Nachteilsausgleiche in der Schule

Durch die Diagnose vom Psychiater konnten wir uns mit der Schule zusammensetzen und Nachteilsausgleiche für unseren Sohn besprechen. Wir waren sehr froh, das die Klassenlehrer allem gegenüber sehr aufgeschlossen und freundlich reagierten. Sie hätten zwar nie gedacht, das ein solch ruhiger, braver schlauer Junge Asperger sein könnte, aber nachdem wir ihnen Literatur gaben und Erlebnisse erzählten, verstanden sie alles besser.

Tom sollte nun in der Schule einen Nebenraum vom Klassenzimmer bekommen, in den er sich jederzeit zurückziehen könnte. Nur war dies praktisch kaum möglich, da er es selber zu spät bemerkte, er es auch im Stress nicht sagen konnte und eigenständig dort hingehen. Meist saß er nur lächelnd auf seinem Stuhl und wartete, bis die Schule vorbei war. Dann brach der Stress aus ihm heraus,- und er wurde krank.

Er durfte, wenn er wollte in der Pause in der Schule bleiben, aber auch dies war nicht einfach für ihn, denn er hatte Angst, was er den anderen sagen sollte, warum er drin bleiben darf. Er hatte ja noch nicht lange selber etwas darüber gehört, warum er anders ist und somit für ihn andere Regeln gelten. Hatte die alten Regeln im Kopf, an die man sich halten muss. Somit wollte er auch sein Handy nicht mit in die Schule nehmen, mit dem er mir hätte jederzeit schreiben können, wenn etwas nicht stimmt oder wenn er nach Hause möchte…

Auch durfte er die Arbeiten in einem Raum alleine schreiben, gut so, nur nicht, wenn der Raum das „leere“ Lehrerzimmer ist, wo doch andauernd Lehrer rein und rausgehen, ihn ansehen und sich wundern oder gar ihm fragen stellen…

Er bekam gesagt, das er keine mündlichen Prüfungen oder Referate halten muss, wenn dies zuviel für ihn sei. Nur hielten sich daran nicht alle Lehrer. Der Lehrer in Geschichte bestand darauf, das jedes Kind ein Referat hält,- die müssen das jetzt lernen-. Er sagte den Kindern noch nicht einmal, wann sie dran kommen, sondern alle saßen im Unterricht und warteten, ob es sie heute erwischt. Tom war dadurch sehr verunsichert und wurde vor der nächsten Geschichtsstunde krank. Wir redeten mit der Klassenlehrerin und die wollte das mit dem klären. Wir bekamen dann die Info, das er in der nächsten Stunde halten darf, wenn er möchte. Mit viel Aufregung, wollte Tom es versuchen und ging brav in die Schule.

Mittags mussten wir ihn weinend abholen, er war krank. Was war passiert? Der Lehrer hatte ihn wieder nicht dran genommen. Das darf doch nicht wahr sein… Ich weiß nicht woher er trotzdem nocheinmal die Energie nahm und es die nächste Woche genauso wieder wagte. Nur diesesmal setzte der Lehrer noch eins drauf. Er meinte in die Klasse, so wer jetzt noch nicht gehalten hat, hat es wohl nicht rechtzeitig fertig gehabt und darf nächste Woche nicht mehr… bitte was???!!

Damit brach eine Welt zusammen und es dauerte lange, bis er dies überwunden hatte, wohl auch nur dadurch, das der Lehrer nach den Ferien nicht mehr den Unterricht hielt. Solche Erlebnisse waren sehr schlimm für Tom, sie zeigten ihm immer wieder, das er nicht verstanden wird, manche ihm nicht helfen wollen und Schule ein Ort ist, an dem er sich nicht entspannen kann, sondern immer sehr viele unvorhergesehene Dinge passieren können.

Was also nutzen Nachteilsausgleiche, die er nicht wahrnehmen kann, weil er es entweder selber nicht merkt, dies für ihn Sonderregelung sind, die er nicht annehmen kann, weil er dies sonst den Mitschülern erklären müsste oder die er doch nicht bekommt, weil so mancher Lehrer glaubt, dass sie es besser wissen, wie Sie ihm beibringen, dass er zb. frei reden lernt?

Aber auch sonst passiert fast jeden Tag viel, was ihn aus der Ruhe bringt oder stresst. Ein hupendes Auto auf dem Schulweg, ein rempler in der Pause, eine Textaufgabe im Unterricht, die er nicht versteht, Sätze, die er wörtlich nimmt und nicht merkt, das damit etwas anderes gemeint ist. Lehrer, die ihn anmeckern, wenn er im praktischen Unterricht rumsteht und nicht selber sieht, wo er noch was machen kann… , weil er von sich aus dies nicht sieht, sondern man ihm genau sagen muss, was er wann machen soll, sie aber nicht glaubt, das er das nicht merkt oder wissen kann. Es passieren einfach ständig Dinge, die für ihn unvorhergesehen sind und da nuneinmal in einer Schule sehr viele Menschen sind, ist die Wahrscheinlichkeit sehr groß.

Aber trotzdem war er immer wieder bereit nach einer Erholungszeit zur Schule zu gehen. Bis er wieder so überfordert war, das er krank wurde. Im Laufe des letzten halben Jahres verschoben sich so die anfängliche Erholungszeit von 1-2 Tagen im Monat auf 1-3 Wochen. Dies war nicht mehr tragbar und wir mussten etwas ändern. Zum Glück haben wir einen tollen Hausarzt, der die Situation gut einschätzte und meinte, „So geht das doch nicht, der arme braucht endlich mal länger Erholung“! Er schrieb Tom für 2 Wochen krank, damit er sich gut erholen konnte und zu Kräften kamm.

Danach ging es kurz etwas besser, aber als dann neben den normalen Stressfaktoren noch solche Szenen kamen wie, das er im Sportunterricht gesagt bekam, das sie jetzt nach draußen gehen um dort an verschiedenen Stationen Leichtathletik zu trainieren. Das sie in 6 Monaten auf Klassenfahrt fahren und sie alle in englisch und deutsch eine mündliche Klassenarbeit machen müssen,… . Da war es so schlimm, das er fast depressiv nach der Schule die Woche im Bett lag, zu nichts mehr Lust hatte, immer öfters krank war und sich morgens oft nur unter Tränen, Schüttelfrost und mit angst zur Schule traute. Dies konnten wir als Eltern kaum ertragen und zogen endlich die Reisleine. Zum glück sah dies unser Arzt genauso und schrieb unseren jungen über 6 Monate immer wieder krank. Bis wir einen neuen Psychiater fanden, der uns weiter half.

Aber damit fingen ganz neue Probleme mit dem Jugendamt an.

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