme vom Psychiater gibt, haben die einfach mal „vergessen“. Ach ja, sie sagen ja zu allem, dass diese nicht vorhanden oder aussagekräftig genug seien. Es ist doch super, wenn man immer wieder nich einmal sagen kann,“…so reicht dies nicht, das muss ausführlicher sein, dies ist nicht aussagekräftig genug…“!
Hier geht es schon lange nicht mehr darum, dass es Tom gut geht oder er eine angemessene Schulbildung bekommt,- nein, es geht nur darum, dass er nicht aus der Schulpflicht herauskommt und das das Jugendamt nicht zahlen muss.
So langsam haben wir uns damit abgefunden, dass wir die Webschule selber zahlen müssen, es ist uns auch egal, ob er von der Schulpflicht befreit wird. Nur ist es uns nicht mehr egal, dass wir so viel Energie in diese Ämter stecken müssen, dass kaum noch ein halbwegs normales Leben möglich ist. Wir sind nicht mehr bereit, noch länger uns durch Ämter so viel Energie und Freude rauben zu lassen. Uns sagen zu lassen, was gut sei, was wir machen müssen, dass wir ihn zwingen müssen, zu funktionieren oder ihn in „geschulte“Institutionen schicken sollen, die nur dafür sorgen, dass er wieder kränker, gestresster wird und jegliches Vertrauen, dass er endlich zu uns aufgebaut hat, verliert. Nein, wir wollen endlich in Ruhe unser Leben leben und uns nicht für alles 100 mal rechtfertigen müssen, nur weil irgendwer mit dem Kopf durch die Wand will.
Unsere ganze Familie hat darunter gelitten, Tom, da er immer die Angst in sich hatte, doch wieder in die Regelschule zu müssen, wir, weil uns die meiste Zeit nichts anderes als „wir müssen noch mehr Beweise finden, damit man uns endlich glaubt“ durch den Kopf schwirrte und wir immer wieder suchen mussten, ertragen mussten das jemand bei uns vorbei kommt oder wir zu jemandem hinfahren müssen… . Unsere großen Kinder, da wir weniger zeit für sie hatten und auch weniger Geld, sie im Studium zu unterstützen. Auch wirkt es sich immer auf Toms Wohlbefinden aus, ob wir entspannt sind oder eben nicht. Über zwei Jahren waren wir ständig in immer neuen Beweispflichten, mussten dafür sorgen, dass wir eine Lösung oder jemanden finden, der uns versteht und wirklich hilft. Mussten alles erklären, darauf hoffen, dass sie es verstehen und nicht auch von der Sorte sind, die glaubt, nur durch mehr Druck und Zwang, wird er wieder funktionieren.
Alles haben wir versucht und geliefert, nun ist damit aber Schluss. Wir haben nun noch einmal den Psychiater und die Therapeutin gebeten uns ein Gutachten zu schreiben, dieses ist das letzte was der Anwalt von uns, einreicht. Danach wird nur noch er mit dem Schulamt korrespondieren und bald Klagen.
Gut ist, dass nun die Zeit soweit fortgeschritten ist, dass alle Maßnahmen länger dauern und er dann bald 18 wird und sowieso frei ist. Die Zeit läuft ja nun nicht nur gegen uns, sondern auch für uns, denn die Behörden sind langsam und ein Gerichtstermin dauert sowieso. Auch wissen wir nicht mehr, was die noch von uns wollen könnten. Zu was wollen die uns noch zwingen?
Dies alles ist so traurig und wir sind mit unserer Kraft so am Ende. Nur sind wir zu zweit, glücklich verheiratet und haben genügend Geld, um die Schule zur Not auch weiterhin selber zahlen zu können,- auch Oma sei dank-. Aber was ist mit all denen, die alleine sind, niemanden zur Unterstützung haben und sich auch mit Behörden nicht auskennen? Wer hilft uns eigentlich, wenn alle Ämter gegen uns sind und nur die stellen, die nichts zu entscheiden haben, es ähnlich sehen, wie wir?
Warum haben Behörden so viel Macht und niemanden, der sie kontrolliert oder Einhalt gebietet? Ohne unseren Anwalt, der sich sehr gut mit Behörden, der Webschule und Sozialrecht auskennt, weiß ich nicht, wo wir heute wären. Deshalb empfehle ich jedem, nehmt euch einen Anwalt für Sozialrecht und lasst euch beraten. Wir benötigen professionelle Hilfe, damit wir wenigstens langsamen Erfolg haben.
Wir können gespannt sein, wie es weiter geht. Nur gut, dass wenigstens die Sonderpädagogin sich endlich zumindest im Moment, nicht mehr meldet. Seitdem geht es mit uns weiter Berg auf. Die hat das letzte Jahr praktisch am meisten Stress gemacht. Da sie dem Schulamt immer wieder „Stoff“ lieferte, was die gegen uns verwenden konnten. Auch kam sie immer wieder an, um über uns zu bestimmen und uns aufzuzeigen, dass sie doch alles besser weiß… .
Wir verstehen das alles nicht, wie solch ein Verhalten in Deutschland sein kann. Warum hat die deutsche Schulpflicht solch eine Macht?

Frühlingsgefühle und die schlimme Schulpflicht

Was für ein Wetter, ich freue mich über soviel Sonne und wärmende Sonnenstrahlen.
So beschließe ich, heute im Garten zu schreiben und dabei die Sonne zu genießen, mit den milden Temperaturen, lässt es sich hier sehr gut aushalten.
So habe ich Zeit, noch einmal die letzten Jahre zu überdenken und hoffe auf ein besseres Jahr 2019. Was ist bloß los in Deutschland, dass so viele Familien und Kinder unter dieser Schulpflicht leiden müssen?
Wie kann es sein, das Behörden so viel Macht haben und sie von keinem kontrolliert werden? Die Gesetze, die vor über 60 Jahren vielleicht einmal Sinn machten, heute noch so brutal durchzusetzen und zu missbrauchen ist sehr schlimm!
In keinem anderen Europäischem Land gab oder gibt es solch eine Harte,- Schulgebäude Anwesenheitspflicht. An oberster Stelle steht immer Proforma – „das Wohl des Kindes“. In Wahrheit ist dies aber nur ein Gesetz, welches von den Behörden dazu benutzt wird, dass entweder, das Kind von einer Regelschule verwiesen wird,- da angeblich nicht beschulbar, weil es eine Gefahr für andere sei, es wird auf eine Förderschule geschoben oder aber, wenn es wirklich nicht beschulbar ist, soll es trotzdem zwanghaft in eine Regelschule gehen. Ansonsten wird mit zwanghaftem Aufenthalt in einer psychiatrischen Klinik gedroht oder mit dem Entzug der Erziehungsberechtigung.
Leider musste ich nicht nur bei uns feststellen, dass uns das Leben schwer gemacht wird und sich keiner wirklich um das Wohl von Tom sorgt, sondern auch bei vielen anderen erlebte ich ähnliche Geschichten. So kann man nur zu dem Schluss kommen, dass System dahinter steckt. Familien daran zu hindern, dass ihre Kinder glücklich und Gesund die beste passendste Schulausbildung erhalten, sollte doch im Sinne unseres Staates sein.
Warum nur wird es so vielen hier so schwer gemacht?
Haben diese Familien es nicht sowieso schon schwerer, da die Kinder viel mehr Hilfe benötigen?
Ich finde es vor allem so schlimm, dass hier der Eindruck erweckt werden soll, als ging es ums Wohl der Kinder. Dabei geht es mehr ums Geld. Nur langfristig ist es nicht teurer jedem Kind die wirklich passende Schulbildung zu Gewehren. Ob durch Schulbegleiter, gute Ausstattung der Regelschulen, mehr gut ausgebildete Lehrer für Autismus oder die Bezahlung der Webschule, diese werden dafür sorgen, dass jedes Kind die Schullaufbahn glücklich durchlaufen kann und so auch seinen besten Schulabschluss schafft. Dieser führt dazu, dass sie dann auch einen passenden Beruf erlernen können, an sich glauben, ihre Talente entdecken, ihre Grenzen erkennen und fröhlich ihr Leben leben.
Was haben wir von Kindern, die innerlich so kaputt sind, glauben Sie seien nichts Wert, die über Jahre überfordert, ängstlich, gemoppt oder krank waren und dann nicht mehr in der Lage sind ein eigenständiges schönes Leben zu leben. Wer fragt danach, wie es einer Familie ergeht, die über Jahre den Druck der Behörden aushalten musste, ihrer Willkür ausgeliefert war, wie es ihnen geht und was dies alles negatives angerichtet hat. Wieviele Eltern leiden so sehr darunter, dass sie mit ansehen müssen, wie die Kinder sich quälen, nicht an eine geeignete, gewünschte Schule gehen dürfen, gemoppt werden, von den Schulen weg geschickt werden oder nicht zur Webschule gehen dürfen…
Ich führe mit meinem Mann seit über 25 Jahren eine glückliche Ehe, aber auch unsere Beziehung ist an manchen Tagen sehr auf die Probe gestellt worden, da wir beide mit unserer Kraft am Ende waren. Nicht jede Verbindung hält dies durch, denn die Dauer von Monaten und Jahren zerrte sehr an unseren Kräften.
Wie soll man Behörden oder manchen Ärzten dies alles verständlich machen, wenn einem keiner zuhören will? Der Kampf, zu glauben, dass sie es bald verstehen werden, den haben wir aufgegeben, denn leider mussten wir erkennen, dass es eben nicht, wie von allen verkündigt wurde, ums Wohl des Kindes geht. Es ging nur darum, dass es nichts kostet, einfach ist, sie nichts ändern müssen und Tom endlich „funktioniert“!
Wir haben die letzten zwei Jahre, viel zu viel Auflagen gemacht bekommen, wo es immer wieder hieß, “ ja wenn sie dies uns noch beweisen, dann können wir das bezahlen oder genehmigen…“! Leider mussten wir aber erkennen, dass mit dem erfüllen des einen, schon eine nächste Aufgabe auf uns wartete. Wir sind die ganze Zeit immer wieder sehr unter Druck gesetzt worden, mit Sätzen wie, “ wenn sie das nicht heranbringen, müssten wir – ihn- mal für 3 Monate in eine Klinik schicken, ihn doch wieder in die Regelschule zwingen oder wenigstens zur Tagesklinik….“! Diese ständigen Ängste, dass man uns zwingt, dafür zu sorgen, dass er funktioniert, machten alles immer schlimmer.
Dabei wird immer sehr darauf geachtet, die „Liste“ durchzugehen, auf der man die Schwachstellen jeder Familie herausfinden kann. Alleinerziehende sind ja alle überfordert, Harz 4 Empfänger, alle dumm, Asperger Eltern erziehen die Kinder zu weich oder zu hart, sie seien selber zu krank oder gar behindert, kennen sich halt mit nichts aus, da wir das ja nicht gelernt hätten… . Uns allen wird unterstellt, wir würden unsere Kinder nicht kennen, aber sie seien ja vom Fach und deshalb wüßten sie am besten über alles Bescheid.
Nur wie kann sich jemand anmaßen, ein Urteil zu fällen über unseren Jungen, den sie garnicht persönlich kennengelernt hat oder vielleicht mal 1 Stunde unter hoher anspannung? Wie mir erzählen, wie mein Kind am besten neue Dinge erlernt, wo wir dies mit ihm seit fast 16 Jahren täglich erleben und ausprobieren?
Nein, es ist kein toller Erfolg, wenn man es schafft ihn runter zu zwingen und eine Stunde dazu zu bringen mit ihr zu reden. Denn wir haben danach das überforderte, ängstliche Kind, welches wir mühsam wieder aufbauen müssen, hier liegen. Sie sieht nur ,- kann er doch!!! Es ist auch nicht super, dass auch nach 2 Jahren noch keine Entscheidung da ist, keine Ruhe mal für ein paar Wochen eingetreten ist, keine Sicherheit oder gar ein Ergebnis. Toll vielleicht für die Behörden, die es geschafft haben ein weiteres Kind in dem Schulzwang zu behalten, in der Statistik und ohne extra kosten. Bekommen die dafür eigentlich einen Orden?
Wie soll man damit umgehen? Wie so etwas überleben ohne, dass das Kind leidet, die Ehe kaputt geht oder kein Abschluss gemacht wird?
Wir wissen heute soviel,- wir werden uns von diesem Staat nicht noch länger so behandeln und schikanieren lassen. Mit dem Wissen von heute, würde ich entweder auch direkt auf Zeit spielen, Auswandern oder einfach,- nichts machen. Es scheint egal zu sein. Hätten wir nichts gesagt, wäre wohl auch lange nichts passiert. Nur dabei hätten wir nicht so viel Energie verbraucht und wären trotzdem beim gleichen Ergebnis.
Wir zahlen ja auch zusätzlich zu dem ganzen Nervenkrieg noch monatlich die Kosten für die Webschule, den Anwalt,- ohne den wir das letzte Jahr nicht mehr durchgehalten hätten und die ganzen Kosten für Fahrten zu Ärzten, das aufschreiben von Sachverhalten, besuchen bei Ämtern …. . Man kann sagen, die letzten zwei Jahre hat sich 90% nur um die „Schulbildung“ von Tom gedreht. Dies hat unsere gesamte Familie belastet.
War es das wert? Der Staat sagt,- JA, denn sie haben erst einmal nichts verloren. Wir sagen ganz klar,- NEIN, denn wir haben zu viel verloren und nichts positives dazu gewonnen.
Ich möchte allen Mut machen, geht diesen Weg, aber von Anfang an mit Anwalt für Sozialrecht. Lasst euch beraten, helfen, führen…. . Sucht nach einem Psychiater, der sich gut mit Autismus auskennt, euch sympathisch ist und euch in eurer Ausrichtung unterstütz. Denn da gibt es ja leider große Unterschiede. Zur Not geht zu 5 verschiedenen, bis ihr den gefunden habt,- wie wir, der zu euch passt, dem ihr vertraut, der hilft und unterstütz. Lasst euch auch von Freunden helfen, die euch verstehen oder gewillt sind, euch zu zu hören.
Trennt euch, zumindest vorerst, von all denen, die nur noch mehr Stress bringen, da sie euch auch noch erzählen, was ihr falsch macht, wie ihr es besser machen müsst oder das dies doch garnicht soooo schlimm sei. Wir sind in den zwei Jahren doch „Einsam“ geworden. Viele haben sich zurück gezogen, da sie sich nicht vorstellen können, wie anstrengend diese Zeit für uns alle ist. Da doch einige lieber schnell „gute Tips“ raus hauen und erwarten, dass wir nun wieder mitkommen auf Ausflüge oder Feiern… , macht man damit besser erst einmal Pause. Lasst es euch jeden Tag so gut gehen, wie es möglich ist. Wenn man keine Kraft hat in die Eisdiele zu gehen, dann machen wir hier Eisbecher selber, kaufen DVDs und schauen so Kino oder „spielen“ Restaurant, indem wir gemeinsam neue Rezepte kochen.
Wichtig ist, dass wir es nicht zulassen zu glauben, dass wir Schuld sind, mehr machen müssten oder unserem Kind schaden…. . Die Wohnung muss auch nicht perfekt aussehen, man muss nicht zu jeder Feier, die nur Energie kostet oder sonstige anstrengende Dinge unternehmen. Seid nett zu euch, schätzt das alles, was ihr für eure Kinder tut als super ein und hört auf euer Herz. Saugt jedes Lob, welches ihr von eurem Kind bekommt oder von anderen, in euch auf. Glaubt daran, dass ihr es seid, die euer Kind von Herzen liebt und das beste für es wollt. Die Behörden oder Ärzte sind diejenigen, die glauben, mit genügend Druck, bekommt man jeden dazu zu funktionieren. Wir sehen dies aber nicht so und unsere Erfahrungen, haben uns auch etwas anderes gezeigt.
Wir wollen keine „Roboter“, die bald kaputt gehen, da sie durch ständige Überforderung körperlich oder psychisch krank geworden sind oder die sich komplett zurück gezogen haben, da sie zu viel von allen Menschen enttäuscht wurden.
Wir sehen die Erfolge von Tom, aber diese zeigen sich nicht darin, dass er endlich wieder IN ein Schulgebäude geht, sondern dadurch, das es ihm gut geht, er sich und uns liebt, er körperlich immer gesünder ist und Spaß am Leben hat. Auch merken wir, wie die Energie wächst und er sich allem öffnet, sich Neues zutraut und viel mit uns gemeinsam unternimmt.
Hoffentlich ändert sich in Deutschland bald etwas, “ zum Wohle der Kinder“.

Kampf geht weiter, ohne ein Ende

Der Antrag beim Schulamt, auf Ruhen der Schulpflicht ist vor 8 Wochen gestellt worden und bis heute, haben wir noch keinerlei direkte Reaktion bekommen. Auch nicht durch einen Anruf von uns oder einen Brief mit bitte auf Bearbeitung und Rückmeldung, dass der Antrag eingegangen ist.
Mit der Sonderpädagogin hatten wir ja viele Diskussionen ob und wie wir uns weiter treffen könnten. Brav schickten wir ihr aber noch jede Woche den Fragebogen, den sie aufgestellt hatte, zurück. Nachdem sie noch einmal versucht hatte, doch wieder in unser Haus zu kommen und wir ihr deutlich sagten, dass wir nun ersteinmal abwarten wollen, bis das mit dem Schulamt geklärt sei, kam sie zu dem schluß, dass sie der Bezirksregierung mitteilen würde, dass die treffen im Moment keinen Sinn machen und sie damit aufhören möchte.
So war die Freude groß, als wir dies von ihr hörten, auch wenn sie dies mit Vorwürfen und schlimmen Befürchtungen uns gegenüber geäußert hat. Über 6 Wochen war Ruhe und wir merkten, dass dies allen gut tat. Wenigstens der Punkt schien schon mal geklärt zu sein,- schien aber auch nur.
Eines Sonntag abends kam wieder eine E-Mail,- „…ich bin von der Bezirksregierung angewiesen worden die 2 Stunden Förderung jede Woche, weiter fortzuführen“!
Bitte was? Wie kann das sein, wie kommen die dazu und was nun? Warum das jetzt auch noch?
Also Montags wieder unserem Anwalt geschrieben, was vorgefallen sei und ihn gefragt, was wir nun unternehmen sollen. Er meldete sich umgehend darauf bei uns und riet uns noch einmal schriftlich beim Schulamt nachzufragen, wann denn mit einem Ergebnis zu rechnen sei. Auch sollten wir das entweder direkt mit der Sonderpädagogin oder mit der Bezirksregierung klären, auf welcher rechtlichen Grundlage weiterhin die treffen mit Tom stattfinden sollen. Dies sollten wir uns aber unbedingt schriftlich mitteilen lassen, damit wir endlich etwas in den Händen halten, worauf wir dann angemessen reagieren können.
So setzten wir uns hin und schrieben dem Schulamt, dass wir immer noch auf eine Rückmeldung warten und fragten auch, wann denn mit einem Ergebnis zu rechnen sei. Der Sonderpädagogin schrieben wir auch einen Brief, dass wir keine weiteren treffen wünschen, bis wir schriftlich die rechtliche Grundlage schriftlich mitgeteilt bekommen.
Es verging fast eine Woche, bis sie eine E-Mail zurück schrieb,- “ im Interesse ihres Kindes rufen Sie mich bitte schnell einmal an“! Was ist dies denn nun wieder? Also, rief mein Mann sie an. Da meinte sie, sie hätte dies noch nicht dem Schulamt mitgeteilt, da sie doch noch einmal versuchen will uns davon zu überzeugen, dass wir uns besser weiterhin treffen und Tom so sich der Regelschule wieder annähern kann. Auch befürchtet sie, dass wir dadurch ansonsten nur unnötig Stress mit dem Schulamt bekommen, denn die wollen ihn nicht einfach so von der Schulpflicht befreien. Wir sagten einem weiteren treffen zu, aber nicht in unserem Haus und vorallem nicht mit Tom.
Nur, wie sollen wir mit jemandem zusammenarbeiten, wo klar ist, dass wir total unterschiedliche Ausrichtungen haben, wie man mit Aspergern am besten umgeht? Sie will es einfach nicht verstehen, dass sie zu viel Druck macht, immer mehr versucht ihn IN eine Regelschule zu schieben, egal was dies für Auswirkungen für ihn hat. Es scheint bei ihr an oberster Prioritätenliste zu stehen, dass jeder nur integriert wird in die Gesellschaft, wenn man IN einem Schulgebäude mit vielen anderen Kindern sitzt. Egal ob dabei die ganze Energie des Tages verbraucht wird oder sogar noch mehr. Unwichtig, wie die Kinder sich dabei fühlen, was es Ihnen positives bringt, ob sie dort Freunde haben, gut lernen können oder zuhause die meiste Zeit nur noch im Bett liegen müssen, vor Erschöpfung…. . Das scheint alles egal zu sein Hauptsache der Schein wird gewahrt, dass es „normal“ aussieht!!!!
Sie kam dann mit so Argumenten wie, seien Sie doch froh, dass er jetzt noch so viel Hilfe bekommt, wenn er ersteinmal über 18 ist, wird es schwer noch jemanden zu finden, der ihm etwas anbietet. Auch gut, „es macht sich doch einfach besser wenn man ein Normales Zeugnis mit Noten hat, als nur so ein komisches von der Webschule,- was sollen denn die Leute da denken…“! Uns fällt dazu nichts ein. Wie kann man uns nur zwingen wollen, dass er sich durch eine Schule quälen soll, nur weil sie weiterhin an uns Geld verdienen will, das Zeugnis der Regelschule „ordentlicher“ sei oder die Chefin vom Schulamt nur ungern Kinder von der Schulpflicht befreit….. ?!
So können wir gespannt sein, was bei dem Treffen raus kommt und wann wir etwas vom Schulamt hören. Wenn sie sich nicht melden, können wir nach 3 Monaten eine Klage wegen unterlassener Hilfe einreichen. Ob es dazu noch kommt oder ob sie eine Woche vorher uns einen Brief Schiecken mit,- „bitte erbringen sie noch folgende Unterlage, damit wir den Antrag bearbeiten können“!!!
Ja sollen sie ruhig auf Zeit spielen, die Zeit läuft längst für uns,- außer beim Geld, welches wir ja immer noch selber für die Webschule bezahlen. Das müssen wir dann auch noch einklagen.
Warum nur solch ein Stress und Chaos? Wir haben keine Energie mehr über für soviel Kampf. Hoffentlich ist es bald zu Ende.

Overload, – wenn alles zu viel wird

Ein schönes Wochenende, auf das sich alle gefreut haben. Ausschlafen, tun was man mag, keine Termine, erholen…
So war es gedacht, aber bei Autisten ist dies nicht immer so der Fall. Tom trifft sich gerne am Wochenende mit seinem Freund. Meist kommt dieser am Freitag und bleibt bis Samstag Mittag. Dies erfreut uns alle, denn er ist der einzigste Mensch außerhalb unserer Familie, mit dem er sich freiwillig trifft.
Es ist auch so, dass die beiden meist viel Spaß zusammen haben. Sie spielen gemeinsam an der Konsole oder im Garten Fußball, im Sommer geht es in den Pool oder wir grillen zusammen, spielen Brettspiele oder sie reden über das neuste in der Sportwelt….
Aber es gibt auch die Zeiten, wo es anders endet, als gedacht. Es fängt normal an, die beiden haben viel Spaß gemeinsam. Durch das schlechte Wetter können sie nicht raus gehen, also verbringen Sie die Zeit im Haus. Die Stimmung ist gut, auch wenn mein Mann und ich Ihnen sagen, schaltet mal einen Gang runter, denn wir befürchten, dass er wieder mal nicht merkt, wann es zu viel ist. Aber sie haben Spaß, bis er Samstag Mittag geht. Noch ist alles in Ordnung, er scheint müde, aber dies ist normal. Meist legt er sich nach dem Besuch etwas hin oder verbringt viel Zeit alleine in seinem Zimmer um sich zu erholen. So macht er es auch an diesem Samstag.
Abendbrot und anschließendes gemeinsames Fernsehen verlaufen normal. Mitten im Film wird er ruhiger, auf nachfragen, was denn los sei, antwortet er nicht. Ich bin erst verärgert, rede auf ihn ein, will ihn dazu bringen, mit uns zu sprechen. Erkenne nicht, dass er nicht reden kann, er ist verstummt, hat einen Overload, der sich bei ihm aber nicht durch schreien oder schlagen äußert, sondern im Gegenteil, durch verstummen, Schwindel und schwitzen, er ist mit allem überfordert. Klares denken ist dann nicht möglich. Eigentlich ist nichts möglich. Wir müssen dies aber erst erkennen, dann können wir ihm helfen. Legen ihn aufs Sofa und versichern ihm, dass alles gut ist, er zur Ruhe kommen darf, wir ihn lieben und alles verstehen.
Nach 20 min geht es besser. Wir sitzen noch bei ihm, haben ihm erklärt, was passiert ist. Er braucht immer wieder die Bestätigung, dass sein Körper normal reagiert und er bald wieder fit ist. In dieser Zeit ist die Angst sehr groß, dass er schwer krank sein könnte. Dann kann er es nicht erkennen, dass dies „nur“ ein Overload ist und bald vorbei ist.
Nach weiteren 15 min. begleiten wir ihn hoch in sein Zimmer. Geben ihm eine Wärmflasche, denn nach dem starken schwitzen, ist er nun am frieren, ist erschöpft und müde. Dieses Mal kann er aber direkt und gut einschlafen.
So kommt die Frage,- warum? Warum muss es ihm oft so schlecht gehen? Was können wir dagegen tun? Wie ihn schützen?
Auch merken wir, wie sehr wir doch oft hin und hergerissen sind. Was sollen wir zulassen, aber gleichzeitig damit riskieren, dass er dann keine Schule oder Therapie machen kann? Wir möchten ihm doch nicht verbieten, dass sein Freund kommt oder das er nicht mehr kommen mag, weil wir bestimmen, wann sie was tun müssen.
Wie die Balance endlich finden zwischen, was schönes machen und entspannt Schule oder Therapie machen. Oft schließen sich diese beiden Dinge noch gegenseitig aus. Machen wir etwas Neues, ist dies für Tom aufregend, kostet Kraft, dann braucht er danach Erholung und hat keine Energie für Schule. Legen wir Wert darauf, dass er Schule macht, sollten wir möglichst nur bekanntes unternehmen. Nur dann macht er nichts neues, erlebt nicht viel schönes und lernt nichts dazu. Zum Glück wird dies alles immer besser, es kommt seltener vor, dass es zu viel wurde und wenn doch, geht es schneller vorbei. Dies zeigt uns auch, dass wir auf dem richtigen Weg sind.
Wir sind durch die letzten Jahre und den damit verbundenen Stress durch Behörden,- mit den ganzen Arztbesuchen, Psychiatern, Briefe schreiben, mit dem Anwalt austauschen und dem Stress durch die Sonderpädagogin, so geschwächt, dass es nicht viel benötigt, dass wir krank werden. Wie also die wenige Energie die wir für Freizeit über haben nutzen? Besser auf Sicherheit gehen oder doch was riskieren?
Wie oft merke ich, dass wir uns unsicher sind und lieber nichts machen. Dann aber traurig sind, da alles so langweilig ist oder Tom so wenig außerhalb dieses Hauses erlebt. Im Gegensatz zu früher, möchte er heute was unternehmen. Nichts aufregendes, aber gerne mal zum Pizza essen, zu MC oder in die City, sich live ein neues Handy ansehen…, er möchte Zeit mit seinem Freund verbringen, mit ihm zusammen an der Konsole spielen und Spaß haben.
Alle reden davon, dass er doch lernen muss im normalen Leben klar zu kommen, aber keiner sieht, wie schwer dies für ihn ist, wenn er über Jahre überfordert ist. Keinen interessiert es, dass er ja irgendetwas streichen muss um Schule, Therapie und treffen schaffen zu können. Vorallem, wenn soviel Energie durch Behörden verbraucht wird.
Dann wird uns wieder klar, wie anders er doch ist. Wie sehr ihn alles beeinflusst und er darauf direkt oder nach ein paar Tagen reagiert. Wir werden weiter dafür kämpfen, dass es ihm endlich langfristig gut geht und sein wohl an oberster Stelle steht. Behörden haben doch nur ihren Vorteil im Blick. Meist geht es dabei ums Geld oder um Recht behalten.
Es tut uns unendlich leid, dass soviele Familien leiden müssen, weil Behörden zusätzlich noch mehr Stress bringen, obwohl sie doch helfen sollten. IN eine Schule gehen ist doch nicht das Wichtigste. Viel wichtiger ist es doch, dass es ihm langfristig gut geht, er entspannt ist, gerne am gesellschaftlichen Leben teilhaben möchte, er sich wohl und sicher fühlt, sich und sein Leben mag und seinen Weg findet, der zu ihm passt.
Nein, sein Leben muss nicht so aussehen, wie das irgendwer meint. Er muss nicht mit vielen Menschen arbeiten gehen, wenn fremde ihn immer stressen. Er muss auch nicht in einem Schulgebäude sitzen um einen guten Schulabschluss zu erhalten und auch nicht sonstige „normalen“ Dinge machen, nur weil einer hinterm Schreibtisch dies sich so ausdenkt.
Er darf und sollte ein selbstbestimmtes Leben führen, wir glauben ihm, wenn er sagt, „Es ist zu viel, ich brauche eine Pause“! Leider glauben dies eben viele Menschen nicht, sondern denken immer noch, sie könnten ihm das beibringen, indem sie ihn dazu nur oft genug zwingen.
Aber genau dieser Zwang raubt die meiste Energie, die dann wieder fehlt, um etwas schönes zu machen. So dauert es sehr lange, bis genügend Energie über ist, um auch so im Leben sich weiter zu entwickeln.
Die letzten Feiertage hatten wir wieder über Tage 10 Leute im Haus. Tom war noch nie mit Freude so viel dabei und hat entspannt mitgemacht. Er hat die Zeit genossen und sich daran erfreut, dass es ihm so gut ging. Der Übergang zurück in den Alltag, war dann sehr schwer. So hat er die Woche Schule durchgehalten, dann das Wochenende mit seinem Freund noch, aber dann kam alles geballt raus. Was ist dann nur wichtiger? Lieber keinen Spaß haben, aber Schule machen? Wer darf dies festlegen? Wir, Behörden oder Ärzte?
Ja, es gibt immer wieder mal einen Overload, dies wird sich auch nie ganz vermeiden lassen, da Tom immer noch nicht selber früh genug bemerkt, wann er eine Pause braucht. Da er bisher außerhalb des Hauses zu viel gesagt bekommen hat, das er doch wenigstens … können und …. machen muss, fällt es ihm immer noch schwer, sich so anzunehmen, wie er ist. Er hat leider noch zu viel die Vorstellung im Kopf, wie er sein sollte und was man so können muss…
Weniger ist aber oft einfach mehr. Wir hoffen, dass wir bald endlich wieder mehr selber bestimmen dürfen, wann er was macht. Dann kann er endlich lernen sich seinen Alltag so einzuteilen, wie er gut für ihn ist.
Wenn wir mit Tom überlegen dürfen, was, wann wie gemacht wird, dann geht es weiter aufwärts. Hoffentlich dürfen wir dies bald

Weiterer Ärger mit der Sonderpädagogin

So schickten wir der Sonderpädagogin, brav jede Woche den von ihr aufgestellten Fragebogen zurück und ertrugen es auch, das sie mehrfach uns E-Mails schrieb oder anrief um wieder was zu besprechen, damit sie ihr Geld rechtfertigen könnte. Auch wenn dies überhaupt keinen Sinn machte, denn Tom schadete dies nur und half nicht.
Es hielt uns aber nicht davon ab, endlich mit Hilfe unseres Anwaltes, das Ruhen der Schulpflicht beim Schulamt zu beantragen. Ihre ganzen Drohungen, Anschuldigungen und Vorwürfe mussten wir dafür über Bord werfen, denn dies war ja von Anfang an unser Ziel, Tom sollte befreit sein für die Webschule und das Jugendamt verpflichtet diese zu zahlen. Nur deshalb haben wir das ganze AOSF verfahren mit Förderplan durchgehalten. Nie hätten wir gedacht, dass dies wieder über ein Jahr in Anspruch nehmen würde und soviel Kraft kostet. Wieviel Energie haben wir dafür verbraucht, die nicht über war für schöne Dinge,- viel zu viel, nun sind wir aber nicht mehr bereit weiterhin mehr Energie für Kampf zu verschwenden, als für schönes, was uns alle weiter bringt.
Es ist kaum zu glauben, aber sie rief doch tatsächlich noch mehrmals an. Ich hatte sie als nächstes am Hörer. Sülzt was rum, wie,- “ Ach war doch toll, das Gespräch an der Schule…“! Das ich sie nicht durchs Telefon gezogen habe, war alles. Zuerst habe ich noch versucht freundlich zu sein und nicht zuviel dazu zu sagen, außer, dass das ja so nicht so geplant gewesen sei… . Da sie dann aber wieder massiv anfing auf mich einzureden, dass wir auf keinen Fall darauf bestehen dürften, dass Tom von der Schulpflicht befreit wird, wir einen großen Fehler machten und dies sowieso nicht klappen würde…. . Das wir soviel falsch machten, Tom doch endlich lernen müsste sich der Gesellschaft anzupassen und … . Da Platzte mir dann doch der Kragen und ich erzählte ihr, dass wir den Antrag schon gestellt hätten, sie dem Jungen so viel Leid zugefügt hätte, er und wir nun endlich Ruhe brauchen. Wir seien nicht mehr bereit ständig gesagt zu bekommen, was wir alles falsch machen, obwohl wir diejenigen seien, die seit Jahren dafür sorgen, das Tom nicht depressiv alleine im Bett liegt und nichts mehr machen kann.
Da war sie erst einmal still, fing aber schnell wieder an sich zu verteidigen und die Nummer zu fahren,- sie wolle uns doch nur gut, sie hätte ja schon so vielen Kindern geholfen und würde das einfach besser wissen, wir müssten endlich mal jemandem vertrauen und auf Fachleute, wie sie hören…. . Es kam auch noch, sie wollte uns doch nur vor dem Schulamt schützen, dass ihn nie aus der Schulpflicht raus lassen wird…. und vor schlimmerem Ärger bewahren…
Ich konnte es nicht glauben, alles wird so verdreht, das sie immer die tolle ist, weiß bei allem am besten Bescheid und sie hat auch nie etwas falsch gemacht… . Das sie schon beim ersten Treffen mit Tom alles verkehrt gemacht hat und somit für die weitere Zusammenarbeit mit ihm keinen guten Grundstein gelegt hat, will sie ebensowenig sehen, wie die Tatsache, dass sie sich die letzten 20-30 Jahre nicht sonderlich weitergebildet hat und man heute glücklicherweise viele Dinge endlich anders sieht und auch behandelt. Nicht wir sind diejenigen, die nicht bereit sind ihn mal mehr unter Menschen zu schicken, sondern sie ist diejenige, die nicht wahr haben will, dass man heute mehr weiß über Autisten und ihre Überforderung. Wir erleben doch Tom seit Jahren und merken, wie toll er sich entwickelt, mehr macht und entspannt bleibt, wenn er Zeit bekommt. Weniger ist einfach mehr.
Aber sie besteht immer noch darauf, dass Autisten gezwungen werden müssen sich der Leistungsgesellschaft anzupassen und zu lernen, nach außen zu funktionieren. Dabei schaut leider niemand darauf, was es innerlich für denjenigen heißt, ob er sich wohlfühlt, sich selber mag und sich am Leben erfreut… . Die Marschrute heißt einfach, – er geht IN eine Schule und später, er geht arbeiten-, fertig. Wenn er geht, es durchhält, dann scheint alles gut zu sein. Wir werden jedenfalls nie mehr unsere Kinder zu irgendwelchen Arbeiten, Ausbildungen oder Schulen/Studium zwingen, die nicht zu Ihnen passen, nur weil es für manche gut aussieht. Wenn dann sollte es doch so sein, dass es den Kindern dort rundum gut geht. Nur so können sie gesund und glücklich leben.
Wann begreifen denn endlich alle mal, dass Autisten nicht falsch, komisch oder schlecht sind, sondern einfach nur anders. Wenn man die Welt anders erlebt, muss man sich auch anders verhalten. Aber es gibt so viele Dinge, die Autisten besser machen, so vieles, dass sie erkennen… . Wenn wir Ihnen einfach die Zeit, einige Erklärungen und liebe geben, werden sie ihren tollen Platz im Leben finden und eine Aufgabe mit Hingabe erfüllen. Dazu muss man keinen zwingen.
Wenn Tom aber nicht arbeiten gehen kann, da ihn alles, auch da er zulange in die Schule gehen musste, zu sehr stresst und krank macht, dann ist dies für uns so in Ordnung. Dann bleibt er einfach bei uns zuhause und führt so ein glückliches Leben. Das ist doch wichtiger, dass er fröhlich ist, sich selber mag und gerne etwas macht. Ob er dadurch oder dabei Geld verdient, ist dann nebensächlich.
Also nicht falsch verstehen, wir sind schon dafür, dass er das Abi macht, wenn er kann, studiert, am besten an einer normalen Uni und dann auch arbeiten geht und viel Geld verdient… . Gerne, nur wenn man mich fragt, ob er besser irgendwo arbeitet und einen Hungerlohn dafür bekommt, abends völlig platt auf dem Sofa liegt, keine Energie über hat, für irgendetwas…., dann wähle ich den Weg, er geht nicht arbeiten, sondern ist glücklich.
Wir brauchen uns doch nicht als Deutsche auf die Fahne schreiben, wir wären ach so sozial und hilfsbereit, wenn wir jedes Kind in die Schule zwingen wollen,- auch gerne dabei in Kauf nehmen, dass er einen minderen Abschluss macht und danach so kaputt ist, dass nicht mehr viel möglich ist um sie dann noch alle zu zwingen für 2-3 € irgendwo zu arbeiten? Wer ist dabei der Normale?
Wie lange habe ich oder unsere Kinder sich durchs Leben gequält, weil wir von außen gesagt bekommen haben, „So seid ihr nicht gut, ihr müsst euch ändern“! Ihr seid falsch, schlecht…“! Nun ist es aber endlich soweit, dass das was ich schon vor 30-40 Jahren gefühlt habe, auch wissenschaftlich belegt werden kann. Nur müsste man, um dies zu wissen, sich Weiterbilden und bereit sein, seine Ausrichtung, seine Sicht zu verändern. Wir machen dies ständig, nur wird dies von vielen,- Psychiater, Ämtern, Ärzten, Therapeuten, Pädagogen …, immer noch nicht so gesehen. Sie fühlen sich als „Halbgott“, der die Weisheit mit Löffeln gefuttert hat. Sie wollen überhaupt nichts verändern, denn damit müssten sie ja auch zugeben, dass sie davor etwas nicht so optimal gemacht hätten.
Ich habe es schon immer als schlimm empfunden, dass jeder gleich sein muss und auch ich sehr oft gezwungen wurde, in die Schule zu gehen, jedem die Hand zu geben oder mich von Verwandten umarmen zu lassen…. .
Wenn Leute versuchen uns zu erklären, warum dies bewiesen sei, dass man nur oft genug Dinge machen müsste und es dann gut klappt, dass man Autisten zwingen muss ihre Grenzen zu überwinden, da die meisten sich nur in ihrer Komfortzone bewegen wollen…., dann werde ich heute schnell traurig oder auch schonmal sauer. Bei Hunden nennt man solch eine Methode konditionieren, man lernt ihnen, meist durch Angst, dass sie das machen, was ich will. Mehr Erfolg hat man aber meiner Meinung nach damit, wenn man es spielerisch macht, mit „Leckerlis“ und Lob. Dann haben Hunde Freude am lernen und der Erfolg ist langfristig zu sehen. Kurzfristige Erfolge kann man mit Zwang gut schaffen, aber langfristig ausgeglichene Kinder, die gerne am gesellschaftlichen Leben teilnehmen, sind eine ganz andere Sache. Glückliche Menschen, denen es langfristig gut geht, die keine körperlichen Beschwerden oder psychische, wie Depressionen haben, sind doch erstrebenswert. Ihnen muss man mit Ruhe begegnen und ihnen Zeit geben, Dinge langsam zu lernen und manches auch garnicht machen zu müssen.
Die Sonderpädagogin lies sich jedenfalls nicht belehren oder war bereit über alles noch einmal nachzudenken. Solche ähnlichen Gespräche mussten wir noch 2-3x führen. Ob nun dieses Kapitel endlich beendet ist,- hoffen wir es mal. Wir haben keine Lust oder Kraft mehr um solch einen Unsinn zu besprechen. Sie darf ihre Meinung haben, solange sie uns damit in Ruhe lässt. Nur hindert sie uns ja auch noch daran, dass wir bei den Ämtern schnell eine Lösung erreichen.

Schulpflicht,- Wie sich durch Corona hoffentlich vieles ändert…

So mussten wir eine Lösung finden, dass er lernen kann ohne Stress. Es sollte ihm gut gehen und er müsste auch genügend Energie über haben, dass er Freude an seinem Leben hat und schöne Dinge machen konnte. Nur leider fanden wir keine Menschen, die dies so ähnlich sahen. Die meisten versuchten uns immer wieder zu zwingen, ER müsste doch lernen sich der Gesellschaft anzupassen und IN eine Regelschule gehen. Er wäre ja ein schlauer Junge, also müssten wir auch dafür sorgen, dass dies gut klappt…

Wir sind ja nun schon seit über 3 Jahren dafür am kämpfen, dass Tom nicht mehr normal in die Regelschule gehen muss. Über anfängliche Probleme im Kindergarten und Grundschule, wurde es auch an der weiterführenden Schule nicht besser, sondern immer stressiger. Tom wurde immer körperlich kränker bis dahin, dass er garnicht mehr gehen konnte.

Welch großer Stress in ihm dadurch ausgelöst wurde, dass IN der Schule ständig Veränderungen sind, die Lehrer, Schüler, Räume wechseln, Schüler ihm Dinge wegnehmen, jemand sich verletzt oder er wieder etwas falsch versteht und ihn alle auslachen…, wollte keiner hören. Kaum jemand nahm sich die Zeit, sich wirklich mit uns näher zu beschäftigen und zu helfen. Lieber schnell die Aussage treffen,- „Er muss sich anpassen“.

So mussten wir mit der Schule sprechen, ihn krankschreiben lassen, eine Diagnose vom Psychiater bekommen und überlegen, wie es weiter gehen kann. Welche Möglichkeiten gibt es in Deutschland, wenn man nicht in eine Regelschule gehen kann? Kaum welche, aber warum? Warum muss hier jeder IN ein Schulgebäude gehen um zu lernen? Es müsste doch möglich sein, dass jedes Kind so lernen darf, wie es gut für es ist.

Nach dem wir eine Diagnose hatten, die besagt, das Tom Asperger Autist ist, sollte er es auf einer kleinen Schule versuchen, die uns als Schule extra auch für Autisten, angepriesen wurde. Bei genauerem hinsehen war es eine Förderschule, die er nur mit einem Bus und einer Fahrzeit von mehr als 1 Stunde erreichen konnte. Wie stellen die sich das denn vor, wie Tom dies schaffen soll? Ihn Stressen alle Dinge, die er nicht kennt, die sich verändern, die unvorhergesehen kommen…., da kann man ihn doch nicht in einen kleinen Bus mit 20 anderen Kindern setzen, die für ihn völlig unberechenbar sind. In dieser Förderschule wird er auch nicht besser lernen können, denn nicht die Noten waren das Probleme, sondern alles drum herum.

Wir suchten im Internet nach einer Schule, die kleine Klassen hat, nur bis mittags geht und die erreichbar ist im Umkreis. Gefunden haben wir nichts. Aber dabei entdeckte ich die Webindividualschule in Bochum. Diese bietet Unterricht online an, jeder Schüler hat nur einen Lehrer in allen relevanten Fächern. Er braucht sich nicht mit anderen Schülern auseinander setzten, sondern kann von zuhause aus, in seiner gewohnten Umgebung lernen. Wir waren sofort begeistert, wußten, dass diese Form des lernen, für Tom passend war. Denn wenn der Stress drum herum wegfallen würde, dann könnte er auch wieder entspannt lernen und einen guten Schulabschluss machen.

Wir waren glücklich, dies Form des Lernens gefunden zu haben und sehr naiv, dass doch alle Menschen sich darüber freuen müssten, dass es die passende Schule für unseren Jungen gibt. Nein, darüber freute sich das Jugendamt nicht, denn dies bedeutete für sie, dass sie die Webschule bezahlen müssten. Dies wollten sie auf jedenfall vermeiden. Ein 2-jähriger Kampf begann in dem wir uns mit aller macht gegen das Jugendamt und Schulamt wehren mussten. Aber wir stellten den Antrag beim JA auf Übernahme der kosten und meldetet dann Tom bei der webschule an.

So konnte er nach kurzer Wartezeit dort anfangen mit dem lernen. An der Webschule dann, haben wir Lehrer, die Schulleiterin und selbst die Sekretärinnen erlebt, wie sie immer wieder versuchten eine wirklich passende Lösung für unser Kind zu finden, damit er entspannt lernen kann. Dort wird wirklich auf jedes Kind individuell eingegangen, sehr emphatisch und mit viel Verständnis. Wir waren alle so begeistert. Endlich ein Ort, an dem Tom entspannt von zu Hause aus lernen kann, an dem auf ihn eingegangen wird und ihm der Stoff so vermittelt wird, wie es für ihn gut ist. Auch das Lerntempo, die Anfangszeiten oder die Länge kann er möglichst mitbestimmen. Zum ersten Mal durfte er sagen, das er eine Aufgabe nicht verstanden hat, ohne Angst haben zu müssen, dass er ausgelacht wird. Er ist sehr schlau, kann aber bei so mancher Situation nicht die Zusammenhänge ohne weiteres erkennen. Dann benötigt er Hilfe und Zeit, die sein Lehrer sich gerne nimmt. Auch ist die Ruhe in seinem Zimmer sehr positiv für ihn. Niemand knistert mit Papier, keine Angst, dass ihm einer etwas wegnimmt, keine launigen Lehrer mehr oder plötzliche Veränderungen, weil ein Lehrer meint, sie müssten im Unterricht mal eben alle rausgehen und draußen Blätter einsammeln… . Einfach zuhause die Ruhe und Sicherheit, dass alles gut ist. Welch ein Segen.

Aber selbst auch an der Webschule hat es Monate gedauert, bis er ganz entspannt wieder war, bis er nicht mehr schon bei dem Wort „Schule“ zusammenzuckte oder verstummte, wenn sein Lehrer irgendetwas sagte, was ihn an die Regelschulzeit erinnerte. Aber trotzdem merkten wir sehr schnell, wieviel er in dieser Zeit lernte, wie gut er sich bei dieser Art des Lernens konzentrieren konnte und wie positiv sich dies alles auf seine Gesundheit auswirkte. Er war immer weniger körperlich krank, fing immer mehr wieder an, an unserem Familienleben teilzunehmen, hatte endlich wieder Energie, auch nachmittags noch was zu machen und Freude an seinem Leben. Wie sollte jemand dagegen etwas haben können. Immer dachten wir noch, dass doch alle begeistert sein müssten, dass es Tom so gut geht. Nein, dies war nicht der Fall.

Da weder das Jugendamt noch das Schulamt wollten, dass Tom weiter an der Webschule Unterricht wird, mussten wir die ganzen Jahre mit den Ämtern kämpfen und die Webschule erst einmal selber zahlen. Zum Glück konnten wir dies, aber viele schaffen es nicht aus eigener Kraft. Wie kann ein Staat es zulassen, dass Kinder garnicht unterrichtet werden, wo doch die ach so hoch gelobte Schulpflicht existiert? Uns wurde diese immer unter die Nase gerieben, aber dennoch nur sehr einseitig. Es existiert eine Schulpflicht, die aber nicht dafür da ist, das Kinder gut lernen können, dass jeder lernen darf, so wie es ihm möglich ist oder irgendwie unterschiedliche Lernformen vorsieht…., nein, diese Schulpflicht ist nur dafür da, alle Kinder IN eine Regelschule zu zwingen. Ohne Rücksicht darauf, wie es den Kindern dort geht, ob sie dort gut lernen können und was dies für die Zeit neben der Schule bedeutet… . Der Staat macht es sich da sehr einfach, alle Kinder müssen einfach in eine Regelschule,- fertig. Wer meint dies sei nicht der richtige Ort, der muss dies beweisen. An mancher Stelle sieht dies dann so aus wie bei uns, ein Kampf über 2 Jahre, der so anstrengend war, dass unser ganzes Familienleben darunter gelitten hat. Wo wir viel Geld investieren mussten, wo es ohne einen tollen Anwalt nie geklappt hätte und wo die meiste Energie dafür aufgewendet wurde, dass Tom doch endlich an der Webschule lernen darf und einen Abschluss machen kann.

Wie darf das sein, dass es in einem Land solche Gesetze gibt, wo sich jedes Amt hinter verstecken kann, damit sie nichts zahlen müssen oder einfach ihren Willen durchsetzen können? An unserem Schulamt sitzt eine Frau, die sich, aus welchen gründen auch immer, auf die Fahne geschrieben hat, alle Kinder IN eine Regelschule zu integrieren, da sie meint, dies sei für alle das Beste. Da halfen in der ganzen Zeit auch nicht mehrere Gutachten vom Psychiater, seiner Therapeutin oder der Webschule. Es wurde ein AOSF mit Förderplan erstellt und eine Sonderpädagogin auf uns angesetzt, die dafür sorgen sollte, dass Tom sich endlich der Regelschule wieder annähert… . Zwei Jahre, in denen wir immer wieder mit unserem Anwalt besprechen mussten, was wir noch machen könnten.

Es interessierte die Behörden überhaupt nicht, dass Tom sich so gut entwickelt hatte, so viel dazu lernte, offener, fröhlicher wurde und durch die Hilfe der Webschule auch endlich wieder gerne lernt. Hier drehte es sich nie darum, dass es ihm gut geht, sondern nur darum, kein Geld zahlen zu müssen oder die eigene Ausrichtung allen Familien aufs Auge zu drücken. Menschen fällen Urteile über uns, die Tom nicht einmal kennen, ignorieren dabei Gutachten, die besagen, das nichts anderes als die Webschule möglich ist oder Stellungnahmen, die zeigen, wie toll er sich an der Webschule entwickelt hat.

Um so erstaunlicher ist es, wie jetzt auf einmal durch Corona genau diese Art zu leben und lernen von allen Schülern erwartet wird. Nun darf es sein, dass alle „nur“ zuhause sitzen und dort alleine lernen. Das man nicht täglich soziale Kontakte braucht oder nur ordentlich IN einem Schulgebäude Wissen aufnehmen kann.

Wir sehen, wie viele Kinder damit nicht klar kommen, da auch die Schulen und Lehrer darauf nie vorbereitet waren. Sie haben nicht die Erfahrungen, die die Webschule ja schon seit langem so ausgeführt hat. Weder die passenden Unterlagen, noch das wissen, wie man Kindern den Stoff so vermitteln kann, dass sie immer mehr selbstständig lernen können. An der Webschule klappt dies sehr gut. Dort unterrichtet ein Lehrer 10-15 Kinder, aber jeden einzeln. Jedes Kind bekommt Aufgaben, die dann mit dem Lehrer per Skype in seiner persönlichen Zeit, besprochen werden können, die ganze Lernzeit können sie im Chat fragen klären. So kann jedes Kind passend lernen. Wir hoffen nun, dass Deutschland durch Corona endlich lernt, dass Schule nicht nur IN einem Schulgebäude möglich ist und das es Kinder gibt, die eben nicht dort hin gehen können, sondern für die andere Lernformen nötig und gut sind. Wir sehen auch, wie viele Eltern entspannte Kinder nun zuhause haben, da diese nun in Ruhe alleine lernen können. Das diese auch abends noch entspannt sind und fröhlich, da nicht alle Energie in der Schule verbraucht wurde.

Hoffentlich verändert sich endlich in Deutschland diese, ach so hoch gesetzte Schulpflicht zum guten. Wirklich zum Wohle unserer Kinder und deren Familien. Wir sind eben nicht alle gleich.

Overload, wenn alles zu viel wird

Ein schönes Wochenende, auf das sich alle gefreut haben. Ausschlafen, tun was man mag, keine Termine, erholen…
So war es gedacht, aber bei Autisten ist dies nicht immer so der Fall. Tom trifft sich gerne am Wochenende mit seinem Freund. Meist kommt dieser am Freitag und bleibt bis Samstag Mittag. Dies erfreut uns alle, denn er ist der einzigste Mensch außerhalb unserer Familie, mit dem er sich freiwillig trifft.
Es ist auch so, dass die beiden meist viel Spaß zusammen haben. Sie spielen gemeinsam an der Konsole oder im Garten Fußball, im Sommer geht es in den Pool oder wir grillen zusammen, spielen Brettspiele oder sie reden über das neuste in der Sportwelt….
Aber es gibt auch die Zeiten, wo es anders endet, als gedacht. Es fängt normal an, die beiden haben viel Spaß gemeinsam. Durch das schlechte Wetter können sie nicht raus gehen, also verbringen Sie die Zeit im Haus. Die Stimmung ist gut, auch wenn mein Mann und ich Ihnen sagen, schaltet mal einen Gang runter, denn wir befürchten, dass er wieder mal nicht merkt, wann es zu viel ist. Aber sie haben Spaß, bis er Samstag Mittag geht. Noch ist alles in Ordnung, er scheint müde, aber dies ist normal. Meist legt er sich nach dem Besuch etwas hin oder verbringt viel Zeit alleine in seinem Zimmer um sich zu erholen. So macht er es auch an diesem Samstag.
Abendbrot und anschließendes gemeinsames Fernsehen verlaufen normal. Mitten im Film wird er ruhiger, auf nachfragen, was denn los sei, antwortet er nicht. Ich bin erst verärgert, rede auf ihn ein, will ihn dazu bringen, mit uns zu sprechen. Erkenne nicht, dass er nicht reden kann, er ist verstummt, hat einen Overload, der sich bei ihm aber nicht durch schreien oder schlagen äußert, sondern im Gegenteil, durch verstummen, Schwindel und schwitzen, er ist mit allem überfordert. Klares denken ist dann nicht möglich. Eigentlich ist nichts möglich. Wir müssen dies aber erst erkennen, dann können wir ihm helfen. Legen ihn aufs Sofa und versichern ihm, dass alles gut ist, er zur Ruhe kommen darf, wir ihn lieben und alles verstehen.
Nach 20 min geht es besser. Wir sitzen noch bei ihm, haben ihm erklärt, was passiert ist. Er braucht immer wieder die Bestätigung, dass sein Körper normal reagiert und er bald wieder fit ist. In dieser Zeit ist die sehr groß, dass er sehr krank sein könnte. Dann kann er es nicht erkennen, dass dies „nur“ ein Overload ist und bald vorbei.
Nach weiteren 15 min. begleiten wir ihn hoch in sein Zimmer. Geben ihm eine Wärmflasche, denn nach dem starken schwitzen, ist er nun am frieren, ist erschöpft und müde. Dieses Mal kann er aber direkt und gut einschlafen.
So kommt die Frage,- warum? Warum muss es ihm oft so schlecht gehen? Was können wir dagegen tun? Wie ihn schützen?
Auch merken wir, wie sehr wir doch oft hin und hergerissen sind. Was sollen wir zulassen, aber gleichzeitig damit riskieren, dass er dann keine Schule oder Therapie machen kann? Wir möchten ihm doch nicht verbieten, dass sein Freund kommt oder das er nicht mehr kommen mag, weil wir bestimmen, wann sie was tun müssen.
Wie die Balance endlich finden zwischen, was schönes machen und entspannt Schule oder Therapie machen. Oft schließen sich diese beiden Dinge noch gegenseitig aus. Machen wir etwas Neues, ist dies für Tom aufregend, kostet Kraft, dann braucht er danach Erholung und hat keine Energie für Schule. Legen wir Wert darauf, dass er Schule macht, sollten wir möglichst nur bekanntes unternehmen. Nur dann macht er nichts neues, erlebt nicht viel schönes und lernt nichts dazu.
Wir sind durch die letzten Jahre und den damit verbundenen Stress durch Behörden,- mit den ganzen Arztbesuchen, Psychiatern, Briefe schreiben, mit dem Anwalt austauschen und dem Stress durch die Sonderpädagogin, so geschwächt, dass es nicht viel benötigt, dass wir krank werden. Wie also die wenige Energie die wir für Freizeit über haben nutzen? Besser auf Sicherheit gehen oder doch was riskieren?
Wie oft merke ich, dass wir uns unsicher sind und lieber nichts machen. Dann aber traurig sind, da alles so langweilig ist oder Tom so wenig außerhalb dieses Hauses erlebt. Im Gegensatz zu früher, möchte er heute was unternehmen. Nichts aufregendes, aber gerne mal zum Pizza essen, zu MC oder in die City, sich live ein neues Handy ansehen…, er möchte Zeit mit seinem Freund verbringen, mit ihm zusammen an der Konsole spielen und Spaß haben.
Alle reden davon, dass er doch lernen muss im normalen Leben klar zu kommen, aber keiner sieht, wie schwer dies für ihn ist, wenn er über Jahre überfordert ist. Keinen interessiert es, dass er ja irgendetwas streichen muss um Schule, Therapie und treffen schaffen zu können. Vorallem, wenn soviel Energie durch Behörden verbraucht wird.
Dann wird uns wieder klar, wie anders er doch ist. Wie sehr ihn alles beeinflusst und er darauf direkt oder nach ein paar Tagen reagiert. Wir werden weiter dafür kämpfen, dass es ihm endlich langfristig gut geht und sein wohl an oberster Stelle steht. Behörden haben doch nur ihren Vorteil im Blick. Meist geht es dabei ums Geld oder um Recht behalten.
Es tut uns unendlich leid, dass soviele Familien leiden müssen, weil Behörden zusätzlich noch mehr Stress bringen, obwohl sie doch helfen sollten. IN eine Schule gehen ist doch nicht das Wichtigste. Viel wichtiger ist es doch, dass es ihm langfristig gut geht, er entspannt ist, gerne am gesellschaftlichen Leben teilhaben möchte, er sich wohl und sicher fühlt, sich und sein Leben mag und seinen Weg findet, der zu ihm passt.
Nein, der muss nicht so aussehen, wie das irgendwer meint. Er muss nicht mit vielen Menschen arbeiten gehen, wenn fremde ihn immer stressen. Er muss auch nicht in einem Schulgebäude sitzen um einen guten Schulabschluss zu erhalten und auch nicht sonstige „normalen“ Dinge machen, nur weil einer hinterm Schreibtisch dies sich so ausdenkt.
Er darf und sollte ein selbstbestimmtes Leben führen, wir glauben ihm, wenn er sagt, „Es ist zu viel, ich brauche eine Pause“! Leider glauben dies eben viele Menschen nicht, sondern denken immer noch, sie könnten ihm das beibringen, indem sie ihn dazu nur oft genug zwingen.
Aber genau dieser Zwang raubt die meiste Energie, die dann wieder fehlt, um etwas schönes zu machen. So dauert es sehr lange, bis genügend Energie über ist, um auch so im Leben sich weiter zu entwickeln.
Die letzten Feiertage hatten wir wieder über Tage 10 Leute im Haus. Tom war noch nie mit Freude so viel dabei und hat entspannt mitgemacht. Er hat die Zeit genossen und sich daran erfreut, dass es ihm so gut ging. Der Übergang zurück in den Alltag, war dann sehr schwer. So hat er die Woche Schule durchgehalten, dann das Wochenende mit seinem Freund noch, aber dann kam alles geballt raus. Was ist dann nur wichtiger? Lieber keinen Spaß haben, aber Schule machen? Wer darf dies festlegen? Wir, Behörden oder Ärzte?
Ja, es gibt immer wieder mal einen Overload, dies wird sich auch nie ganz vermeiden lassen, da Tom immer noch nicht selber früh genug bemerkt, wann er eine Pause braucht. Da er bisher außerhalb des Hauses zu viel gesagt bekommen hat, das er doch wenigstens … können und …. machen muss, fällt es ihm immer noch schwer, sich so anzunehmen, wie er ist. Er hat leider noch mehr im Kopf, wie er sein sollte.
Weniger ist aber oft einfach mehr. Wir hoffen, dass wir bald endlich wieder mehr selber bestimmen dürfen, wann er was macht. Dann kann er endlich lernen sich seinen Alltag so einzuteilen, wie er gut für ihn ist.

Neue Probleme

Der Antrag, auf Ruhen der Schulpflicht war gestellt, so warteten wir über eine Woche vergebens darauf, dass die Schulbehörde uns eine Rückmeldung gibt, dass der Antrag eingegangen ist. Also rief mein Mann dort an. Die zuständige Sacharbeiterin war für über eine Woche krank geschrieben, ihr Kollege meinte aber, die Akte liegt bei ihr auf dem Schreibtisch. Ah ok, also ist sie eingegangen und sollte bald bearbeitet werden,- oder? Dann heißt es,- warten, nur wie lange und was kommt dann?
Anders gestaltete es sich mit der Sonderpädagogin. Das letzte treffen in der Schule, war ja wenig erfreulich und wir immer noch entsetzt, warum sie so vorging. Da sie im Gespräch geäußert hat, sie müsste es ja irgendwie dokumentieren, was sie mit Tom arbeitet, stimmten wir zu, ihr jede Woche ihren aufgestellten Fragebogen zurück zu schicken. Darin sollte Tom schreiben, welches Fach er hatte, welches Thema, ob er immer gearbeitet hat, wie lange…. . Unnötige Kontrolle, die bei mir und Tom dazu führte, dass der Druck, mehr zu schaffen wuchs. Wieder fühlten wir uns ihr ausgeliefert und verpflichtet über alles was wir nicht machen, Rechenschaft abzulegen. Aber trotzdem noch besser, als sich weiterhin noch mit ihr zu treffen und uns anzuhören, was wir alles falsch oder schlecht machen. Damit können wir leben, einmal die Woche den Bogen ausgefüllt zurück zu schicken. Aber ihr reicht dies wohl nicht, denn dann bekomme ich wieder einen Anruf.
„Ich bin gerade auf dem Weg zu der Therapeutin und wollte mal fragen, ob das ok ist“? Bitte was? Die ruft kurz vor dem Treffen an um noch zu hören, dass sie dies darf? Was will die denn jetzt noch da? Gut, dass das Jugendamt mit dem Autismuszentrum vereinbart hat, dass es nun in der Therapie hauptsächlich darum geht, dass Tom Kompetenztraining macht und Verhaltenstherapie. Die Ausrichtung auf das zurückführen in die Schule ist auf Eis gelegt. Wie uns die Therapeutin danach berichtete, hat sie auch dort versucht, sie davon zu überzeugen, dass es das beste sei, wenn Tom im Schulsystem bleibt und von ihr langsam wieder an die Schule gewöhnt wird. Da unsere Therapeutin dies aber mittlerweile auch nicht mehr so sieht, kamen sie dort auch zu keinem gemeinsamen Ergebnis. So musste sie sich eine neue Strategie überlegen.
Dies alles kommt uns so vor, als sei sie sehr Narzistisch und bräuchte den Erfolg den man als Chef hat, da er allen sagt, was jeder zu tun hat. Sie hat sich im Laufe der Zeit überall an die Spitze gesetzt und alles an sich gerissen, wo es etwas zu klären gab. Ohne Absprache mit uns, ohne Rücksicht, ob dies wirklich so gut für Tom ist oder was andere darüber sagen… . Sie trabt einfach los und es macht den Anschein, als hätte sie nur im Blick, dass sie Chef bei allem bleibt und ihr jeder sagt, wie toll sie das doch alles managt. Sie will auf keinen Fall den Posten verlieren, dass alle auf sie hören. Wir sind entsetzt und hoffen aber immer noch, dass Sie uns endlich in Ruhe lässt, jetzt wo auch der Förderplan geschrieben ist, -in den sie ja anscheinend in geistiger Umnachtung, hineingeschrieben hat, dass auch kein Hausunterricht möglich sei-, wollen wir nur noch das Ruhen der Schulpflicht, damit wir das Geld vom Jugendamt bekommen können. Wofür haben wir denn sonst das ganze Jahr gekämpft? Uns geht es seit über einem Jahr genau darum, dass er in Ruhe nur die Webschule machen kann, da wir wissen, dass dies das einzige ist, was in Bezug auf Schule im Moment klappt.
Es scheint so, als sei das ganze Jahr nur ein einziger Kampf gewesen. Wir dachten zwar, dass wir gegen die Meinung der Chefin vom Schulamt kämpfen, es zeigt sich aber, dass wir noch mehr gegen die Ausrichtung der Pädagogin angehen müssen. Beide haben von Anfang an die Meinung gehabt, er wird nie von der Schulpflicht befreit und muss gezwungen werden, dass er wieder lernt zu funktionieren und sich anzupassen. Er muss wieder zurück IN eine Schule. Da er ja schon Mitte 15 ist, muss dies ja auch schnell gehen, denn mit 18, ist ja alles vorbei.
Wir sind entsetzt, dass es sich immer mehr zeigt, wie unehrlich sie doch zu uns war,- oder ist die einfach wirklich so chaotisch? Wir haben ihr leider immer wieder geglaubt, wenn Sie sagte, sie arbeite nicht daran, dass er bald in eine Schule geht. Aber woran arbeitet sie denn dann? Wir haben einfach völlig unterschiedliche Ausrichtungen, was es heißt, nicht an der Rückführung zu arbeiten. Bei uns heißt dies,- keiner macht etwas, dass mit Regelschule zu tun hat oder damit, dass er sich dieser doch wieder etwas annähert. Bei ihr heißt dies anscheinend, er muss noch nicht gehen, aber ich rede ständig darüber, sage ihm, dass er bald mal mit mir dort schauen kann, dass er mit mir jede Woche mehr über Schule redet, jede Woche dem ganzen ein Stückchen näher kommt, schupse ihn ständig ein Stück näher zur Schule hin, verliere es nicht aus den Augen, dass er sich der Schule jeden Tag ein Stück mehr annähert …. . So funktioniert das alles nur noch schlechter, so kommt er nicht zur Ruhe.
Aus unserer Sicht, macht dies einen ständigen Druck, zeigt ihm immer, dass er gedrängt wird, sich der Schule anzunähern und es Ärger gibt, wenn er nicht mitmacht… . So kann auch kein Vertrauen entstehen, denn worauf soll er denn trauen, wenn er weiß, dass er bald wieder in die Schule muss? Wie jemandem vertrauen, der es schafft, dass ich, obwohl vereinbart war, dass ich nicht runter kommen muss, doch kommen musste? Wie sich entspannen, wenn ständig einem gesagt wird, dass man das doch jetzt mal langsam können müsste?
Wir sind so sauer und gleichzeitig traurig, dass wir ihr vertraut haben, uns geöffnet und viel erzählt. Sie nun all unsere und vor allem Toms Schwächen ausnutzt um uns dazu zu zwingen, auf sie zu hören. Es ist erschreckend, dass jemand, der Tom nur 3x für 1 Stunde erlebt hat, als er auch noch in Hochanspannung war, sich nun eine Meinung bilden darf, die darüber mitentscheiden soll, was das beste ist. Schlimm, dass wir uns wieder anhören müssen, wir hätten ja keine Ahnung, wir würden ihn ja nur verhätscheln und es ihm zu leicht machen, so könnte er ja nie vernünftig mal arbeiten gehen und normal leben… . Klar kann er nie „normal“ leben, denn er ist ja ein Aspi und aus „normalo“ Sicht, ist dies ja kein gutes Leben, wenn man gerne alleine ist, nicht ständig mit Menschen Dinge unternimmt oder durch viele Reize krank wird…. . Es ist vielleicht nicht „normal“ aber dennoch gut. Dabei ist es uns ja am wichtigsten, dass es Tom gut geht, er sich wohl fühlt, glücklich ist, sich selber mag… . Nur dann ist es doch möglich, dass sein Leben toll ist. Es kommt doch nicht darauf an, dass es nach außen „normal“ aussieht, sondern dass er nach innen fröhlich ist, dass er sich selber mag…
Somit beschlossen wir noch mehr, wir schauen nun nicht mehr darauf, was gut aussieht, sondern auf das was wirklich gut für ihn und sein weiteres Leben ist. Wir machen nun das, was Tom in seinem glücklich sein und entspannt sein, weiter bringt und verschwenden weniger Energie dafür, immer wieder zu beweisen, dass er das nicht kann, ihn dies Stresst oder so manches ihn krank werden lässt… . Es muss endlich vorbei sein, dass wir die meiste Energie für „aufräumen“ und beweisen verbrauchen. Wir haben einfach keine Kraft mehr und auch keine Lust, so wenig Energie für schönes über zu haben, nur weil andere entweder noch die Ansicht von vor 30 Jahren haben, kein Geld bezahlen wollen oder selber Chef sein müssen…
Nur leider können wir dies ja nur bedingt bestimmen, denn wenn doch wieder Auflagen kommen, müssen wir brav hüpfen um nicht noch schlimmeres zu erleben. Es ist halt ein ständiger Kampf die Mitte zu finden. Sich zu wehren, aber nicht “ zu laut“ werden, die Mitte zu finden von, zu sehr betroffen,- dann muss er in die Klinik- oder nicht betroffen genug,- dann kann er in die Regelschule gehen. Wir werden immer hin und her gestoßen. Es ist entweder zu viel oder zu wenig. Hat es denn jemals ein Ende? Wenn ja, wann?

Treffen an der Regelschule

Für den Antrag auf Ruhen der Schulpflicht, sagte uns unser Anwalt, dass wir die Regelschule bitten sollten mit uns gemeinsam diesen zu stellen. Denn normal macht dies die Schule.
Also dort um einen Termin gebeten, auch dabei gesagt, was wir nun Vorhaben und wobei sie uns helfen sollen. Kann ja nicht so schwer sein, den richtigen Zettel mit dem passenden Formular heraus zu suchen und sich mit uns 10 min zu treffen.
Aber erst einmal dauerte auch dies fast eine Woche bis ein Anruf kam. „Sie könnte uns morgen anbieten, da hätte sie auch genügend Zeit,- innerhalb von einer Stunde müssten wir das ja hinbekommen…“! Ich meinte zu ihr, dass wir ja nur den Antrag bekommen möchten und dies ja wohl nicht so lange dauert… . Dazu sagte sie nichts weiter.
Da mich solche Termine nur unnötig stressen, ging mein Mann dort auch alleine hin. Er hatte sich mal wieder extra frei genommen dafür, aber wenn es dazu dient, dass wir endlich den Antrag auf Ruhen der Schulpflicht stellen können, ist das ja gut. So fuhr er zum vereinbarten Termin und ich rechnete damit, dass er in 20 min wieder hier sei. Als er 40, 50, 60 min weg war, wußte ich, dass wieder einmal nicht alles so einfach verlaufen war, wie gedacht. Er kam nach über einer Stunde zurück und ich sah direkt, dass er, ob wohl er sonst die Ruhe selbst ist, voll geladen war. So sprach ich ihn auch erst nicht an,- aber es platzte förmlich aus ihm heraus.
„Weißt du wer noch bei dem Termin dabei war“? Ich ne, die Schulleiterin? Er, „nein, die Sonderpädagogin „! Wow, damit war alles klar! Sie hatten nun gemeinsam noch einmal das selbe Gespräch mit ihm geführt, was sie mit mir auch schon vor einer Woche, am Telefon getan hatte. Sie versuchten sehr massiv Druck zu machen, dass wir auf keinen Fall das Ruhen beantragen dürften, dass er doch unbedingt im Schulsystem bleiben müsste, weil die Bezirksregierung dem sowieso nicht zustimmen würde, weil Tom ja endlich lernen müsste sich der Gesellschaft anzupassen, er integriert werden muss, damit er später arbeiten kann,- wenn auch nur in einer Werkstatt… . Das wäre das beste und sie wüßte, was nun zu tun sei…., wir sollen sie endlich mal machen lassen.
Nun reichte es uns aber, wie konnte sie dies jetzt auch noch machen. Wieder einmal ohne es mit uns vorher abgesprochen zu haben, obwohl wir mehrfach klar und deutlich allen gesagt haben, was wir wollen, kommt sie einfach dazu und meckert rum. Wieder stellte sich heraus, dass sie hinter unserem Rücken, nicht nur ohne unser Wissen mit der Webschule gesprochen hatte, über eine Kooperation mit der Regelschule, – wobei sie natürlich die Verbindungsperson ist, – sondern auch jetzt noch die Lehrer der Regelschule so versucht hat zu beeinflussen, dass sie weiß, was nun zu tun sei und sie deshalb einfach auch zum Gespräch erschienen ist. Dieses war ja nicht zum reden über das weitere Vorgehen (mit ihr) gedacht, sondern nur für das aushändigen des passenden Formulares, damit dann das Ruhen der Schulpflicht endlich beantragt werden kann.
Wir waren so wütend, vorallem, wenn man so unvorbereitet in ein Gespräch hinein geht, weil man ja glaubt, es geht „nur“ um ein Formular, ist man schnell dem ganzen ausgeliefert. Mein Mann brauchte Tage, um dies halbwegs zu verarbeiten. Gut das wir unseren Anwalt haben, der nur die Hände überm Kopf zusammen schlug und meinte. „Ok, wir brauchen die Schule nicht, sie können den Antrag auch einfach so selber stellen“!
Dies taten wir dann auch. Machten uns wieder eine Aktennotiz von dem Treffen und warteten auf das Protokoll, welches darüber erstellt werden sollte. Dieses bekamen wir fast 2 Wochen später per E-Mail zugeschickt und mein Mann verbesserte und korrigierte es direkt. Auch dies sprachen wir mit unserem Anwalt ab und santen es an die Schule zurück, mit bitte auf Korrektur und Übermittlung dieser Version an die Schulbehörde.
Den Antrag machten wir fertig, liesen ihn vom Anwalt durchlesen und schickten ihn zur Schulbehörde. Darin stand unter anderem, dass Sie uns eine schriftliche Bestätigung vom erhalten der Unterlagen geben mögen.
Aber auch nach über einer Woche, war noch keine Antwort bei uns angekommen. Was war jetzt schon wieder los?
Aber dafür nervt auch weiterhin die Sonderpädagogin…