Weiterführende Schule

Der Wechsel aufs Gymnasium gestaltete sich wieder schwierig. So viele neue Dinge, Räume, Lehrer, Mitschüler….neue Stundenpläne und Unterricht bis nachmittags. Aus heutiger Sicht, hätten wir ihm dies nie so zumuten dürfen, aber damals wußten wir ja nicht, was mit uns anders ist.

Also wieder ihm alles erklären, vorher ansehen, ihm sagen was er dann machen oder sagen kann. Wieder durchhalten, sich eingewöhnen und glauben, das es an einem selber liegt, das es so schwierig ist.

Die Klassenlehrer sind ihm wieder eine gute Hilfe, mögen ihn, da er ein ruhiger, aufmerksamer Schüler ist, der viel weiß. Aber auch sie meinen immer mehr, er muss doch lernen mehr aus sich heraus zu kommen, frei zu reden, sich aktiv am Unterricht zu beteiligen… . Sie sagten uns auch, das es im 5-6 Schuljahr noch nicht so schlimm sei, da er da noch keine “ bringeschuld “ hat. Aber ab der 7 Klasse, würde sich dies ändern dann würden die mündlichen Noten sehr ins Gewicht fallen und es gäbe auch mündliche Prüfungen. Ohwei, glauben die wirklich, das er sich in der Schule noch sehr öffnet? Wir nicht…

Die ersten 2 Jahre hat er sich mehr oder weniger eingelebt. Wurde immer wieder krank und bleib zu Hause, aber ansonsten gab es einen klaren Stundenplan und er durfte so sein wie er ist. Da er Fußball mag und so auch mit anderen Jungs darüber reden konnte oder mit Ihnen auf dem Schulhof spielen, war er in seiner Klasse auch kein Außenseiter. Dies änderte sich aber immer mehr, als die ersten in die Pubertät kamen und sich veränderten. Die neuen Themen waren für ihn sehr fremd oder interessierten ihn nicht. Auch wurde es so in der Schule, wie ja schon angekündigt immer anstrengender, da nun mehr erwartet wurde. Mündliche Prüfungen in englisch und deutsch, Vortragen von Referaten, mündliche Mitarbeit im Unterricht….

Dabei war es auch nicht förderlich, das es viele Wahlfächer gab, so wechselten ständig auch noch die Mitschüler. Sein einer guter Freund, bekam dann auch noch andere Interessen und zog sich zurück. So begann eine Spirale von “ überfordert, durchhalten, mehr machen müssen, krank werden, zuhause Erholung finden, wieder von neuem“!!

Wo am Anfang noch alle 4 Wochen mal 1-2 Tage zuhause bleiben reichten, wurden es zunehmend mehr Fehlzeiten. Wir machten uns immer mehr sorgen, so vieles von dem, was der kleine durchleben musste, war mir leider aus meiner eigenen Jugend auch bekannt. Damals hatte ich keine Lösung gefunden. Meine Eltern hatten kein Verständnis für mich und ich bekam gesagt, ich sei wohl einfach zu faul und müsste mich mehr anstrengen. So sah ich das nicht bei ihm heute. Nein, faul ist er bestimmt nicht. Ich wußte, das er sich sehr bemüht, durchsuchte das Netz um irgendeine Idee zu finden, was mit ihm oder uns los sei… . Aber wenn man nicht weiß nach was man suchen muss, ist das finden sehr schwer. Bisher hatte ja auch kein Lehrer eine Idee, warum er so anders ist, außer, das er sich mehr öffnen muss, es einfach lernen muss…

Die große Erlösung kam dann durch den erwähnten Zeitungsbericht über Asperger. Endlich hatten wir einen “ Namen „, endlich wurde so vieles klar und wir konnten dann uns über Asperger Autismus schlau machen.

Aber wie nun in der Praxis damit umgehen? Was können wir tun, damit es einfacher wird? Womit anfangen? Wer hilft uns dabei? Wem sollen wir unseren Verdacht erzählen? Wer versteht uns?

Fragen über fragen, die uns länger beschäftigen sollten, als wir es damals gedacht haben.

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