Energiehaushalt

Nachdem das AOSF gestartet wurde, mussten wir leider wieder einmal erkennen, das der Energiehaushalt schnell ins Wanken geraten kann.

Jeder hat eine bestimmte Anzahl von ,- na sagen wir einmal – Bälle – Energie zur Verfügung. Die einen haben jeden Tag mehr die anderen weniger zur Verfügung. Aber vor allem verbrauchen die meisten Asperger ganz anders ihre Energiebälle.

Da die meisten nicht intuitiv auf Gegebenheiten reagieren können,- also jede Veränderung, alles neue, jedes gesagte muss durchdacht, überlegt, verarbeitet….werden und dies verbraucht – Bälle, einige, viele „Bälle“.

Vielen fehlen Filter, die ohne bewußt darüber nachzudenken es unmöglich machen, entscheiden zu können, ob etwas wichtig ist oder eben nicht. Alles strömt immer auf sie ein, so muss auch ständig bewußt entschieden werden, “ das Geräusch ist vom Lehrer, der eine DVD startet, die ich gleich mir ansehen soll“! Oder eben, “ das Geräusch ist nur von meinem Klassenkameraden, der meint, er müsste jetzt mal ein Bonbon auspacken“!

So werden viele ständig von vielem abgelenkt, müssen darüber nachdenken, bewußt entscheiden, ob es wichtig ist oder nicht… dies verbraucht viele „Bälle“!

Bälle werden aber auch verbraucht um etwas Neues erlernen zu können oder wenn etwas unvorhergesehenes passiert,- jemand verletzt sich oder man hat früher Schulschluss, es fängt plötzlich an zu regnen oder ein Klassenkamerad nimmt mir mein Radiergummi weg… Man kann auch etwas geschenkt bekommen womit man nicht gerechnet hat oder…., alles verbraucht “ Bälle“! Einfach viel mehr Bälle, als bei NTlern, die es eher so beiläufig wegstecken, kaum bemerken oder mit,- „super, schulfrei“! es schon wieder vergessen haben.

Aber wir verbrauchen auch oft schon Bälle wenn wir Termine vor uns haben, die wir nicht einschätzen können, auf die wir uns nicht vorbereiten können, wo wir nicht wissen, was uns erwartet…

Das können Einladungen zu einer Feier sein oder halt ein Gespräch zu einem AOSF verfahren. Dies verbraucht dann schon Tage vorher soviel Bälle, dass kaum noch welche für die Freizeit oder die Schule über bleiben. Leider haben wir dies die Tage vor dem 1 und 2 Gespräch so bei Tom erlebt. Jeden Tag, von der Mitteilung, dass jemand zu uns kommt, ging es mit seinem Wohlbefinden Berg ab. Bis er krank im Bett lag und wir mitansehen mussten, dass er so mit der, auf den ersten Blick, doch sehr netten Frau, die das Gutachten erstellen sollte, reden musste. Wir konnten es nicht gut ertragen ihm nicht wirklich helfen zu können, ihn nicht beruhigen zu können oder dafür zu sorgen, dass er dieses Gespräch nicht führen muss. Wir waren mal wieder dem allen ausgeliefert.

Das bricht einem das Herz. Was wir machen konnten, -weniger Schule, mit ihm reden, ihm sagen, dass er nur anwesend sein muss, aber nicht reden muss, ihm versichern, dass wir sehen, was es für ihn bedeutet, diesen Termin machen zu müssen und das es uns leid tut, ihm essen besorgen, dass er mag, ihn Fernsehgucken lassen, wenn er will den ganzen Tag…., Hauptsache die Tage gehen vorüber und er leidet nicht zuviel.

Deshalb ist es uns sehr wichtig, dass jeder versteht, warum so viele Asperger „so komisch“ reagieren. Nein, sie sind nicht faul, wenig belastbar oder stellen sich gar an. Ich denke den meisten Menschen ist nicht bewußt, wieviel mehr Asperger jeden Tag „Leisten“ um durch den Tag zu kommen.

Wir brauchen doch nur daran denken, wie wir uns fühlen, wenn wir eine Erkältung oder Kopfweh haben, aber trotzdem das gleiche schaffen sollen, wie sonst. Irgendwann geht dies dann nicht mehr und man liegt völlig erschöpft im Bett. So fühlen sich viele Asperger jeden Tag, nur mit dem Unterschied, dass die Leute um sie herum kein Verständnis für sie aufbringen, sondern leider noch sagen -“ los, mach mal ein bisschen mehr, das kann doch jeder“!

Kinder die Aggressiv oder Depressiv werden, brauchen mehr Hilfe, Verständnis und Erholung. Wir müssen herausfinden, was sie alles soviel Energie kostet, was wir Ihnen davon abnehmen können oder weglassen…. . Genau dies haben wir die letzten Monate erlebt, dass Tom sehr aufgeblüht ist, sich Wohl, Sicher fühlte und wieder mehr unternommen hat. Alles positiv in unseren Augen. Wir waren so glücklich, dass wir endlich ein glückliches, entspanntes Kind erlebten, dass auch noch viel und gut lernen konnte. Seit er aber wieder ein Gutachten über sich ergehen lassen muss, leider wieder unsicher ist, ob er an der Webschule bleiben darf oder ob er es ausprobieren MUSS mit einem Hauslehrer zu lernen, dies verbrauchte täglich soviel Bälle, das zu wenig übrig blieben und er nach längerem wieder krank wurde.

Warum das alles?

Also noch einmal kurz, Dinge die Asperger viele „Bälle“ verbrauchen lassen.

Nicht jeder reagiert auf alles gleich intensiv, jeder ist anders, dies gilt es heraus zu finden. Mir ist es aber wichtig, dass sich jeder bewußt macht, dass Asperger sich oft mehr anstrengen müssen um „normal“ zu wirken und sich nicht anstellen!

Das sie viele Filter nicht haben, die ihnen helfen, unwichtiges bei Seite zu schieben.

Das sie auf vieles extrem reagieren und dabei viele „Bälle“ verbrauchen um dies zu kompensieren oder zu verarbeiten. Wie zb.

– Geräusche

– Licht

– Essen

– Kleidung oder Berührung auf der Haut

– Veränderungen, Neues

– Sprache, verstehen alles wörtlich, keine Witze oder Ironie

– Mimik, nonverbale Sprache erkennen

– Unordnung, unvorhergesehenes so das ihre Ordnung durcheinander gekommen ist

– Menschen, die sie nicht einschätzen können, was diese von ihnen wollen

– …..

Bitte lernt die Welt aus Sicht des Aspergern zu sehen und dann zu versuchen, sein Leben so „einzurichten“ das es ihm gut geht, er entspannt bleiben kann und fröhlich.

Wir haben die Erfahrung gemacht, dass es möglich ist,- wenn man sich nach dem Aspi richtet und nicht mehr versucht ihn in eine Form zu pressen, die nicht möglich ist, ohne das zu viele Bälle jeden Tag verbraucht werden. Denn dann werden viele krank, depressiv, aggressiv oder…

Aber wenn Autisten meist entspannt sind und somit ihr „Bällehaushalt“ ausgeglichen ist, können sie auch manchmal neues, aufregendes machen oder mit vielen Menschen Dinge erleben. Dies sollte doch stets unser Ziel sein, glückliche, entspannte Kinder.

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