Viele Gratwanderungen

Immer wieder fällt es uns auf, das wir eine Gratwanderung machen. Dies ist für uns nicht gut und für den Jungen auch nicht. Aber warum ist dies so?

Weil wir einfach anders sind und an vielen Punkten die Welt anders wahrnehmen, Momente verarbeiten oder sie nicht verstehen…, aber die Gesellschaft uns dazu bringen möchte, dass wir genauso funktionieren, wie alle. Dabei gibt es noch den Unterschied, ob sie dies wollen, weil es für sie heißt, das sie es einfacher haben oder weil sie einfach glauben, das jeder … können muss. Dieser glaube, das wir alle gleich sind und auch gleich leben müssen, macht es sehr schwer. Wenn viele Menschen nicht sehen wollen, dass manche mit einer Sache wirkliche Probleme haben, verletzen Sie diese.

Beispiel, wenn im Kindergarten eine Feier Anstand, bedeutete dies für ihn so schon immer viel Stress. Das viele unbekannte, viele Menschen, alle reden durcheinander… . Wir wußten dies auch ohne Diagnose schon und haben es einfach so akzeptiert. Wir wollten unser Kind so gut es geht beschützen, dass er sich sicher fühlen kann. Dafür haben wir uns oft genug mit den Erziehern oder anderen Eltern angelegt. Es wurde erwartet, das alle Kinder sich Karneval verkleiden, bei einem Krippenspiel mitspielen oder im Chor mitsingen…. .

Warum glaubt man ihm oder auch uns nicht, das dies zu viel ist? Warum muss man uns belehren, dass dies doch jedes Kind kann, er sich mal nicht so anstellen soll, sich zusammenreißen…. .

Leider wurden wir auch selber dadurch immer wieder unsicher, haben doch versucht uns anzupassen, ihn zu motivieren, das er es mitmacht…. . Wie oft standen wir wie auf einem Grat, hatten Angst entweder rechts runter zu fallen, weil dem kleinen alles zu viel ist und er wieder krank wird oder das wir links runter fallen, weil es mit den Erziehern Diskussionen gab, wir uns schlecht und mies fühlten, weil er es nicht kann…

Das darf doch nicht so sein, nur weil viele nicht verstehen (wollen) das es für ihn wirklich nicht möglich ist. Dadurch, das wir selber nicht wußten, warum wir so oft überfordert sind und anders reagieren…, glaubten wir leider, dass wir falsch, schlecht oder doof sind. Also immer wieder, zusammenreißen und es versuchen. Nur, was dies langfristig für viele bewirkt, da denkt keiner drüber nach.

Das unser Selbstwertgefühl dadurch bescheiden ist, das wir schnell glauben, dass wir das doch können müssen, das uns immer wieder andere sagen dürfen, wie es für uns richtig ist, was wir können müssen, was wir mögen, brauchen…. ist schlimm. So stehen wir immer wieder oben auf dem Grat und sehen nur die zwei Möglichkeiten. Falle ich links oder rechts runter, also, höre ich auf die Erzieher und mute mir zuviel zu, bin morgen wieder krank oder höre ich auf mich, mache kein Krippenspiel mit, aber bekomme Ärger von Erziehern, anderen Eltern oder Kindern. Dann ist dies vielleicht auch zuviel und ich werde ,- richtig krank.

Wenn man solche Momente aber nun immer häufiger erlebt, ständig korrigiert wird, überall gesagt bekommt, das man doch … können, machen , tun soll…, dann wächst immer mehr der Stress in einem und der Kreislauf beginnt immer schlimmer zu werden. Man fühlt sich ausgeliefert, muss funktionieren, glaubt, man sei falsch,… strengt sich an, will es so machen wie “ die anderen“, ist aber ständig in der Angst, das wieder etwas kommt, was einen aus der Ruhe bringt oder das es Ärger gibt, weil Menschen immer mehr von einem erwarten. So kommt zu der Überforderung auch noch ständige Angst dazu, das gleich was schlimmes passiert.

So werden Leute depressiv, leiden an Ermüdung, bekommen immer mehr körperliche Krankheiten, ziehen sich zurück, verweigern immer mehr den Umgang mit Menschen…., dabei könnte es so einfach sein.

Wir lieben sie so, wie sie sind. Lernen Ihnen, das sie richtig fühlen und ermuntern sie ehrlich zu sagen, wenn es genug ist oder eine Grenze überschritten wurde. Wir zeigen Ihnen, das wir Ihnen glauben und es respektieren, dass sie manches nicht so gut können. Zeigen Ihnen aber auch, das sie dafür andere Dinge sehr gut beherrschen.

Wir lernen endlich, das sich nicht jeder der Gesellschaft anpassen muss, sondern das es gut ist, das jeder anders ist.

Es ist ein Umdenken, das ich auch noch mehr lernen muss, denn immer noch ertappe ich mich dabei, dass ich versuche unseren jungen zu überreden, doch mitzumachen und dabei in Kauf nehme, das er leidet. Aber an vielen Punkten passen wir uns nicht mehr an, stoßen dadurch aber sehr massiv auf Widerstand. Leider auch bei Menschen, die eigentlich genau dafür da sind, dass uns geholfen wird. Jugendamt, Psychiater, Lehrer, sind nicht alle hilfreich, sondern glauben durch Druck und zwingen, würden Sie es schaffen, dass die Kinder sich anpassen. Ihre Beweggründe sind dabei nicht immer nachvollziehbar.

Das Jugendamt hat hauptsächlich im Blick, dass sie wenig bezahlen müssen. Also ist es das einfachste, wenn die Kinder so in eine Regelschule gehen.

Viele Psychiater haben im Studium entweder gar nichts oder nur am Rande etwas von Autismus gehört, nehmen dies so hin, das es Autisten gibt, glauben aber, sie könnten das heilen / behandeln, wie sie dies auch bei anderen Kindern machen. Nur klappt das nicht. Leider glauben immer noch viele, dass das Wichtigste sei, dass alle in die Gesellschaft integriert werden. Als wäre dies die Messlatte, die anzeigt, ob es jemandem gut geht.

Manche Lehrer glauben, sie kennen alle Sorte von Kindern und sie haben noch jedem beigebracht, das er lernt, frei redet oder schön schreibt… . Andere sind selber überfordert und wollen einfach ihre Ruhe, die bekommen sie am besten, wenn alle “ normal“ im Unterricht mitmachen.

Eltern neigen sehr dazu ihre Kinder zu allem zu zwingen, sie sind der Chef und die Kinder müssen sich dem fügen. Entweder, „weil man das so macht“ oder, weil sie ihre Ruhe wollen. Anderen Eltern zu sagen, was sie falsch machen und das sie das besser können, gehört auch dazu.

Wie aber endlich vom Grat runter kommen? Wie sich an so mancher Stelle nicht mehr anpassen oder rechtfertigen müssen?

Gerade in unserer Lage, wo er noch schulpflichtig ist, macht es sehr schwer. Dabei vergessen so manche Stellen, das nicht nur wir die Pflicht haben unsere Kinder in eine Schule zu schicken, sondern, dass auch der Staat die Pflicht hat dafür zu sorgen, das die Kinder stressfrei und gesund lernen können. Es ist halt nicht nur eine Schulpflicht, die in einem Regelschulklassenraum stattfinden muss, sondern doch eher eine Lernpflicht, die so sein sollte, das der Stoff verstanden wird, es dem Kind dabei aber gut geht.

Wann schaffen wir alle es, jeden so anzunehmen, wie er ist? Jedem zu glauben, wenn er ehrlich sagt, das ist zu viel? Ihn zu ermuntern, so zu sein, wie er ist, aber trotzdem ihn zu herauszufordern, in seiner Geschwindigkeit neues zu wagen? Dies kann man aber doch auf Dauer nur, wenn man sich sicher sein kann, das man selber nein sagen darf, wenn es genug ist.

Wann darf endlich wieder jeder „anders“ sein?

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