Lernen sich anzupassen oder besser doch nicht?

Wie soll das nur gehen. Von klein auf bekommen wir gesagt, dass wir ehrlich seinen sollen, sagen sollen, wenn wir etwas nicht verstehen, uns etwas zuviel ist oder wir Angst haben…, nur wenn wir dies dann machen,- und dazu müssen wir uns oft überwinden, es kommt uns immer schwerer über die Lippen, dann gibt es oft Ärger.

Warum?

Weil ihr meist an den Punkten, wo wir Probleme haben, keine habt. Weil ihr uns nicht glaubt, das man damit nicht klar kommt oder durch sowas überfordert sein könnte…. . Warum glaubt uns denn keiner? Warum sieht es kaum jemand, das wir leiden und uns nicht anstellen?

Vieles könnte nach kurzer Zeit auch einfacher werden, wenn sich jemand mal die Zeit nehmen würde, uns genau zu erklären, wie das gemeint ist, wie das funktioniert, warum man das so macht, wann man was macht, wer was von einem erwartet… . Wenn auch wir die Dinge verstehen, die Zeit haben sie in Ruhe kennenzulernen, sie langsam ausprobieren dürfen, erstmal nur zusehen dürfen…, dann lernen wir es oft genauso wie alle anderen. Aber es gibt auch Bereiche, die wir nie lernen, da sind wir einfach “ blind“!

Die Dinge, die wir schneller erfassen, verstehen oder wie selbstverständlich machen, fallen keinem auf, werden als so hingenommen. Niemand sieht, dass wir in vielen Dingen schneller sind oder auch besser. Da wir oft kleine Details erkennen und Veränderungen bemerken, können wir solche Aufgaben leicht lösen, aber dies scheint egal zu sein. Das Problem liegt darin, dass wir einfach an anderen Stellen als “ normalos“ Defizite haben und genau dies von kaum jemandem so akzeptiert wird.

Wenn die meisten Frauen schreiend vor einer Spinne wegrennen, ist das normal und keiner wundert sich oder ruft, “ stell dich nicht so an“! Wenn aber ein Autist Probleme hat jemanden anzurufen,- da er ja nicht weiß, wann man was von ihm am Telefon erwartet-, dann wird man angemeckert. So habe ich nur die Möglichkeit, entweder ich verdränge meine Angst und quäle mich durch das Gespräch hindurch, bin danach vielleicht völlig fertig… – das ist nicht gut oder ich sage etwas und bitte um Hilfe, bekomme diese aber nicht, sondern werde ausgelacht und muss trotzdem anrufen. Noch weniger gut. Vielleicht treffe ich auch auf Menschen, die das Telefonat für mich übernehmen, aber mich trotzdem nicht verstehen und das nächstemal, stehe ich wieder so da. Ich lerne es nicht, sie verstehen mich nicht. Ich habe immer mehr Angst, das bald wieder ein Telefonat ansteht, bin noch gestresster im Vorfeld…. und alles wird schlimmer.

Durch dieses Verhalten habe ich immer mehr gelernt, das wohl ich falsch bin und mich ändern muss. Das es leichter ist, wenn ich nichts sage, sondern alles so versuche, wie es von mir erwartet wird. Es so nachmache, wie das “ die anderen“ auch machen. Ich habe mein Leben nach Ihnen ausgerichtet, geglaubt, das SIE alles richtig machen und ich mich nur anstelle. Das das doch jeder so können muss, dass es nicht sein kann und darf, das man mit so komischen Dingen Probleme hat. Ich bin wohl das Problem.

Ich muss das lernen, mich anpassen,- normal sein!!!

Nur wieviel Kraft mich dies über Jahre gekostet hat, wieviel Energie es mir raubte und wieviel Ängste dadurch entstanden sind, sieht keiner. Denn die muss ich ja auch verbergen. Wie oft sehe ich zwar nach außen „normal“ aus, aber innerlich bin ich am Ende. Komme nach Hause und falle nur noch ins Bett. Brauche das ganze Wochenende um mich zu erholen und wundere mich, wie die anderen dann noch in die Disco gehen oder Ausflüge schaffen. Glaube immer mehr, das ich falsch und schlecht bin, das ich endlich lernen muss, mich mehr anstrengen muss, das doch schaffen muss… . Erlebe ja, das ich nur gelobt werde, wenn ich “ normal“ bin.

So begebe ich mich immer mehr in einen Kreislauf, denn wenn ich es nicht zeige, welche Probleme ich habe, sondern alles versuche eben nicht aufzufallen, dann werde ich vielleicht dafür gelobt. Nur geht aber jetzt auch jeder wie selbstverständlich davon aus, das ich das genauso kann wie sie. Somit habe ich es erreicht, das sie mich als “ normal“ ansehen und freue mich darüber. Ich klopfe mir auf die Schulter, das ich es geschafft habe “ normal“ zu erscheinen. Nur erwarten alle von diesem Zeitpunkt an, das ich dies immer so kann, leider auch ich selber. Natürlich in allen Bereichen.

So wird es im Laufe der Zeit immer schwieriger, meine Grenze nicht ständig zu übersteigen. Selber mich und mein wohl im Blick zu behalten, ein gutes Selbstwertgefühl zu haben, zu wissen, dass ich anders bin und nein sagen muss…

Viele verlieren sich aber genau dabei, sind so über Jahre darauf fixiert, nicht aufzufallen, “ normal“ zu sein, alles zu können….. . Da wundert es nicht, wenn dann nach Jahren immer mehr Probleme auftreten. Entweder körperliche Beschwerden oder psychische, leider bei manchen auch beides. Das Immunsysteme hat über Jahre gelitten.

Damit geht man dann zum Arzt, der einem erzählen will, dass man zuviel Stress hat, aber auch er versteht und erkennt nicht die Zusammenhänge. Wenn ich unter Magen-Darm Problemen leide, dann helfen mir ja auf Dauer nicht nur Schmerztabletten. Sondern ich muss lernen, den Stressfaktor zu erkennen und zu vermeiden. Wenn ich aber im Leben dies genau anders versuche, kann das nicht besser werden. Wenn mir aber auch kein Arzt glaubt, das mich ein Großraumbüro sehr stresst oder plötzliche Veränderungen,…, wir auch selber von uns erwarten, das ich mich nicht so anstelle und das doch können muss….dann kann es leider nicht besser werden.

Die Alternative wäre, das ich als psychisch krank eingestuft werde, was so ja auch nicht stimmt, denn ich bin ein Autist, den vieles einfach stresst und anstrengt. Meine Probleme liegen nicht in erster Linie an einer schlimmen Kindheit oder falscher Erziehung, sondern an meinem Autismus und in der nicht Akzeptanz meiner Mitmenschen. Leider zählen dazu auch oft die eigenen Eltern, da auch sie falsches oder zuviel von mir erwarten.

Die Probleme sind auch dadurch noch größer, wenn man noch nicht diagnostiziert ist. Wenn niemand einem von Autismus erzählt, sondern nur davon redet, das man sich mal zusammenreißen soll…

Ich selber habe meine Diagnose erst im Zuge mit den Kindern bekommen, seitdem erlebe ich, wie ich mich verändere, weil ich mir nun eingestehe, das ich an manchen Punkten “ blind“ bin und es nie besser schaffen konnte. Ich höre immer mehr auf, mir selber Keulen auf den Kopf zu hauen und anderen Menschen zu glauben, die schlecht über mich reden.

So verändert sich nun immer mehr positiv in meinem Leben. Aber ich muss lernen meine Grenzen zu sagen und dazu zu stehen, auch wenn mich Leute auslachen. Dies fällt mir doch noch sehr schwer, aber es wird immer besser.

Mir ist es nun wichtig, dass möglichst viele erfahren, dass nicht sie schlecht, falsch oder dumm sind, sondern einfach nur BESONDERS.

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