Nun kommt das Schulamt noch dazu

Auf großes drängen vom Jugendamt mussten wir mit dem Schulamt Kontakt aufnehmen, da er das Ruhen der Schulpflicht benötigt. Erst hatte das Jugendamt davon garnichts gesagt, dass sie nur bezahlen können, wenn er durchs Schulamt von der Schulpflicht befreit ist. Aber dann musste es auf einmal sehr schnell gehen und wir bekamen große Anschuldigungen an den Kopf, warum wir uns solange geweigert hätten, das das Schulamt mit einbezogen wird… . Nun wurden wir dafür ja genötigt, Ihnen eine Vollmacht zu unterschreiben, die ihnen erlaubt, mit dem Schulamt direkt, ohne uns Kontakt aufzunehmen.

Genau dies haben wir aber nicht unterschrieben, was massiven Druck und Anschuldigungen, ihrerseits zur Folge hatte. Auf Anraten unseres Anwalts, haben wir dann selber, über die alte Regelschule – was unser gutes Recht ist- einen Antrag auf Eröffnung eines AOSF (Feststellung von Förderbedarf ) Verfahrens gestellt. Wieder einmal gingen 4 Monate ins Land, wo wir direkt nichts von der Schulbehörde gehört haben. Denn das Schulamt hat genau diese Zeit um sich melden zu müssen.

Zweimal haben die sich in der Zeit bei der alten Schule gemeldet und wollten noch ein paar fragen beantwortet haben. Fragen wie, -benötigen wir noch eine Untersuchung durch einen Arzt, geht Tom zur Zeit vielleicht doch zur Regelschule oder wird er anders beschult,… ?

Die Lehrer von seiner alten Schule haben beide Male mit uns die fragen besprochen und die Antworten dann so zur Schulbehörde weitergeleitet. Die Frau von der Schule, die zuständig ist für Integration, meinte nur, „es dürfte ja nicht mehr die Frage sein, ob Tom freigestellt wird, sondern nur noch, wann und was dafür noch gemacht werden muss“!

Dies war für uns sehr beruhigend, denn wir merkten ja, wie gut es uns allen tat, dass endlich Ruhe und Routine einkehrte. Endlich hatten wir wieder ein Kind, welches gesund, entspannt und fröhlich sein konnte. Was am Nachmittag und Abend noch Energie über hat und nicht platt in der Ecke liegt. Schön, dass er wieder Freude am spielen hat, in den Garten geht und sich nicht nur in seinem Zimmer verkriecht, auch wenn Besuch kommt.

Am meisten ist es uns aber wert, dass er ein glücklicher Junge ist, der sich selber und sein Leben liebt und der uns endlich wieder vertrauen kann. Wie gut tut es uns allen, dass wir gemeinsam lachen können, schöne Zeiten miteinander verbringen und danach immer noch gesund ist.

Ja, er ist und bleibt ein Aspi,- ich ja auch, aber ein glücklicher. Das ist der große Unterschied. Endlich darf er so leben, wie es zu ihm passt. Endlich ein Leben, wo er sich nicht den Normalos anpassen muss, sondern, wo er so sein darf mit all seinen Stärken und Schwächen, wie er ist. So kann er auch endlich wieder lernen, hat sogar Freude daran. Erkennt Zusammenhänge von vielen Themen, schaut gerne im Fernsehen Quizsendungen, da er nun viele Fragen richtig beantworten kann. Er bekommt Ideen für neue Interressensgebiete und probiert von sich aus einiges aus. Überrascht uns mit selbst gebackenem Kuchen oder macht lecker Eis….

Aber dann kam der Anruf vom Schulamt, “ wir möchten Sie gerne zu einem Gespräch einladen, dann können sie einmal ihre Sicht erzählen und wir schauen gemeinsam, ob es noch irgend eine Möglichkeit gibt, ihn in der Regelschule zu unterrichten…“!

Die Dame war so sehr nett, erzählte uns, das zu diesem Gespräch noch ihre Chefin da sein würde und jemand von einer Förderschule, die Autismusbeauftragte und die Rektorin seiner alten Regelschule eingeladen würden.

Die ersten zweit Tage, waren soweit noch ok, aber dann merkte wir alle, welchen großen Stress doch dies in der gesamten Familie wieder auslöste. Da waren viele Fragen, Unsicherheiten und Ängste, die hoch kamen. Vorallem wußten wir ja nicht, wie die so ausgerichtet sind.

Sind die froh, wenn sie es Abweisen können, da sie dann auch nichts zahlen müssen? Oder sitzt dort einer, der unbedingt will, dass der Junge lernt sich anzupassen und sich überwindet sich nochmal dem ganzen Stress zu widmen? Was wenn die uns zwingen, dass wir Tom in eine Schule mit anderen Schülern schicken müssen? Wenn sie nicht verstehen, was wir die letzten Jahre durchgemacht haben? Wenn sie auch so auf uns herum hacken, wie das Jugendamt?

Auf dem Papier sieht das ja schnell so aus, als wäre es nicht schlimm, aber hier in der Realität haben wir jahrelang gelitten, gekämpft, gehofft… . Haben ein zitterndes weinendes Kind in die Schule geschoben, weil man uns eingeredet hat, dass er nur so lernen kann, die Ängste zu überwinden. Haben es ertragen, dass er sehr oft aus der Schule kam und weinend ins Bett viel, weil alles zuviel war. Mussten mit ansehen, das er traurig, müde, hoffnungslos war, keine Freude empfinden konnte und lustlos durch das Leben sich quälte, bis sein Körper wieder am Ende war und er krank wurde.

Unser Hausarzt war damals entsetzt, als wir kamen und er Tom sah. Er war der erste, der die Lage richtig eingeschätzt hat und ihn sofort krank schrieb mit den Worten,-“ So darf Schulpflicht nicht sein, dass ein Kind so in die Schule gehen muss, kein Kind sollte so leiden, nur um in einem Schulgebäude lernen zu können. Das geht so nicht „!

Alle, die Tom näher kennenlernten, sahen dies so,- mit kleinen Ausnahmen von den Psychiatern, die keine Ahnung von Autismus hatten-, das Tom für den Moment nirgends hingezwungen werden dürfte, wo er solchem Stress ausgesetzt ist. Viele Stellungnahmen von allen belegen dies. Keiner war dagegen. Aber ob dies reicht, das Schulamt einfach so davon zu überzeugen. Was wenn auch Sie ähnlich drauf sind, wie das Jugendamt und meinen, das alle irgendwie oder irgendwo in einer Klasse sitzen müssen? Das wir schuld seien und ihn mal ordentlich erziehen müssten…

Nur gut, dass unser Anwalt uns sagte, wenn die sie zu etwas zwingen wollen, sagen Sie NEIN, bzw, „darüber müssen wir in Ruhe noch einmal nachdenken“,- und ihn dann anrufen.

Die können uns auch neue Auflagen machen. Diese können wir mit einer erneuten Stellungnahme durch unseren Psychiater versuchen zu wiederlegen. Wenn sie dann aber ein Gutachten von einer Uniklinik fordern, müssen Sie dieses zwar bezahlen, wir diesem Wunsch aber nachkommen. Davor haben wir keine große Angst, denn die werden das dann erleben, wie er reagiert. Wenn das Schulamt schlimmsten falls dagegen Klagen würde dass er doch in eine Schule muss, können wir ja vor Gericht ziehen. Das gleiche gilt, wenn das Gutachten aussagt, dass er doch gehen kann, dann Klagen wir dagegen. Da dies alles voraussichtlich 1 bis 1 1/2 Jahre dauert, bis ein Gerichtstermin stattfindet,- denn das haben wir mittlerweile gelernt, Behördenmühlen mahlen sehr langsam,- ist er vielleicht schon so mit seinem Realschulabschluss fertig. Dann haben wir dieses Thema wenigstens schonmal erledigt. Dies beruhigte uns dann wenigstens ein wenig.

Aber es ist ja nicht nur der Ausgang, der uns beunruhigt, sondern auch die viele Kraft und Energie, die dadurch wieder verbraucht wird, für etwas, das aus unserer Sicht nicht sein darf. Die viele Energie, die durch solche Auflagen, Druck und Anschuldigungen verbraucht werden, fehlt uns dann für schöne Dinge. Damit Tom sich immer mehr dem lernen und Menschen wieder öffnen kann, benötigt er Ruhe und Sicherheit. Wenn viel Stress gemacht wird, kann er sich nicht gut positiv weiterentwickeln.

So hofften wir, dass alles gut verläuft und wir uns mit Ihnen einigen können. Dies sollte aber noch ein langer steiniger Weg werden…

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