AOSF Gutachten, Sonderpädagogin zum wundern

Also, es musste ein AOSF Gutachten erstellt werden. Wie unser Anwalt uns geraten hat, sollten wir dies auch mit machen, damit dadurch der Förderbedarf festgestellt werden kann und wir dann damit das Ruhen der Schulpflicht beantragen können.

So hieß es noch einmal, zusammenreißen und lächeln…

Also telefonierten wir mit ihr und sprachen einen 1. Termin ab, es sollte 3-4 Termine geben. Auch Tom mussten wir davon berichten, denn er sollte ja getestet werden. Allein schon diese Ankündigung, dass jemand hier ins Haus kommt um ihn zu beobachten, die Frage, ob sie mal bei seinem Unterricht zusehen darf und die Ungewissheit, wie und was diese Frau von ihm alles will, lösten wieder Stress aus. Wir mussten ihm gut zureden, dass alles nur dazu dient, dass er endlich einen „Wisch“ bekommt, womit wir die Befreiung von der Schulpflicht beantragen können.

Nach den letzten 2 Jahren, naja eigentlich waren es ja schon fast 8 Jahre Kampf, erschien uns dies endlich wieder einmal als eine Möglichkeit, alles zu einem guten Ende zu bekommen. Wir haben immer um Verständnis gekämpft, den Leuten gesagt, dass er das nicht kann, versteht, ihn stresst…, aber kaum jemand nahm darauf Rücksicht oder glaubte uns. Eher hieß es, “ …das muss er aber in dem Alter endlich können…“!!!

Die Dame erschien uns recht nett und so einigten wir uns darauf, dass sie nachmittags vorbei kommt und wir schauen, ob Tom auch dabei sein möchte.

Schnell erzählte sie uns, dass sie sieht, wie schwer er es gehabt haben muss, dass die Lehrer in seiner alten Schule keine Ahnung haben, sich nicht weiterbilden wollen, ihm nicht geholfen haben… . Sie zeigte sehr viel Verständnis für unsere Situation und wollte uns helfen, dass wir nun ein gutes Gutachten bekommen.

Das unser Sohn nicht dabei war, war kein Problem, dann das nächste mal. Sie wirkte auf der einen Seite sehr kompetent, aber auf der anderen etwas chaotisch und frustriert, dass so viele nicht erkennen, wie sehr Autisten leiden und was sie nicht können… . Aber dabei machten wir uns keine Gedanken, dass genau dies noch ein Problem werden könnte.

Der nächste Termin, der dann mit Tom sein sollte, wurde ausgemacht. Wir einigten uns darauf, dass wir ersteinmal zusammen etwas spielen wollten, damit er sie langsam kennenlernen kann. Von da an, ging es ihm von Tag zu Tag schlechter. Der stresspegel stieg immer mehr an und er malte sich in Gedanken die wildesten Befürchtungen aus, was alles passieren könnte. Man merkte dies auch am Unterricht, er wurde wieder leichter krank, machte nur noch das nötigste, konnte sich nicht immer so gut konzentrieren, brauchte Unterstützung von mir, also saß ich wieder neben ihm.

Der Tag des Gesprächs kam und es ging ihm nicht gut. Da er wußte, er muss dabei sein, wurde es nicht besser. Auch nicht dadurch, das auch wir aufgeregt waren, weil es ja um viel ging. Für uns war es schwer, zu sehen, dass durch solch ein Gutachten wieder soviel Stress ausbricht. Das er leidet und sich dadurch quälen muss; nur weil andere meinen, dies sei hilfreich. So liesen wir es also gewähren und wanderten hindurch.

Sie erschien pünktlich, kam herein und ging direkt auf Tom zu, streckte ihm die Hand entgegen und redete auf ihn ein,… . “ was für ein schöner Tag heute, wie geht es dir denn, schön, dass wir uns endlich mal kennenlernen…“! Ich war etwas irritiert, denn damit hatten wir nicht gerechnet, dass sie ihn direkt so herausfordert. Wir hatten geglaubt, dass sie ersteinmal mit uns redet und ihm Zeit gibt, denn dies hatten wir so vereinbart. Er braucht etwas Zeit, damit er sie einschätzen kann und so auf sie zugehen kann. Aber nein, sie legte direkt los. Dies hätte uns noch stutziger machen müssen, als wir es eh schon waren. Konnten wir dieser Sonderpädagogin wirklich vertrauen?

Wir setzten uns an den Tisch um ein Kartenspiel miteinander zu spielen, damit Tom langsam warm mit ihr werden konnte. Im spielen fühlte er sich wohler, aber sie versuchte wieder die ganze Zeit mit ihm direkt Kontakt aufzunehmen, ihn herauszufordern, zum reden zu bringen, etwas über ihn zu erfahren… sie machte Druck, den er nicht mochte und ihn sehr stresste. So redete er zwar, aber nur das nötigste und unter höchster Anspannung. Es kam wie es kommen musste, sie verließ das Haus und er war platt. Auch den nächste Tag war kein Unterricht möglich. Dies war für uns ja nicht so schlimm, wir gaben ihm die Zeit sich zu erholen, denn gerade Stress in der Schule sollte es ja nicht geben, damit der Unterricht weiterhin immer besser und entspannter klappt.

In der nächsten Woche folgten noch 4 längere Fragebögen, die Tom ausfüllen sollte, damit sie noch deutlicher erkennen könnte, wo die Probleme liegen, bzw dokumentieren kann, dass er nicht in einer Regelschule im Moment unterrichtet werden kann. Auch dies strengste ihn sehr an, da die Fragen ja sehr sich um Schule treten und dies ja sein Trauma ist. Auch hier wieder 2 Tage Erholung nötig.

So erholte er sich wieder und konnte dann normal Unterricht weiter machen. Bis wir ihm sagen mussten, dass er morgen zum Gesundheitsamt soll um einen Hör- und Sehtest zu machen. Wieder was unerwartetes, neues. Dies war der Moment, wo er innerlich wieder in die alte Angst zurück viel. Dieses Gefühl von ausgeliefert sein, funktionieren müssen, weiter in die Schule müssen, auch wenn man krank ist… . Die letzten Wochen mussten wir ihm immer wieder von Terminen erzählen, von Veränderungen, er musste Fragen beantworten über Schule, sein Rhythmus wurde gestört, jemand durchbrach sein “ Ford Knox“, er kam sich so ungeschützt und ausgeliefert vor… . Seine ganze Sicherheit, die sich in den letzten Monaten aufgebaut hatte, brach in sich zusammen. So folgten Tage der großen Unsicherheit, Angst und Sorge. Wir mussten ihn aufbauen, ihm sagen, dass alles wieder gut wird. Ihm Mut machen, ihn aber auch lassen, ihm die Zeit geben, die er brauchte um sich zu erholen. So brauchte er ein paar Tage und dann kam er von sich aus wieder zurück um mit uns Zeit zu verbringen.

So waren wir voller Hoffnung, weil auch die Pädagogin immer nur betont hatte, dass das Gutachten so sein wird, wie wir das ja auch sehen. Die Lage beruhigte sich hier wieder und der 3. Termin kam,- leider nicht ganz so wie erwartet.

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