Schulpflicht,- Wie sich durch Corona hoffentlich vieles ändert…

So mussten wir eine Lösung finden, dass er lernen kann ohne Stress. Es sollte ihm gut gehen und er müsste auch genügend Energie über haben, dass er Freude an seinem Leben hat und schöne Dinge machen konnte. Nur leider fanden wir keine Menschen, die dies so ähnlich sahen. Die meisten versuchten uns immer wieder zu zwingen, ER müsste doch lernen sich der Gesellschaft anzupassen und IN eine Regelschule gehen. Er wäre ja ein schlauer Junge, also müssten wir auch dafür sorgen, dass dies gut klappt…

Wir sind ja nun schon seit über 3 Jahren dafür am kämpfen, dass Tom nicht mehr normal in die Regelschule gehen muss. Über anfängliche Probleme im Kindergarten und Grundschule, wurde es auch an der weiterführenden Schule nicht besser, sondern immer stressiger. Tom wurde immer körperlich kränker bis dahin, dass er garnicht mehr gehen konnte.

Welch großer Stress in ihm dadurch ausgelöst wurde, dass IN der Schule ständig Veränderungen sind, die Lehrer, Schüler, Räume wechseln, Schüler ihm Dinge wegnehmen, jemand sich verletzt oder er wieder etwas falsch versteht und ihn alle auslachen…, wollte keiner hören. Kaum jemand nahm sich die Zeit, sich wirklich mit uns näher zu beschäftigen und zu helfen. Lieber schnell die Aussage treffen,- „Er muss sich anpassen“.

So mussten wir mit der Schule sprechen, ihn krankschreiben lassen, eine Diagnose vom Psychiater bekommen und überlegen, wie es weiter gehen kann. Welche Möglichkeiten gibt es in Deutschland, wenn man nicht in eine Regelschule gehen kann? Kaum welche, aber warum? Warum muss hier jeder IN ein Schulgebäude gehen um zu lernen? Es müsste doch möglich sein, dass jedes Kind so lernen darf, wie es gut für es ist.

Nach dem wir eine Diagnose hatten, die besagt, das Tom Asperger Autist ist, sollte er es auf einer kleinen Schule versuchen, die uns als Schule extra auch für Autisten, angepriesen wurde. Bei genauerem hinsehen war es eine Förderschule, die er nur mit einem Bus und einer Fahrzeit von mehr als 1 Stunde erreichen konnte. Wie stellen die sich das denn vor, wie Tom dies schaffen soll? Ihn Stressen alle Dinge, die er nicht kennt, die sich verändern, die unvorhergesehen kommen…., da kann man ihn doch nicht in einen kleinen Bus mit 20 anderen Kindern setzen, die für ihn völlig unberechenbar sind. In dieser Förderschule wird er auch nicht besser lernen können, denn nicht die Noten waren das Probleme, sondern alles drum herum.

Wir suchten im Internet nach einer Schule, die kleine Klassen hat, nur bis mittags geht und die erreichbar ist im Umkreis. Gefunden haben wir nichts. Aber dabei entdeckte ich die Webindividualschule in Bochum. Diese bietet Unterricht online an, jeder Schüler hat nur einen Lehrer in allen relevanten Fächern. Er braucht sich nicht mit anderen Schülern auseinander setzten, sondern kann von zuhause aus, in seiner gewohnten Umgebung lernen. Wir waren sofort begeistert, wußten, dass diese Form des lernen, für Tom passend war. Denn wenn der Stress drum herum wegfallen würde, dann könnte er auch wieder entspannt lernen und einen guten Schulabschluss machen.

Wir waren glücklich, dies Form des Lernens gefunden zu haben und sehr naiv, dass doch alle Menschen sich darüber freuen müssten, dass es die passende Schule für unseren Jungen gibt. Nein, darüber freute sich das Jugendamt nicht, denn dies bedeutete für sie, dass sie die Webschule bezahlen müssten. Dies wollten sie auf jedenfall vermeiden. Ein 2-jähriger Kampf begann in dem wir uns mit aller macht gegen das Jugendamt und Schulamt wehren mussten. Aber wir stellten den Antrag beim JA auf Übernahme der kosten und meldetet dann Tom bei der webschule an.

So konnte er nach kurzer Wartezeit dort anfangen mit dem lernen. An der Webschule dann, haben wir Lehrer, die Schulleiterin und selbst die Sekretärinnen erlebt, wie sie immer wieder versuchten eine wirklich passende Lösung für unser Kind zu finden, damit er entspannt lernen kann. Dort wird wirklich auf jedes Kind individuell eingegangen, sehr emphatisch und mit viel Verständnis. Wir waren alle so begeistert. Endlich ein Ort, an dem Tom entspannt von zu Hause aus lernen kann, an dem auf ihn eingegangen wird und ihm der Stoff so vermittelt wird, wie es für ihn gut ist. Auch das Lerntempo, die Anfangszeiten oder die Länge kann er möglichst mitbestimmen. Zum ersten Mal durfte er sagen, das er eine Aufgabe nicht verstanden hat, ohne Angst haben zu müssen, dass er ausgelacht wird. Er ist sehr schlau, kann aber bei so mancher Situation nicht die Zusammenhänge ohne weiteres erkennen. Dann benötigt er Hilfe und Zeit, die sein Lehrer sich gerne nimmt. Auch ist die Ruhe in seinem Zimmer sehr positiv für ihn. Niemand knistert mit Papier, keine Angst, dass ihm einer etwas wegnimmt, keine launigen Lehrer mehr oder plötzliche Veränderungen, weil ein Lehrer meint, sie müssten im Unterricht mal eben alle rausgehen und draußen Blätter einsammeln… . Einfach zuhause die Ruhe und Sicherheit, dass alles gut ist. Welch ein Segen.

Aber selbst auch an der Webschule hat es Monate gedauert, bis er ganz entspannt wieder war, bis er nicht mehr schon bei dem Wort „Schule“ zusammenzuckte oder verstummte, wenn sein Lehrer irgendetwas sagte, was ihn an die Regelschulzeit erinnerte. Aber trotzdem merkten wir sehr schnell, wieviel er in dieser Zeit lernte, wie gut er sich bei dieser Art des Lernens konzentrieren konnte und wie positiv sich dies alles auf seine Gesundheit auswirkte. Er war immer weniger körperlich krank, fing immer mehr wieder an, an unserem Familienleben teilzunehmen, hatte endlich wieder Energie, auch nachmittags noch was zu machen und Freude an seinem Leben. Wie sollte jemand dagegen etwas haben können. Immer dachten wir noch, dass doch alle begeistert sein müssten, dass es Tom so gut geht. Nein, dies war nicht der Fall.

Da weder das Jugendamt noch das Schulamt wollten, dass Tom weiter an der Webschule Unterricht wird, mussten wir die ganzen Jahre mit den Ämtern kämpfen und die Webschule erst einmal selber zahlen. Zum Glück konnten wir dies, aber viele schaffen es nicht aus eigener Kraft. Wie kann ein Staat es zulassen, dass Kinder garnicht unterrichtet werden, wo doch die ach so hoch gelobte Schulpflicht existiert? Uns wurde diese immer unter die Nase gerieben, aber dennoch nur sehr einseitig. Es existiert eine Schulpflicht, die aber nicht dafür da ist, das Kinder gut lernen können, dass jeder lernen darf, so wie es ihm möglich ist oder irgendwie unterschiedliche Lernformen vorsieht…., nein, diese Schulpflicht ist nur dafür da, alle Kinder IN eine Regelschule zu zwingen. Ohne Rücksicht darauf, wie es den Kindern dort geht, ob sie dort gut lernen können und was dies für die Zeit neben der Schule bedeutet… . Der Staat macht es sich da sehr einfach, alle Kinder müssen einfach in eine Regelschule,- fertig. Wer meint dies sei nicht der richtige Ort, der muss dies beweisen. An mancher Stelle sieht dies dann so aus wie bei uns, ein Kampf über 2 Jahre, der so anstrengend war, dass unser ganzes Familienleben darunter gelitten hat. Wo wir viel Geld investieren mussten, wo es ohne einen tollen Anwalt nie geklappt hätte und wo die meiste Energie dafür aufgewendet wurde, dass Tom doch endlich an der Webschule lernen darf und einen Abschluss machen kann.

Wie darf das sein, dass es in einem Land solche Gesetze gibt, wo sich jedes Amt hinter verstecken kann, damit sie nichts zahlen müssen oder einfach ihren Willen durchsetzen können? An unserem Schulamt sitzt eine Frau, die sich, aus welchen gründen auch immer, auf die Fahne geschrieben hat, alle Kinder IN eine Regelschule zu integrieren, da sie meint, dies sei für alle das Beste. Da halfen in der ganzen Zeit auch nicht mehrere Gutachten vom Psychiater, seiner Therapeutin oder der Webschule. Es wurde ein AOSF mit Förderplan erstellt und eine Sonderpädagogin auf uns angesetzt, die dafür sorgen sollte, dass Tom sich endlich der Regelschule wieder annähert… . Zwei Jahre, in denen wir immer wieder mit unserem Anwalt besprechen mussten, was wir noch machen könnten.

Es interessierte die Behörden überhaupt nicht, dass Tom sich so gut entwickelt hatte, so viel dazu lernte, offener, fröhlicher wurde und durch die Hilfe der Webschule auch endlich wieder gerne lernt. Hier drehte es sich nie darum, dass es ihm gut geht, sondern nur darum, kein Geld zahlen zu müssen oder die eigene Ausrichtung allen Familien aufs Auge zu drücken. Menschen fällen Urteile über uns, die Tom nicht einmal kennen, ignorieren dabei Gutachten, die besagen, das nichts anderes als die Webschule möglich ist oder Stellungnahmen, die zeigen, wie toll er sich an der Webschule entwickelt hat.

Um so erstaunlicher ist es, wie jetzt auf einmal durch Corona genau diese Art zu leben und lernen von allen Schülern erwartet wird. Nun darf es sein, dass alle „nur“ zuhause sitzen und dort alleine lernen. Das man nicht täglich soziale Kontakte braucht oder nur ordentlich IN einem Schulgebäude Wissen aufnehmen kann.

Wir sehen, wie viele Kinder damit nicht klar kommen, da auch die Schulen und Lehrer darauf nie vorbereitet waren. Sie haben nicht die Erfahrungen, die die Webschule ja schon seit langem so ausgeführt hat. Weder die passenden Unterlagen, noch das wissen, wie man Kindern den Stoff so vermitteln kann, dass sie immer mehr selbstständig lernen können. An der Webschule klappt dies sehr gut. Dort unterrichtet ein Lehrer 10-15 Kinder, aber jeden einzeln. Jedes Kind bekommt Aufgaben, die dann mit dem Lehrer per Skype in seiner persönlichen Zeit, besprochen werden können, die ganze Lernzeit können sie im Chat fragen klären. So kann jedes Kind passend lernen. Wir hoffen nun, dass Deutschland durch Corona endlich lernt, dass Schule nicht nur IN einem Schulgebäude möglich ist und das es Kinder gibt, die eben nicht dort hin gehen können, sondern für die andere Lernformen nötig und gut sind. Wir sehen auch, wie viele Eltern entspannte Kinder nun zuhause haben, da diese nun in Ruhe alleine lernen können. Das diese auch abends noch entspannt sind und fröhlich, da nicht alle Energie in der Schule verbraucht wurde.

Hoffentlich verändert sich endlich in Deutschland diese, ach so hoch gesetzte Schulpflicht zum guten. Wirklich zum Wohle unserer Kinder und deren Familien. Wir sind eben nicht alle gleich.

Overload, wenn alles zu viel wird

Ein schönes Wochenende, auf das sich alle gefreut haben. Ausschlafen, tun was man mag, keine Termine, erholen…
So war es gedacht, aber bei Autisten ist dies nicht immer so der Fall. Tom trifft sich gerne am Wochenende mit seinem Freund. Meist kommt dieser am Freitag und bleibt bis Samstag Mittag. Dies erfreut uns alle, denn er ist der einzigste Mensch außerhalb unserer Familie, mit dem er sich freiwillig trifft.
Es ist auch so, dass die beiden meist viel Spaß zusammen haben. Sie spielen gemeinsam an der Konsole oder im Garten Fußball, im Sommer geht es in den Pool oder wir grillen zusammen, spielen Brettspiele oder sie reden über das neuste in der Sportwelt….
Aber es gibt auch die Zeiten, wo es anders endet, als gedacht. Es fängt normal an, die beiden haben viel Spaß gemeinsam. Durch das schlechte Wetter können sie nicht raus gehen, also verbringen Sie die Zeit im Haus. Die Stimmung ist gut, auch wenn mein Mann und ich Ihnen sagen, schaltet mal einen Gang runter, denn wir befürchten, dass er wieder mal nicht merkt, wann es zu viel ist. Aber sie haben Spaß, bis er Samstag Mittag geht. Noch ist alles in Ordnung, er scheint müde, aber dies ist normal. Meist legt er sich nach dem Besuch etwas hin oder verbringt viel Zeit alleine in seinem Zimmer um sich zu erholen. So macht er es auch an diesem Samstag.
Abendbrot und anschließendes gemeinsames Fernsehen verlaufen normal. Mitten im Film wird er ruhiger, auf nachfragen, was denn los sei, antwortet er nicht. Ich bin erst verärgert, rede auf ihn ein, will ihn dazu bringen, mit uns zu sprechen. Erkenne nicht, dass er nicht reden kann, er ist verstummt, hat einen Overload, der sich bei ihm aber nicht durch schreien oder schlagen äußert, sondern im Gegenteil, durch verstummen, Schwindel und schwitzen, er ist mit allem überfordert. Klares denken ist dann nicht möglich. Eigentlich ist nichts möglich. Wir müssen dies aber erst erkennen, dann können wir ihm helfen. Legen ihn aufs Sofa und versichern ihm, dass alles gut ist, er zur Ruhe kommen darf, wir ihn lieben und alles verstehen.
Nach 20 min geht es besser. Wir sitzen noch bei ihm, haben ihm erklärt, was passiert ist. Er braucht immer wieder die Bestätigung, dass sein Körper normal reagiert und er bald wieder fit ist. In dieser Zeit ist die sehr groß, dass er sehr krank sein könnte. Dann kann er es nicht erkennen, dass dies „nur“ ein Overload ist und bald vorbei.
Nach weiteren 15 min. begleiten wir ihn hoch in sein Zimmer. Geben ihm eine Wärmflasche, denn nach dem starken schwitzen, ist er nun am frieren, ist erschöpft und müde. Dieses Mal kann er aber direkt und gut einschlafen.
So kommt die Frage,- warum? Warum muss es ihm oft so schlecht gehen? Was können wir dagegen tun? Wie ihn schützen?
Auch merken wir, wie sehr wir doch oft hin und hergerissen sind. Was sollen wir zulassen, aber gleichzeitig damit riskieren, dass er dann keine Schule oder Therapie machen kann? Wir möchten ihm doch nicht verbieten, dass sein Freund kommt oder das er nicht mehr kommen mag, weil wir bestimmen, wann sie was tun müssen.
Wie die Balance endlich finden zwischen, was schönes machen und entspannt Schule oder Therapie machen. Oft schließen sich diese beiden Dinge noch gegenseitig aus. Machen wir etwas Neues, ist dies für Tom aufregend, kostet Kraft, dann braucht er danach Erholung und hat keine Energie für Schule. Legen wir Wert darauf, dass er Schule macht, sollten wir möglichst nur bekanntes unternehmen. Nur dann macht er nichts neues, erlebt nicht viel schönes und lernt nichts dazu.
Wir sind durch die letzten Jahre und den damit verbundenen Stress durch Behörden,- mit den ganzen Arztbesuchen, Psychiatern, Briefe schreiben, mit dem Anwalt austauschen und dem Stress durch die Sonderpädagogin, so geschwächt, dass es nicht viel benötigt, dass wir krank werden. Wie also die wenige Energie die wir für Freizeit über haben nutzen? Besser auf Sicherheit gehen oder doch was riskieren?
Wie oft merke ich, dass wir uns unsicher sind und lieber nichts machen. Dann aber traurig sind, da alles so langweilig ist oder Tom so wenig außerhalb dieses Hauses erlebt. Im Gegensatz zu früher, möchte er heute was unternehmen. Nichts aufregendes, aber gerne mal zum Pizza essen, zu MC oder in die City, sich live ein neues Handy ansehen…, er möchte Zeit mit seinem Freund verbringen, mit ihm zusammen an der Konsole spielen und Spaß haben.
Alle reden davon, dass er doch lernen muss im normalen Leben klar zu kommen, aber keiner sieht, wie schwer dies für ihn ist, wenn er über Jahre überfordert ist. Keinen interessiert es, dass er ja irgendetwas streichen muss um Schule, Therapie und treffen schaffen zu können. Vorallem, wenn soviel Energie durch Behörden verbraucht wird.
Dann wird uns wieder klar, wie anders er doch ist. Wie sehr ihn alles beeinflusst und er darauf direkt oder nach ein paar Tagen reagiert. Wir werden weiter dafür kämpfen, dass es ihm endlich langfristig gut geht und sein wohl an oberster Stelle steht. Behörden haben doch nur ihren Vorteil im Blick. Meist geht es dabei ums Geld oder um Recht behalten.
Es tut uns unendlich leid, dass soviele Familien leiden müssen, weil Behörden zusätzlich noch mehr Stress bringen, obwohl sie doch helfen sollten. IN eine Schule gehen ist doch nicht das Wichtigste. Viel wichtiger ist es doch, dass es ihm langfristig gut geht, er entspannt ist, gerne am gesellschaftlichen Leben teilhaben möchte, er sich wohl und sicher fühlt, sich und sein Leben mag und seinen Weg findet, der zu ihm passt.
Nein, der muss nicht so aussehen, wie das irgendwer meint. Er muss nicht mit vielen Menschen arbeiten gehen, wenn fremde ihn immer stressen. Er muss auch nicht in einem Schulgebäude sitzen um einen guten Schulabschluss zu erhalten und auch nicht sonstige „normalen“ Dinge machen, nur weil einer hinterm Schreibtisch dies sich so ausdenkt.
Er darf und sollte ein selbstbestimmtes Leben führen, wir glauben ihm, wenn er sagt, „Es ist zu viel, ich brauche eine Pause“! Leider glauben dies eben viele Menschen nicht, sondern denken immer noch, sie könnten ihm das beibringen, indem sie ihn dazu nur oft genug zwingen.
Aber genau dieser Zwang raubt die meiste Energie, die dann wieder fehlt, um etwas schönes zu machen. So dauert es sehr lange, bis genügend Energie über ist, um auch so im Leben sich weiter zu entwickeln.
Die letzten Feiertage hatten wir wieder über Tage 10 Leute im Haus. Tom war noch nie mit Freude so viel dabei und hat entspannt mitgemacht. Er hat die Zeit genossen und sich daran erfreut, dass es ihm so gut ging. Der Übergang zurück in den Alltag, war dann sehr schwer. So hat er die Woche Schule durchgehalten, dann das Wochenende mit seinem Freund noch, aber dann kam alles geballt raus. Was ist dann nur wichtiger? Lieber keinen Spaß haben, aber Schule machen? Wer darf dies festlegen? Wir, Behörden oder Ärzte?
Ja, es gibt immer wieder mal einen Overload, dies wird sich auch nie ganz vermeiden lassen, da Tom immer noch nicht selber früh genug bemerkt, wann er eine Pause braucht. Da er bisher außerhalb des Hauses zu viel gesagt bekommen hat, das er doch wenigstens … können und …. machen muss, fällt es ihm immer noch schwer, sich so anzunehmen, wie er ist. Er hat leider noch mehr im Kopf, wie er sein sollte.
Weniger ist aber oft einfach mehr. Wir hoffen, dass wir bald endlich wieder mehr selber bestimmen dürfen, wann er was macht. Dann kann er endlich lernen sich seinen Alltag so einzuteilen, wie er gut für ihn ist.

Neue Probleme

Der Antrag, auf Ruhen der Schulpflicht war gestellt, so warteten wir über eine Woche vergebens darauf, dass die Schulbehörde uns eine Rückmeldung gibt, dass der Antrag eingegangen ist. Also rief mein Mann dort an. Die zuständige Sacharbeiterin war für über eine Woche krank geschrieben, ihr Kollege meinte aber, die Akte liegt bei ihr auf dem Schreibtisch. Ah ok, also ist sie eingegangen und sollte bald bearbeitet werden,- oder? Dann heißt es,- warten, nur wie lange und was kommt dann?
Anders gestaltete es sich mit der Sonderpädagogin. Das letzte treffen in der Schule, war ja wenig erfreulich und wir immer noch entsetzt, warum sie so vorging. Da sie im Gespräch geäußert hat, sie müsste es ja irgendwie dokumentieren, was sie mit Tom arbeitet, stimmten wir zu, ihr jede Woche ihren aufgestellten Fragebogen zurück zu schicken. Darin sollte Tom schreiben, welches Fach er hatte, welches Thema, ob er immer gearbeitet hat, wie lange…. . Unnötige Kontrolle, die bei mir und Tom dazu führte, dass der Druck, mehr zu schaffen wuchs. Wieder fühlten wir uns ihr ausgeliefert und verpflichtet über alles was wir nicht machen, Rechenschaft abzulegen. Aber trotzdem noch besser, als sich weiterhin noch mit ihr zu treffen und uns anzuhören, was wir alles falsch oder schlecht machen. Damit können wir leben, einmal die Woche den Bogen ausgefüllt zurück zu schicken. Aber ihr reicht dies wohl nicht, denn dann bekomme ich wieder einen Anruf.
„Ich bin gerade auf dem Weg zu der Therapeutin und wollte mal fragen, ob das ok ist“? Bitte was? Die ruft kurz vor dem Treffen an um noch zu hören, dass sie dies darf? Was will die denn jetzt noch da? Gut, dass das Jugendamt mit dem Autismuszentrum vereinbart hat, dass es nun in der Therapie hauptsächlich darum geht, dass Tom Kompetenztraining macht und Verhaltenstherapie. Die Ausrichtung auf das zurückführen in die Schule ist auf Eis gelegt. Wie uns die Therapeutin danach berichtete, hat sie auch dort versucht, sie davon zu überzeugen, dass es das beste sei, wenn Tom im Schulsystem bleibt und von ihr langsam wieder an die Schule gewöhnt wird. Da unsere Therapeutin dies aber mittlerweile auch nicht mehr so sieht, kamen sie dort auch zu keinem gemeinsamen Ergebnis. So musste sie sich eine neue Strategie überlegen.
Dies alles kommt uns so vor, als sei sie sehr Narzistisch und bräuchte den Erfolg den man als Chef hat, da er allen sagt, was jeder zu tun hat. Sie hat sich im Laufe der Zeit überall an die Spitze gesetzt und alles an sich gerissen, wo es etwas zu klären gab. Ohne Absprache mit uns, ohne Rücksicht, ob dies wirklich so gut für Tom ist oder was andere darüber sagen… . Sie trabt einfach los und es macht den Anschein, als hätte sie nur im Blick, dass sie Chef bei allem bleibt und ihr jeder sagt, wie toll sie das doch alles managt. Sie will auf keinen Fall den Posten verlieren, dass alle auf sie hören. Wir sind entsetzt und hoffen aber immer noch, dass Sie uns endlich in Ruhe lässt, jetzt wo auch der Förderplan geschrieben ist, -in den sie ja anscheinend in geistiger Umnachtung, hineingeschrieben hat, dass auch kein Hausunterricht möglich sei-, wollen wir nur noch das Ruhen der Schulpflicht, damit wir das Geld vom Jugendamt bekommen können. Wofür haben wir denn sonst das ganze Jahr gekämpft? Uns geht es seit über einem Jahr genau darum, dass er in Ruhe nur die Webschule machen kann, da wir wissen, dass dies das einzige ist, was in Bezug auf Schule im Moment klappt.
Es scheint so, als sei das ganze Jahr nur ein einziger Kampf gewesen. Wir dachten zwar, dass wir gegen die Meinung der Chefin vom Schulamt kämpfen, es zeigt sich aber, dass wir noch mehr gegen die Ausrichtung der Pädagogin angehen müssen. Beide haben von Anfang an die Meinung gehabt, er wird nie von der Schulpflicht befreit und muss gezwungen werden, dass er wieder lernt zu funktionieren und sich anzupassen. Er muss wieder zurück IN eine Schule. Da er ja schon Mitte 15 ist, muss dies ja auch schnell gehen, denn mit 18, ist ja alles vorbei.
Wir sind entsetzt, dass es sich immer mehr zeigt, wie unehrlich sie doch zu uns war,- oder ist die einfach wirklich so chaotisch? Wir haben ihr leider immer wieder geglaubt, wenn Sie sagte, sie arbeite nicht daran, dass er bald in eine Schule geht. Aber woran arbeitet sie denn dann? Wir haben einfach völlig unterschiedliche Ausrichtungen, was es heißt, nicht an der Rückführung zu arbeiten. Bei uns heißt dies,- keiner macht etwas, dass mit Regelschule zu tun hat oder damit, dass er sich dieser doch wieder etwas annähert. Bei ihr heißt dies anscheinend, er muss noch nicht gehen, aber ich rede ständig darüber, sage ihm, dass er bald mal mit mir dort schauen kann, dass er mit mir jede Woche mehr über Schule redet, jede Woche dem ganzen ein Stückchen näher kommt, schupse ihn ständig ein Stück näher zur Schule hin, verliere es nicht aus den Augen, dass er sich der Schule jeden Tag ein Stück mehr annähert …. . So funktioniert das alles nur noch schlechter, so kommt er nicht zur Ruhe.
Aus unserer Sicht, macht dies einen ständigen Druck, zeigt ihm immer, dass er gedrängt wird, sich der Schule anzunähern und es Ärger gibt, wenn er nicht mitmacht… . So kann auch kein Vertrauen entstehen, denn worauf soll er denn trauen, wenn er weiß, dass er bald wieder in die Schule muss? Wie jemandem vertrauen, der es schafft, dass ich, obwohl vereinbart war, dass ich nicht runter kommen muss, doch kommen musste? Wie sich entspannen, wenn ständig einem gesagt wird, dass man das doch jetzt mal langsam können müsste?
Wir sind so sauer und gleichzeitig traurig, dass wir ihr vertraut haben, uns geöffnet und viel erzählt. Sie nun all unsere und vor allem Toms Schwächen ausnutzt um uns dazu zu zwingen, auf sie zu hören. Es ist erschreckend, dass jemand, der Tom nur 3x für 1 Stunde erlebt hat, als er auch noch in Hochanspannung war, sich nun eine Meinung bilden darf, die darüber mitentscheiden soll, was das beste ist. Schlimm, dass wir uns wieder anhören müssen, wir hätten ja keine Ahnung, wir würden ihn ja nur verhätscheln und es ihm zu leicht machen, so könnte er ja nie vernünftig mal arbeiten gehen und normal leben… . Klar kann er nie „normal“ leben, denn er ist ja ein Aspi und aus „normalo“ Sicht, ist dies ja kein gutes Leben, wenn man gerne alleine ist, nicht ständig mit Menschen Dinge unternimmt oder durch viele Reize krank wird…. . Es ist vielleicht nicht „normal“ aber dennoch gut. Dabei ist es uns ja am wichtigsten, dass es Tom gut geht, er sich wohl fühlt, glücklich ist, sich selber mag… . Nur dann ist es doch möglich, dass sein Leben toll ist. Es kommt doch nicht darauf an, dass es nach außen „normal“ aussieht, sondern dass er nach innen fröhlich ist, dass er sich selber mag…
Somit beschlossen wir noch mehr, wir schauen nun nicht mehr darauf, was gut aussieht, sondern auf das was wirklich gut für ihn und sein weiteres Leben ist. Wir machen nun das, was Tom in seinem glücklich sein und entspannt sein, weiter bringt und verschwenden weniger Energie dafür, immer wieder zu beweisen, dass er das nicht kann, ihn dies Stresst oder so manches ihn krank werden lässt… . Es muss endlich vorbei sein, dass wir die meiste Energie für „aufräumen“ und beweisen verbrauchen. Wir haben einfach keine Kraft mehr und auch keine Lust, so wenig Energie für schönes über zu haben, nur weil andere entweder noch die Ansicht von vor 30 Jahren haben, kein Geld bezahlen wollen oder selber Chef sein müssen…
Nur leider können wir dies ja nur bedingt bestimmen, denn wenn doch wieder Auflagen kommen, müssen wir brav hüpfen um nicht noch schlimmeres zu erleben. Es ist halt ein ständiger Kampf die Mitte zu finden. Sich zu wehren, aber nicht “ zu laut“ werden, die Mitte zu finden von, zu sehr betroffen,- dann muss er in die Klinik- oder nicht betroffen genug,- dann kann er in die Regelschule gehen. Wir werden immer hin und her gestoßen. Es ist entweder zu viel oder zu wenig. Hat es denn jemals ein Ende? Wenn ja, wann?

Treffen an der Regelschule

Für den Antrag auf Ruhen der Schulpflicht, sagte uns unser Anwalt, dass wir die Regelschule bitten sollten mit uns gemeinsam diesen zu stellen. Denn normal macht dies die Schule.
Also dort um einen Termin gebeten, auch dabei gesagt, was wir nun Vorhaben und wobei sie uns helfen sollen. Kann ja nicht so schwer sein, den richtigen Zettel mit dem passenden Formular heraus zu suchen und sich mit uns 10 min zu treffen.
Aber erst einmal dauerte auch dies fast eine Woche bis ein Anruf kam. „Sie könnte uns morgen anbieten, da hätte sie auch genügend Zeit,- innerhalb von einer Stunde müssten wir das ja hinbekommen…“! Ich meinte zu ihr, dass wir ja nur den Antrag bekommen möchten und dies ja wohl nicht so lange dauert… . Dazu sagte sie nichts weiter.
Da mich solche Termine nur unnötig stressen, ging mein Mann dort auch alleine hin. Er hatte sich mal wieder extra frei genommen dafür, aber wenn es dazu dient, dass wir endlich den Antrag auf Ruhen der Schulpflicht stellen können, ist das ja gut. So fuhr er zum vereinbarten Termin und ich rechnete damit, dass er in 20 min wieder hier sei. Als er 40, 50, 60 min weg war, wußte ich, dass wieder einmal nicht alles so einfach verlaufen war, wie gedacht. Er kam nach über einer Stunde zurück und ich sah direkt, dass er, ob wohl er sonst die Ruhe selbst ist, voll geladen war. So sprach ich ihn auch erst nicht an,- aber es platzte förmlich aus ihm heraus.
„Weißt du wer noch bei dem Termin dabei war“? Ich ne, die Schulleiterin? Er, „nein, die Sonderpädagogin „! Wow, damit war alles klar! Sie hatten nun gemeinsam noch einmal das selbe Gespräch mit ihm geführt, was sie mit mir auch schon vor einer Woche, am Telefon getan hatte. Sie versuchten sehr massiv Druck zu machen, dass wir auf keinen Fall das Ruhen beantragen dürften, dass er doch unbedingt im Schulsystem bleiben müsste, weil die Bezirksregierung dem sowieso nicht zustimmen würde, weil Tom ja endlich lernen müsste sich der Gesellschaft anzupassen, er integriert werden muss, damit er später arbeiten kann,- wenn auch nur in einer Werkstatt… . Das wäre das beste und sie wüßte, was nun zu tun sei…., wir sollen sie endlich mal machen lassen.
Nun reichte es uns aber, wie konnte sie dies jetzt auch noch machen. Wieder einmal ohne es mit uns vorher abgesprochen zu haben, obwohl wir mehrfach klar und deutlich allen gesagt haben, was wir wollen, kommt sie einfach dazu und meckert rum. Wieder stellte sich heraus, dass sie hinter unserem Rücken, nicht nur ohne unser Wissen mit der Webschule gesprochen hatte, über eine Kooperation mit der Regelschule, – wobei sie natürlich die Verbindungsperson ist, – sondern auch jetzt noch die Lehrer der Regelschule so versucht hat zu beeinflussen, dass sie weiß, was nun zu tun sei und sie deshalb einfach auch zum Gespräch erschienen ist. Dieses war ja nicht zum reden über das weitere Vorgehen (mit ihr) gedacht, sondern nur für das aushändigen des passenden Formulares, damit dann das Ruhen der Schulpflicht endlich beantragt werden kann.
Wir waren so wütend, vorallem, wenn man so unvorbereitet in ein Gespräch hinein geht, weil man ja glaubt, es geht „nur“ um ein Formular, ist man schnell dem ganzen ausgeliefert. Mein Mann brauchte Tage, um dies halbwegs zu verarbeiten. Gut das wir unseren Anwalt haben, der nur die Hände überm Kopf zusammen schlug und meinte. „Ok, wir brauchen die Schule nicht, sie können den Antrag auch einfach so selber stellen“!
Dies taten wir dann auch. Machten uns wieder eine Aktennotiz von dem Treffen und warteten auf das Protokoll, welches darüber erstellt werden sollte. Dieses bekamen wir fast 2 Wochen später per E-Mail zugeschickt und mein Mann verbesserte und korrigierte es direkt. Auch dies sprachen wir mit unserem Anwalt ab und santen es an die Schule zurück, mit bitte auf Korrektur und Übermittlung dieser Version an die Schulbehörde.
Den Antrag machten wir fertig, liesen ihn vom Anwalt durchlesen und schickten ihn zur Schulbehörde. Darin stand unter anderem, dass Sie uns eine schriftliche Bestätigung vom erhalten der Unterlagen geben mögen.
Aber auch nach über einer Woche, war noch keine Antwort bei uns angekommen. Was war jetzt schon wieder los?
Aber dafür nervt auch weiterhin die Sonderpädagogin…

Telefongespräch

Ja, die Freude über den erstellten Förderplan hielt nur kurz. Nach ein paar Tagen klingelte das Telefon, die Sonderpädagogin war am Apparat. Was die wohl will, dachte ich noch und schon wurden mir nacheinander ihre ganzen Bedenken vor die Füße geworfen.
Los ging es mit,- sie hätte sich was überlegt!!! Ohwei, ob dies was gutes ist? Wohl kaum.
Erst einmal redete sie davon, wie toll sie doch den Förderplan erstellt hätte. Auf meine Äußerung, der wäre zwar gut, aber ja doch insgesamt sehr negativ geschrieben meinte sie,- „Ja ich wäre darüber auch nicht so erfreut, wenn jemand so über mein Kind schreiben würde, aber sie habe es extra so verfasst, damit das Jugendamt auch wirklich bezahlt“! Ruhe bewahren dachte ich…
Als nächstes fing sie wieder an, darüber zu reden, dass sie doch bald mal mit Tom arbeiten schreiben könnte, zum Schulhof gehen oder das er nächsten Sommer die Prüfungen auch mit ihr in der Schule schreiben könnte. Ich versuchte immer noch ruhig zu bleiben, wollte nicht unnötig Stress mit ihr, aber als es zu massiv wurde, platzte mir doch der Kragen und ich sagte ihr ganz klar, dass wir nicht daran interessiert seien, dass sie so sehr daran arbeitet, dass Tom bald wieder IN das Schulgebäude geht. Das brachte dann alles in Wallungen. Sie meckerte daraufhin mich an, sie würde doch garnicht daran arbeiten, dass er schnell wieder in die Schule geht, sondern nur ganz Niederschwellig versuchen, ihn wieder soweit zu fördern, dass er sich der Schule annähern kann…. . Sie würde sich doch soviel Gedanken darüber machen, Tom gut zu helfen, sie hätte doch schon so vielen Kindern geholfen und sie hätte doch soviel Ahnung…. .
Daraufhin erzählte ich ihr mal, was sie mit ihrer ach so gut gemeinten Ahnung so angerichtet hat. Dadurch, dass sie Tom gezwungen hat, runter zu kommen und wieder mit ihr zu reden, ist er zurück in sein, “ ich muss doch funktionieren“ gefallen. War erst körperlich krank, lange verunsichert, ängstlich. Wir mussten ihn wieder aufbauen, ihm versichern, dass dies nie wieder so vorkommt. Das Vertrauen zu uns und den Menschen hatte dabei wieder einen Riss bekommen, den es nun ersteinmal wieder zu kitten galt. Ich sagte ihr, dass ihr kommen soviel Stress auslöst, dass er dadurch vorher Ruhe benötigt und danach auch Stunden platt ist. Ich versuchte ihr zu erklären, dass ein lernen mit den Menschen wieder mehr in Kontakt zu treten, am besten nicht zusammen mit dem Thema Schule versucht wird, da dies ja Toms schlimmste Momente waren. Er kommt besser zur Ruhe und kann sich allem wieder öffnen, wenn er bestimmen kann, wann er was möchte. Erst, wenn er genügend Energie über hat, kann er sich in Ruhe neuem stellen, hat Lust, was Neues auszuprobieren und kann dies dann auch als positiv erleben. Wir müssen ihm einfach die Zeit geben, die er braucht, dann erreichen wir mehr, als wenn wir ihn ständig zwingen.
Dies wollte sie alles nicht hören, sie ist so überzeugt von ihrem Handeln, dass alle, die anders denken, dumm sind. Einschließlich unseres Psychiaters. Dies machte mich schon fassungslos, aber richtig zur Sache ging es, als sie anfing zu erzählen, dass sie mit der Webschule und unserer Therapeutin telefoniert hätte, dass es doch das beste sei, wenn Tom weiterhin im Regelschulsysthem bleibt und in Kooperation mit der alten Schule arbeitet. Also, die alte Schule schickt alle Aufgaben zur Webschule, die die ausgefüllt zurück senden muss und so könnte er doch dann auch arbeiten schreiben und Noten bekommen… .
Was hat sie gemacht? Hinter unserem Rücken mit der Webschule telefoniert und denen gesagt, dass wir mit der alten Schule kooperieren wollen? Nicht ihr Ernst! Ich war inzwischen sprachlos, wütend und entsetzt! Langsam reicht es aber mit ihrer, ach so übermotivierten Art. Wir arbeiten seit Monaten daran, dass er von der Schulpflicht befreit wird und nun kommt die uns so? Dies zeigt leider wieder, dass die alle von Anfang an genau dies im Sinn gehabt haben. Sie hatten ja am Anfang solche Andeutungen gemacht. Da kamen so Sätze wie,- „Die Bezirksregierung lässt keinen aus der Schulpflicht“! Oder, „Wenn wir dann nächsten Jahr mal zusammen in die Gesamtschule gehen, können wir ja…“!
Wie konnten wir solange glauben, dass wir an einem gemeinsam Ziel arbeiten, aber eigentlich ganz unterschiedliche Dinge meinen? Wie konnte sie uns so lange immer wieder erzählen, dass sie alles so sieht wie wir und auch will, dass er an der Webschule bleibt, bzw nicht in die Regelschule zurück soll, wenn Sie doch genau das Gegenteil immer verfolgte. Schon lange haben wir uns immer wieder gefragt, warum sie so oft komische Bemerkungen gemacht hat. Haben uns gefragt, ob wir so vieles von ihr einfach nicht richtig verstanden haben oder auf welcher Seite sie wirklich steht… . Alles war so komisch, aber sie hat immer wieder unsere erwähnten Befürchtungen weggewischt und uns beruhigt. Erklärt, warum sie dies oder jenes so geschrieben hat, „doch nur damit wir problemloser unser Ziel erreichen…“. Oh wie nett, herzlichen Dank.
Nach einem nicht so schönen Gespräch, konnten wir uns darauf einigen, dass wir das Ruhen der Schulpflicht nun beantragen, sie ersteinmal nicht mehr vorbei kommt, da dies Tom zu sehr stresst und wir ihr aber weiterhin schriftlich fragen beantworten, damit sie ihr Geld, was sie von der Bezirksregierung bekommt, rechtfertigen kann. Wieder einmal glaubte ich ihr, dass nun endlich alles geklärt sei und sie uns in Ruhe lässt. Wenn das Ruhen durch ist, hat es sich ja sowieso mit ihr erledigt, dachten wir…
Nun mussten wir ja nur noch mit der Gesamtschule den Termin, zum erstellen des Antrages für das Ruhen der Schulpflicht hinter uns bringen. Dies sollte doch ein leichtes sein. Wurde aber auch dieser Termin nicht.
Wie lange soll das denn noch so weiter gehen? Wie lange halten wir noch durch? Warum dies alles?

Förderplan ganz fertig

Wir hatten von der Sonderpädagogin den Entwurf für den Förderplan bekommen. Diesen haben wir dann natürlich sofort an unseren Anwalt geschickt, der ihn sich durchgelesen hat und meinte, er sei nicht perfekt, aber doch so geschrieben, dass wir damit beim Schulamt das Ruhen der Schulpflicht beantragen können. Ok, dies beruhigte uns erst einmal, auch wenn dieser Entwurf nicht unseren Vorstellungen und erlebten entspricht. Der Satz mit dem “ Tom muss dringend in eine Klinik…“, macht uns dies alles nicht so einfach. Aber es geht jetzt nur noch darum, schnell und ohne viel Stress aus der ganzen Sache heraus zu kommen. So entschlossen wir uns, ohne große Verbesserungen vorzunehmen, ihr zu sagen, dass der Förderplan so ok sei. Schrieben aber darunter, dass wir ein Gutachten beigefügt haben vom Psychiater, welches besagt, das keine Klinik in Frage kommt, ja sogar kontraproduktiv sei.
Es verging eine Woche und sie schickte uns eine E-Mail, mit einem Fragebogen, den Tom doch bitte ausfüllen sollte. Was ist dies nun wieder? Wofür soll das gut sein? Warum? Dort fragte sie ihn über die letzte Schulwoche ab, was er gemacht hat, wie lange und ob es ihm dabei gut ging… . Ich verstand dies nicht und ignorierte erst einmal diese Mail.
Noch zwei Tage später bekamen wir abends wieder eine Mail, diesmal mit dem fertigen Förderplan. Wir waren aufgeregt, denn man weiß ja nie, was nun auf einen wieder zukommt. Ob sie den nun doch wieder so verändert hat, dass wir damit nicht die Befreiung beantragen können? Was wenn ja?
Also, mutig lesen. Und was soll ich sagen,- sie hat ihn sogar noch zu unseren Gunsten verbessert! Dort stand nun, dass Tom nicht IN eine Regelschule gehen kann und auch kein Hausunterricht möglich sei. Dagegen hatte sie sich ja immer so gewehrt, wollte es nicht annehmen, dass im Moment nichts anderes möglich sei, als die Webschule. Auch hat sie dort geschrieben, dass alle Beteiligten,- Psychiater, Therapeutin und wir Eltern die Webschule für die beste Möglichkeit sehen. Leider ist der ganze Förderplan sehr negativ formuliert, dass wenn man unseren Jungen nicht kennt, glauben könnte, er sei ein hochgradig behindertes Kind, welches nur depressiv in seinem Zimmer alleine im Bett liegt. Als sei sein ganzes Leben nur Qual und leid…., nirgends hat sie etwas positives oder fröhliches geschrieben. Kein Wort darüber, dass er ohne Stress hier im Haus ein fröhliches Kind ist, welches gerne lacht und Spaß an vielen Dingen hat. Auch nicht, dass er mit uns und seinem Freund gerne spiele spielt, raus geht um Fußball zu spielen, oft Witze erzählt oder immer mehr mit uns über verschiedene Dinge diskutiert und auch wieder Pläne macht für Ausflüge oder essen gehen… . Wir finden es traurig, dass dort alles nur auf Schule ausgerichtet ist, als ob dies das Wichtigste im Leben sei. Aber, wir werden dazu erst einmal nichts sagen, denn wir sind ja froh, dass sie es nun so gut geschrieben hat.
Aber wie kam denn dieser Sinneswandel? Außer, dass natürlich immer noch der Satz mit der Klinik drin steht, den wir aber durch den Psychiater direkt entkräftet haben. Ohne, dass wir noch einmal etwas gesagt haben? Aber vielleicht war es auch genau das, dass wir eben nichts gemacht haben, sondern möglichst lächelnd „mitgespielt“! Wie sehr haben wir uns zurück gehalten, weil wir nicht wußten, ob diese treffen als Hausunterricht zählen. Wenn dies so gewesen wäre und wir es nicht angenommen hätten, könnte man uns vorwerfen, dass wir uns der Mitarbeit verweigern. Auf Anraten unseres Anwaltes, haben wir ja die ganze Zeit versucht, dass nicht wir die treffen als kontraproduktiv titulieren, sondern sie uns sagt, dass es wohl im Moment nicht so gut sei, nur wollte sie ja davon nichts wissen. Aber, da kommt noch eine nicht geahnte wende auf uns zu.
So schickten wir auch den fertigen Förderplan zum Anwalt, der sehr erfreut war. Er rät uns, uns nun mit Toms alter Schule auszutauschen und dort einen Termin zu vereinbaren, damit wir durch die Schule den Antrag, auf Ruhen der Schulpflicht, stellen können. Dies macht nämlich normal die Schule.
Endlich einmal etwas positives, ein Stück weiter, ohne großen Kampf. Darüber wundern und freuen wir uns doch sehr. Kann dies denn sein? Einfach so? Uns fällt auf, dass wir so etwas nicht mehr einfach glauben können und uns unsicher sind, was denn als nächstes kommt. Leider behalten wir recht und der nächste Dämpfer macht sich breit.
Was müssen wir noch alles ertragen, bis endlich Ruhe einkehrt und wir die meiste Kraft nur noch dadurch verbrauchen, dass Tom wieder schöne Dinge machen kann. Denn die letzten zwei Jahre mussten wir alle die meiste Energie dafür verwenden oder besser gesagt, verschwenden, dass wir beweisen, dass unser Kind nicht in eine Regelschule gehen kann, aber dennoch nicht zu krank zum lernen ist. Dies hat uns alle, soviel Kraft gekostet, dass schönes so sehr auf der Strecke blieb.
Warum scheint für fast alle immer das Wichtigste zu sein, dass er IN ein Schulgebäude geht und funktioniert? Warum will kaum jemand sehen, dass er besser an und in der Gesellschaft klarkommt, wenn er Zeit und Ruhe hat sich ihr anzunähern. Immer dieser Druck und die Vorgabe, was er wann können und machen muss. Diese Panik, dass wenn er nicht bald lernt unter viele Menschen zu gehen, er nur ein armseliges Leben haben kann…. . Dies ist alles so traurig. Hoffentlich wird es bald besser.

Sonderpädagogin überschreitet ihre Kompetenz

Gut, dass wir einen Anwalt haben, der sich auskennt und uns direkt einmal etwas beruhigte. Er meinte, das die Dame doch ihre Kompetenz sehr überschritten hat, er dies aber so kennt, da er schon öfters solche übermotivierten Leuten erlebt hat, die dann von der anderen Seite vom Pferd fallen. Wir sollten dies nicht überbewerten, aber es könnte natürlich dazu führen, dass dies das Schulamt zum Anlass nimmt, eine nächste Runde einzuläuten.

Da das Schulamt ja von Anfang an nicht wollte, dass Tom von der Schulpflicht freigestellt wird, könnte dies nun ein guter Grund sein, dass sie dies zum Anlass nehmen das dies noch einmal genauer geprüft werden muss. Leider musste er uns auch sagen, dass wenn Tom in eine Klinik und Tagesklinik geht, diese Maßnahme dann Vorrang vor der Webschule hat. Entscheiden kann dies aber weder eine Sonderpädagogin noch das Schulamt. Nur können die uns zwingen, dass wir dies durch eine Uniklinik oder Amtsarzt abklären lassen müssen.

So nutzten wir es, dass wir sowieso einen Termin für die nächste Krankschreibung hatten, um den Psychiater zu bitten, dass er uns noch eine Stellungnahme darüber schreibt, ob es gut ist, das unser Sohn in eine Klinik und Tagesklinik geht. Er fiel aus allen Wolken und meinte nur, “ was machen die nur bei Ihnen, die müssen doch mal langsam Einsehen, dass sie nicht ums zahlen herum kommen“! Er sagte uns zu, dass er noch einmal etwas schreibt.

2 Tage später hielten wir die Stellungnahme schon in Händen und auch der Anwalt meinte, diese sei sehr gut. Wir füllten die Elternerklärung auf dem Zettel aus, dass wir nicht mit allem so einverstanden sind und schrieben noch einen Brief dazu, in dem wir erwähnten, dass wir es nicht gut finden, nur die letzten 3 Seiten vom Gutachten bekommen zu haben. Das wir auch so nur zu diesen Zeilen Stellung nehmen können und nicht mit der Ansicht der Pädagogin einverstanden sind, das Tom unbedingt in eine Klinik muss. Alles Pakten wir zusammen in einen Brief, der dann zum Schulamt geschickt wurde.

Nun hieß es warten. Wie lange, worauf, warum…wir wußten es nicht. Immer wieder in die Position zu kommen, dass wir da sitzen und darauf warten, dass die uns was vor die Füße werfen, was wir dann ganz schnell erfüllen müssen. Wo wir wieder beweisen müssen, Gutachten liefern oder Untersuchungen über uns ergehen lassen…. so sind wir ja seit über 2 Jahren auf dem Weg.

Es war aber auch die Zeit, in der wir darüber nachdachten, warum alles so schwierig verläuft. Warum die Gesellschaft so viel mehr wert auf “ Funktionieren“ legt, als auf gesunde glückliche Menschen. Warum nur, müssen alle gleich sein und unter Menschen viel leisten?

Warum glauben so viele, dass wenn man die Menschen nicht zwingt in eine Schule zu gehen, sie nie lernen im Leben klar zu kommen. Wir haben es aber genau anders erlebt. Seit wir Tom die Freiheit geben, die er braucht, seit er genügend Erholung hat und nicht ständig von Reizen überflutet ist, blüht er auf und will dann mehr machen. Nur dann hat er aber auch die Möglichkeit sich neuem oder Menschen auszusetzen. Nur so hat er die Energie dafür, die er benötigt.

Weniger ist hier auf jedenfall mehr.

Noch haben wir nicht die Möglichkeit selber zu entscheiden, was das beste ist, denn es gibt ja in Deutschland ein sehr strenges Schulgesetz und die Behörden nutzen dies gerne für ihre Zwecke aus. Die Kinder werden meist über Monate oder Jahre daran gehindert, das zu tun, was für sie das beste ist, sondern müssen das machen, was das bequemste oder preiswerteste ist. Erst wenn die Kinder 18 sind und man keine Hilfe vom Staat benötigt, kann man sein Leben so gestalten, wie man es für am besten erachtet.

Ich hoffe wir halten nervlich und finanziell solange noch durch oder werden irgendwann einfach in Ruhe gelassen. Jetzt sitzen wir aber erst einmal wieder hier und warten.