Schule nicht mehr möglich

Die Lage in der Schule hatte sich so zugespitzt, das er mehr Erholungszeit zuhause brauchte, als es in die Schule zu schaffen. Mit seinem Verstand wußte und wollte er in die Schule gehen, aber sein Körper machte nicht mehr mit. Er lag morgens weinend, zitternd und hyperventilierend in seinem Bett und wußte nicht, wie er es schaffen sollte. So konnten wir es nicht mehr zulassen ihn weiterhin dort hin zu schicken. Es musste eine andere Lösung her.

Schulpflicht hin oder her, diese heißt ja nicht nur die Pflicht, das er zur Schule gehen muss, sondern auch, das er stressfrei lernen darf. Wenn dies nicht in einer Regelschule möglich ist, sollte ihm doch etwas anderes ermöglicht werden.

Wir dachten, das alle Beteiligten großes Interesse daran haben, dass er lernen kann und es ihm gut geht. Leider wurden wir eines anderen belehrt.

Unser Hausarzt sah dies genauso wie wir und schrieb Tom erst einmal für 3 Wochen krank. In der ersten Woche konnte er sich endlich wieder etwas erholen, in der zweiten etwas mehr, aber dann kippte die Stimmung, weil die Angst wuchs, das er doch wieder danach gehen muss.

Wir besuchten wieder unseren Arzt, der meinte, “ So sollten sie den armen Jungen nicht mehr in eine Schule schicken, lassen sie ihn zuhause, bis er sich ganz erholt hat, vielleicht muss er ersteinmal noch lernen, wie er besser mit dem Stress umgehen kann“!

Endlich mal jemand, der uns ermuntert, ihn nicht mehr in eine Schule zurückzuschicken. Interessanter weiße, war dies für das Jugendamt auch kein Problem. Die meinten auch zu uns das es doch tatsächlich das beste sei, wenn er sich mal richtig erholt. Glaubten aber auch, das er bald von selber wieder den Wunsch äußert, gehen zu dürfen… Nur das geschah nicht, bis heute.

In der Zwischenzeit hatte er auch im Autismuszentrum eine Therapie angefangen. Einmal pro Woche konnte er nun für 1 Stunde dort hin. Alle hatten die Hoffnung, das er dort lernt, wieder in die Schule zurückzufinden. Aber was lernen die dort?

Unser Anliegen war von Anfang an ein anderes, als das vom Jugendamt, nur war uns dies nicht klar. In unserem Fokus stand immer, ihm soll es gut gehen und dann kann er einen guten Schulabschluss machen. Nicht, er soll sich anstrengen, das das in der Schule klappt und dann schauen wir mal, wie wir helfen können.

Wir machten uns auf die Suche nach guter Hilfe. Was gab es da alles, was war möglich…? Als erstes fand ich die Möglichkeit eines Schulbegleiters und versuchte mir vorzustellen, ob dies für ihn Erleichterung bringen könnte. Was würde durch solch eine Hilfe für ihn einfacher? Was würde bleiben? Wir fragten beim Jugendamt danach und bekamen schnell die Antwort, “ Nein in dem Alter machen wir das nicht mehr, wenn er daran noch nicht gewöhnt ist“!

Ok, dann brauchen wir darüber nicht mehr nachdenken. Konnte mir das eh nicht gut vorstellen, das der wirklich etwas bringt. Vorallem nicht, da die Pausen das größte Problem sind und Veränderungen, die plötzlich eintreten. Die kann er ja nicht verhindern. Also, wieder suchen. Was gibt es denn alles für Schulen im Umkreis? Möglichst welche, die nur bis mittags Unterricht haben und kleine Klassen. Oh, in der Nähe gibt es nichts, schade.

Vielleicht wäre ja ein Hauslehrer eine Möglichkeit. Davon haben wir schonmal etwas gehört, seine alte Lehrerin erzählte uns davon, dass wenn er länger krank ist, sie dies für ihn beantragen könnten beim Schulamt. Aber er bekommt nur 6-8 Unterrichtsstunden und dies von verschiedenen Lehrern zu unterschiedlichen Zeiten. Leider sind die Lehrer aber auch nicht alle dafür ausgebildet, mit Aspergern richtig umzugehen, so das wir Angst hatten, das dies alles noch schwieriger machen könnte. Aber eh wir näher darüber nachdenken konnten entdeckte ich die webindividualschule in Bochum. Dies erschien uns die beste Möglichkeit, das er stressfrei lernen kann. Die Lehrer dort sind auch auf Asperger Kinder sehr geschult, stellen sich auf jedes Kind genau ein und helfen, das jeder einen für ihn besten Schulabschluss schafft. Er hätte dort einen klaren Stundenplan mit nur einem Lehrer, der auf ihn gut eingehen kann.Der einzigste Nachteil ist, sie kostet viel Geld, über 830€ im Monat. Aber für Kinder die nicht mehr in eine Regelschule gehen können, bezahlt dies das Jugendamt.

Freudig sind wir mit dieser Idee zum JA und erzählten, naiv wie wir waren davon. Die Begeisterung hielt sich doch sehr in Grenzen und wir bekamen auf einmal, obwohl bis dahin sich keiner für uns interessierte das Angebot für eine kleine tolle Schule, die extra auch für Asperger Kinder sei. Dort könnte man ja auch einen Realschulabschluss machen… . Ok, die kannte ich nicht und suchte nach ihren Schwärmereien im Netzt nach Infos.

Es war eine Förderschule, soweit noch ok. Aber wenn von 40 Kindern 2 die Berechtigung bekommen einen Realschulabschluss zu machen und 10 einen Hauptschulabschluss schaffen, dann ist dies wohl nicht der richtige Ort für ein intelligentes Gymnasiumkind. Mal ganz abgesehen davon, das auch hier 3x die Woche bis 3 Uhr Unterricht sein soll und allein die Busfahrt schon eine Strecke mind 45 min in einem Kleinbus mit 15 anderen Kindern ist.

Wie stellen die sich das vor, wie soll der Junge das denn aushalten?

Sie reagierten sehr böse, als wir am nächsten Tag nicht begeistert waren und doch lieber die Webschule wollten. Dachten die denn wirklich, das wir einfach so auf sie hören und das machen, was sie sagen?

Tom überlebt ja schon nicht die Anreise, wenn irgendetwas im Bus passiert, was er nicht so eingeplant hat und dann sitzt er da und kann nicht mal eben von mir abgeholt werden….

Also hieß es dran bleiben und schauen, wie wir eine Lösung finden. Für uns war sie klar, aber dem JA viel immer wieder etwas ein, was wir dafür noch bräuchten, damit sie das genehmigen könnten. Wir glaubten Ihnen, das sie wirklich auch wollten, das der Junge dort unterrichtet werden kann. Aber nein, es war der Versuch, einen Grund zu finden, das es nicht geht oder uns zum aufgeben zu bewegen…. . Nun sollten wir…

Ein neues Gutachten von einem Psychiater, eines von der Autismustherapeutin, von den alten Lehrern… besorgen. Dies alles zu bekommen hat uns doch sehr viel Kraft und Zeit gekostet.

Also wieder einen neuen Psychiater finden, nur wo? Hilft der uns dann? Was fällt dem dann noch auf oder ein? Wie lange dauert das? Genehmigen sie die Schule dann?

Wieder vergingen Wochen und Tom saß hier, zu krank um in die Schule zu gehen, zu gesund um nichts zu machen. Mittlerweile waren 5 Monate vergangen…

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