Endlich einen guten Psychiater gefunden

Nach den schlimmen Erfahrungen bei den letzten Psychiatern hatten wir ja noch einen Termin in kürze. Aber bis dahin mussten wir noch etwas warten.

In der Zwischenzeit stand aber die Entscheidung an, ob wir unseren Sohn an der Webschule anmelden wollen oder noch nicht, denn dort war gerade ein Platz für in 3 Monaten frei geworden. So fragten wir noch einmal beim Jugendamt an, ob sie dies genehmigen würden. Mündlich sagte man uns, das sie dazu noch wenigstens das Gutachten eines Psychiaters brauchen, sie aber so nicht dafür seien, das er nicht an einer Regelschule integriert wird. Dies wäre ja das oberste Ziel.

Da wir uns aber nun entscheiden mussten und auch zur Not bereit waren die Kosten selber für die Schule zu tragen, beantragten wir die übernehmen der Kosten beim Jugendamt und meldeten ihn dann bei der Schule an. Ersteinmal tat sich nichts…., auf nachfragen kam,- “ ja das kann ich nicht entscheiden, das muss der Chef machen und der ist für 4 Wochen im Urlaub“! Ach so, der geht in Urlaub und für 4 Wochen darf keiner etwas entscheiden…! 4 Wochen später, wieder ein Anruf, diesmal beim Chef – „Wie sieht es aus? Können Sie dies nun genehmigen“? Der meinte dann,“ das muss doch ihre zuständige Sachbearbeiterin entscheiden,- die ist aber jetzt im Urlaub“! Das ist doch nicht denen ihr ernst. Wir entschieden uns dann nochmal einen schriftlichen Antrag auf Gewährung zu stellen und erwähnten darin auch, das wir uns ansonsten an den Landrat wenden würden. Oh, dies war wohl ein Zauberwort, denn da kam Bewegung ins Spiel. Wir wurden zu dem Amtsleiter ins Kreishaus gebeten, der uns erklärte, das sie die Schule ausnahmsweise jetzt einmal für 3 Monate bezahlen würden und sie doch sehr daran interessiert wären, das es dem Jungen gut geht und die beste Möglichkeit für ihn gefunden werden soll…..Blabla….

Die waren dort so freundlich, sagten uns alles zu, schickten uns auch die genehmigte Übernahme der Kosten schriftlich, so das wir glaubten, nun sei alles in trockenen Tüchern. Hauptsache, wir gehen nicht zum Landrat. Wir glaubten, das sie Tom ja nicht nur für 3 Monate die Schule bezahlen können und dann erwarten, das er dort wieder aufhört. Denn er braucht bestimmt mindestens so lange, bis er sich dort an alles gewöhnt hat und Routine einkehrt. Die Ruhe währte aber nur 1 Woche…

In der Zwischenzeit, war dann auch der nächste Termin bei dem Psychiater. Dieser hatte im Vorfeld darum gebeten, das wir ihm alle Unterlagen zuschicken und auch einen Lebenslauf unseres Sohnes. Den hatten wir ja noch. Ich schrieb dazu noch die Erlebnisse des letzten Jahren und schickten ihm diese eine Woche vorm Termin. Wir waren sehr überrascht, das er sich die Zeit genommen hatte, alles anzusehen. Er wußte ziemlich gut Bescheid und lobte uns, das wir uns so für ihn einsetzen. Er kannte auch die Webschule und hatte schon bei ein paar Kindern erlebt, das sie gut für Asperger geeignet ist. So versicherte er uns, das er uns gerne unterstützen möchte und diesen Weg für den richtig hält. Unser Sohn könnte erst wieder in eine Regelschule zurück, wenn er gelernt hat besser den Stress zu verarbeiten. Ob und wann dies möglich sei, würde die Therapie im Autismuszentrum zeigen.

So bekamen wir eine Krankschreibung und ein paar Tage später die gewünschte Stellungnahme fürs Jugendamt. Wir waren glücklich, denn nun hatten wir alles, was wir brauchten, damit das Jugendamt die Kosten für den Platzt an der Webschule übernimmt…

Leider zu früh gefreut, denn es kam wieder anders…..

Auflagen vom Jugendamt

Also gut, wir wurden gezwungen eine neue Stellungnahme von einem Psychiater zu bekommen, der bestätigt, das Tom immoment nur an der Webschule beschult werden kann. Aber wo auch drin stehen soll, das er dort beschult werden kann, also das er dazu in der Lage ist. Weil das JA behauptete, das wenn er nicht schulfähig sei, er dann auch nicht Onlineschulfähig sei. Wenn er die Webschule machen könnte, könnte er ja auch in die Regelschule zurück. Ah, sie haben nichts verstanden.

Nach den Erfahrungen die wir selber gemacht haben und gelesen, ist dies nicht so einfach einen Psychiater zu finden, der uns schnell einen Termin gibt, sich mit Aspergern gut auskennt und dann auch noch die Onlineschule befürwortet.

Damit wir nicht wieder soviel Zeit verlieren mit einen Termin machen, dort hingehen und erleben, das dies nicht passt um dann den nächsten Termin zu machen…setzten wir einen Brief auf. In dem erklärten wir kurz unseren Werdegang, bzw den von unserem Sohn, mit der Bitte, das sie sich bei uns melden, wenn Sie uns auf diesem Weg unterstützen wollen.

20 Briefe wurden von uns abgeschickt im Umkreis von 100km. 5 sagten in den ersten 3 Tagen ab, da sie sich nicht mit Aspergern gut genug auskannten oder keine freien Zeiten hatten. Bei 2 Psychiatern vereinbarten wir in 4 Monaten einen Termin, ob der dann noch zustande kommt…?

4 meldeten sich und wollten uns helfen und wir vereinbarten in den nächsten 3-6 Wochen Termine.

Bei dem ersten Herrn mit dem wir telefoniert hatten im Vorfeld, kamen wir ins Behandlungszimmer und da meinte er direkt, “ Ich glaube ich kann Ihnen nicht helfen. Meine Frau arbeitet beim JA und ich bin dadurch befangen….“!!!! Ach, das fällt dem jetzt ein, wo wir hier sind?? Na toll. Dann meinte er noch, “ Sie werden aber wohl eh keinen finden, der sie bei der Webschule unterstützt, denn der Mainstream ist jetzt nun einmal, das alle integriert werden sollen“!! Soso!!!

Auf die Frage, wie er sich das denn dann so vorstellt, wie das klappen kann, viel auch ihm nichts ein. Na das war ja schonmal ein voller Erfolg…

Zwei Wochen später, der nächste Termin in einer Praxis, die 100 km weit weg war und für die wir früh mit Tom aufgestanden sind, damit wir pünktlich dort erscheinen konnten. Der Psychiater war von sich sehr eingenommen, ohne viel zu fragen fing er direkt an zu behaupten, das der Junge einfach mal über 2 Jahre bei ihm 3x die Woche eine Tiefenpsychologische Therapie machen müsste und dann wäre er wieder normal!!

So könnte das immoment mit der Schule ja nicht gut klappen, aber dann solle er mal die zwei Jahre aussetzen und danach wieder normal gehen…..Onlineschule sei ja das letzte, die Kinder müssten nicht verhätschelt werden, sondern endlich lernen, wie das Leben wirklich so ist…

Uns standen die Haare zu Berge und eigentlich wollten wir nur schnell weg dort. Als er dann auch noch anfing auf Tom rumzuhacken, er solle mal mehr reden, er müsste jetzt mal erst zurück in die Schule, das sei doch nicht so schlimm…. . War es ganz vorbei und wir waren bemüht dieses Gespräch zu beenden. Unser Sohn war nach diesem Gespräch so verunsichert, wir brauchten Tage um ihn wieder zu beruhigen. Wir versichertem ihm, dass er jetzt nicht wieder zurück in seine alte Schule muss, das der Psychiater nicht recht hat und nicht bestimmen darf, was er machen soll. Dies tat ihm gut. Aber nicht so, das er beim nächsten Psychiater fit genug war um dorthin mitzukommen. In der Nacht vor dem Termin, wachte er mit Fieber und Bauchweh auf, so das mein Mann dort alleine hinfuhr. Wenigstens war diese Psychiaterin etwas verständnisvoller. Dort stellte sich nur heraus, das sie keine Erfahrungen mit der Webschule hat und sich ersteinmal etwas schlau machen wollte. Auch müsste ja der Junge dann mal persönlich noch vorbei kommen. Also einen Termin nochmal für später vereinbart.

Wir bekamen es etwas mit der Angst zu tun, dass wir so schnell niemanden finden, der uns wirklich unterstützt. Das JA saß uns ja im Nacken und wir mussten jemanden finden, da wir damals noch glaubten, dass dies dann alle Probleme löst.

Sehen wir das doch falsch? Warum erwarten alle, dass sich die Kinder irgendwie einer Regelschule anpassen müssen? Warum hört uns noch nicht einmal jemand genau zu, wo Toms Probleme liegen?Alle Psychiater haben uns ein Stück verstanden, aber keiner hatte eine Lösung, außer, “ der Junge muss lernen sich anzupassen“!!! Das kann doch nicht denen ihr ernst sein. Niemand kommt auf die Idee einem blinden zu sagen,“ sie müssen halt lernen die Farben zu erkennen“! Aber Asperger, die so viele Reize nicht verarbeiten können, die vieles einfach nicht intuitiv erkennen, nicht verstehen, warum jemand weint, wo der Zusammenhang ist von den Tränen und dem schimpfen von eben, die völlig aus der Ruhe geraten, wenn ein Auto hupt oder jemand hinfällt, Ihnen etwas wegnimmt oder…..die sollen das mal eben lernen oder so können, sich ein bisschen zusammen reisen und es einfach machen????

Keiner sagte uns, wie dies funktionieren soll. Wenn ihm niemand die Welt erklärt und geduldig wartet, bis er es verstanden hat. Wenn man nicht akzeptiert, das er in manchen Dingen einfach „blind“ ist und sich dort die Welt ihm anpassen muss und nicht er sich ihr. Wenn die Schule sich eben nicht so verändern lässt, das die Kinder dort entspannt lernen können, ist es wohl besser, wenn sie dort lernen, wo dies machbar ist. Natürlich ist dies für jedes Kind anders. Dem einen reicht es, wenn er einen Schulbegleiter zur Seite bekommt, der nächste braucht vielleicht nur einige Nachteilsausgleiche damit es klappt. Aber es gibt auch Kinder wie Tom, die durch äußere Reize, Veränderungen, die Lautstärke, unvorhersehbare Dinge…so überfordert werden, das sie es nicht schaffen auf Dauer dort gesund zu bleiben. Manche Kinder werden dadurch krank, andere aggressiv. Beides nicht gut.

Wir haben immer gesagt, das er gerne wieder gehen soll, wenn er gelernt hat, mit dem Schulalltag gut klarzukommen. Immoment ist dies aber noch nicht der Fall. Durch Tiefenpsychologische Therapie, wo es darum geht, das er sein Leben aufarbeitet und entdeckt, was alles falsch gelaufen ist, was wir Eltern falsch gemacht haben und wo man ihm beibringt, wie man „Farben trotz Blindheit“ erkennen kann. …Ach das geht garnicht, mmmmmm🤔.

Auf was wollen die den dort konditionieren? Funktioniere besser? Das ist doch jetzt genau das, was wir versuchen wieder abzubauen. Er soll endlich nicht mehr funktionieren, sondern so sein wie er ist. Sein Potenzial ausschöpfen und seine Stärken ausleben. Dazu muss er aber nicht mit 30 Kindern in einer Klasse sitzen, die er nicht mag, die ihn verunsichern und stressen.

Wenn wir wollen, das er sich zu einem glücklichen Mensch entwickelt der seine Stärken kennt und diese dann in einem Beruf auslebt, dann sollten wir genau dies jetzt fördern. Warum ihn also zu Dingen zwingen, die Ihn stressen und daran hindern, sein Potenzial ganz zu erkennen? Warum ihn so verbiegen? Nur weil irgendwer immoment auf dem Trip ist, das alle gleich sind und es deshalb auch für alle besser ist, wenn sie integriert in einer Gruppe sind?

Warum glaubt niemand den Eltern, wenigstens denen, die sich sehr damit beschäftigen, die ihr Kind genau beobachten und ihm schon sehr geholfen haben. Warum glaubt man Ihnen nicht, dass sie am besten wissen, was für ihr Kind gut ist, was er kann oder eben nicht? Warum?

Warum hört man nicht auf die Kinder, wenn sie sagen, was sie möchten, was zuviel ist…? Warum?

Nein, die studierten, die am Schreibtisch Bücher auswendig gelernt haben, die haben die große Ahnung. Die müssen ja auch nicht ein zitterndes, weinendes Kind, das sich quält, weil es glaubt, es müsste in die Schule gehen,- was ja eine Regel ist – es aber nicht kann, weil es so überfordert ist, zur Schule schicken.

Keiner von diesen Gelehrten hatte eine wirkliche Lösung, wie das klappen kann,- außer, er muss sich halt anpassen. Aber genau dies hat er doch 8 Jahre gemacht. Nun ist er aber mit seiner Kraft am Ende und sein Körper legt ihn einfach Lahm. Sein Kopf brüllt, du musst doch da hin, sein Körper schreit, nein es geht nicht mehr.

Wer von den Psychiatern will den dann morgens hier sein um ihn zu ermuntern oder zu zwingen, das er die ganze Woche Schule mitmacht? Wie schaffen die es, das er dann auch noch den Stoff behält und gute Noten schreibt, Freundschaften schließt und gut gelaunt nach Hause kommt um hier dann sich fertig für die Vereine zu machen… . Theoretisch reden,-„Der müsste aber doch“!!! Kann man mal schnell. Aber genau das macht es ja aus, das der Psychiater erkennt, das es hier nicht der richtige Weg ist, das Kind zum gehen zu zwingen, damit es lernt, ach ist doch garnicht so schlimm!!!

Dies funktioniert bei NTs vielleicht. Man übt immer wieder sich einer “ Spinne“ zu nähern, um zu entdecken, das diese doch nicht schlimm ist, bis man es kann. Bei Aspis ist dies anders. Sie sind auch noch nach Wochen gestresst in einer Klasse zu sitzen, wo sich immer etwas verändert…. . Ein Blinder ist ja auch nicht bald wieder sehend, nur weil er oft genug in ein Buch schaut.

Dem Autisten machst du eher immer noch mehr Angst, weil er dann auch noch Angst vor dem nächsten Schrecken entwickelt. So verschlimmert sich alles und wird nicht besser. Der Inne Stress wächst ständig, weil er Angst hat, das gleich wieder was passiert, er etwas nicht versteht, es aber machen muss, er dafür angemeckert wird….

Warum soll dies gut und langfristig gesund sein? Wie kann man dies Menschen nur antun?

Nein, das wird nicht geschehen, das lassen wir nicht zu. Wir werden suchen, bis wir jemanden finden, der das genauso sieht. In 3 Wochen ist ja der nächste Termin, vielleicht klappt es da ja. Dort stand ja wenigstens auf der Internetseite, das er mit Autisten arbeitet.

Wir werden es nicht zulassen, das der Junge depressiv, körperlich krank, traurig, mutlos … wird, nur weil Menschen sich nicht auskennen und /oder sich die Mühe machen uns zu wenigstens mal genau zuzuhören. Dann suchen wir eben weiter.

Bloß die Hoffnung nicht aufgeben….

Viele Gratwanderungen

Immer wieder fällt es uns auf, das wir eine Gratwanderung machen. Dies ist für uns nicht gut und für den Jungen auch nicht. Aber warum ist dies so?

Weil wir einfach anders sind und an vielen Punkten die Welt anders wahrnehmen, Momente verarbeiten oder sie nicht verstehen…, aber die Gesellschaft uns dazu bringen möchte, dass wir genauso funktionieren, wie alle. Dabei gibt es noch den Unterschied, ob sie dies wollen, weil es für sie heißt, das sie es einfacher haben oder weil sie einfach glauben, das jeder … können muss. Dieser glaube, das wir alle gleich sind und auch gleich leben müssen, macht es sehr schwer. Wenn viele Menschen nicht sehen wollen, dass manche mit einer Sache wirkliche Probleme haben, verletzen Sie diese.

Beispiel, wenn im Kindergarten eine Feier Anstand, bedeutete dies für ihn so schon immer viel Stress. Das viele unbekannte, viele Menschen, alle reden durcheinander… . Wir wußten dies auch ohne Diagnose schon und haben es einfach so akzeptiert. Wir wollten unser Kind so gut es geht beschützen, dass er sich sicher fühlen kann. Dafür haben wir uns oft genug mit den Erziehern oder anderen Eltern angelegt. Es wurde erwartet, das alle Kinder sich Karneval verkleiden, bei einem Krippenspiel mitspielen oder im Chor mitsingen…. .

Warum glaubt man ihm oder auch uns nicht, das dies zu viel ist? Warum muss man uns belehren, dass dies doch jedes Kind kann, er sich mal nicht so anstellen soll, sich zusammenreißen…. .

Leider wurden wir auch selber dadurch immer wieder unsicher, haben doch versucht uns anzupassen, ihn zu motivieren, das er es mitmacht…. . Wie oft standen wir wie auf einem Grat, hatten Angst entweder rechts runter zu fallen, weil dem kleinen alles zu viel ist und er wieder krank wird oder das wir links runter fallen, weil es mit den Erziehern Diskussionen gab, wir uns schlecht und mies fühlten, weil er es nicht kann…

Das darf doch nicht so sein, nur weil viele nicht verstehen (wollen) das es für ihn wirklich nicht möglich ist. Dadurch, das wir selber nicht wußten, warum wir so oft überfordert sind und anders reagieren…, glaubten wir leider, dass wir falsch, schlecht oder doof sind. Also immer wieder, zusammenreißen und es versuchen. Nur, was dies langfristig für viele bewirkt, da denkt keiner drüber nach.

Das unser Selbstwertgefühl dadurch bescheiden ist, das wir schnell glauben, dass wir das doch können müssen, das uns immer wieder andere sagen dürfen, wie es für uns richtig ist, was wir können müssen, was wir mögen, brauchen…. ist schlimm. So stehen wir immer wieder oben auf dem Grat und sehen nur die zwei Möglichkeiten. Falle ich links oder rechts runter, also, höre ich auf die Erzieher und mute mir zuviel zu, bin morgen wieder krank oder höre ich auf mich, mache kein Krippenspiel mit, aber bekomme Ärger von Erziehern, anderen Eltern oder Kindern. Dann ist dies vielleicht auch zuviel und ich werde ,- richtig krank.

Wenn man solche Momente aber nun immer häufiger erlebt, ständig korrigiert wird, überall gesagt bekommt, das man doch … können, machen , tun soll…, dann wächst immer mehr der Stress in einem und der Kreislauf beginnt immer schlimmer zu werden. Man fühlt sich ausgeliefert, muss funktionieren, glaubt, man sei falsch,… strengt sich an, will es so machen wie “ die anderen“, ist aber ständig in der Angst, das wieder etwas kommt, was einen aus der Ruhe bringt oder das es Ärger gibt, weil Menschen immer mehr von einem erwarten. So kommt zu der Überforderung auch noch ständige Angst dazu, das gleich was schlimmes passiert.

So werden Leute depressiv, leiden an Ermüdung, bekommen immer mehr körperliche Krankheiten, ziehen sich zurück, verweigern immer mehr den Umgang mit Menschen…., dabei könnte es so einfach sein.

Wir lieben sie so, wie sie sind. Lernen Ihnen, das sie richtig fühlen und ermuntern sie ehrlich zu sagen, wenn es genug ist oder eine Grenze überschritten wurde. Wir zeigen Ihnen, das wir Ihnen glauben und es respektieren, dass sie manches nicht so gut können. Zeigen Ihnen aber auch, das sie dafür andere Dinge sehr gut beherrschen.

Wir lernen endlich, das sich nicht jeder der Gesellschaft anpassen muss, sondern das es gut ist, das jeder anders ist.

Es ist ein Umdenken, das ich auch noch mehr lernen muss, denn immer noch ertappe ich mich dabei, dass ich versuche unseren jungen zu überreden, doch mitzumachen und dabei in Kauf nehme, das er leidet. Aber an vielen Punkten passen wir uns nicht mehr an, stoßen dadurch aber sehr massiv auf Widerstand. Leider auch bei Menschen, die eigentlich genau dafür da sind, dass uns geholfen wird. Jugendamt, Psychiater, Lehrer, sind nicht alle hilfreich, sondern glauben durch Druck und zwingen, würden Sie es schaffen, dass die Kinder sich anpassen. Ihre Beweggründe sind dabei nicht immer nachvollziehbar.

Das Jugendamt hat hauptsächlich im Blick, dass sie wenig bezahlen müssen. Also ist es das einfachste, wenn die Kinder so in eine Regelschule gehen.

Viele Psychiater haben im Studium entweder gar nichts oder nur am Rande etwas von Autismus gehört, nehmen dies so hin, das es Autisten gibt, glauben aber, sie könnten das heilen / behandeln, wie sie dies auch bei anderen Kindern machen. Nur klappt das nicht. Leider glauben immer noch viele, dass das Wichtigste sei, dass alle in die Gesellschaft integriert werden. Als wäre dies die Messlatte, die anzeigt, ob es jemandem gut geht.

Manche Lehrer glauben, sie kennen alle Sorte von Kindern und sie haben noch jedem beigebracht, das er lernt, frei redet oder schön schreibt… . Andere sind selber überfordert und wollen einfach ihre Ruhe, die bekommen sie am besten, wenn alle “ normal“ im Unterricht mitmachen.

Eltern neigen sehr dazu ihre Kinder zu allem zu zwingen, sie sind der Chef und die Kinder müssen sich dem fügen. Entweder, „weil man das so macht“ oder, weil sie ihre Ruhe wollen. Anderen Eltern zu sagen, was sie falsch machen und das sie das besser können, gehört auch dazu.

Wie aber endlich vom Grat runter kommen? Wie sich an so mancher Stelle nicht mehr anpassen oder rechtfertigen müssen?

Gerade in unserer Lage, wo er noch schulpflichtig ist, macht es sehr schwer. Dabei vergessen so manche Stellen, das nicht nur wir die Pflicht haben unsere Kinder in eine Schule zu schicken, sondern, dass auch der Staat die Pflicht hat dafür zu sorgen, das die Kinder stressfrei und gesund lernen können. Es ist halt nicht nur eine Schulpflicht, die in einem Regelschulklassenraum stattfinden muss, sondern doch eher eine Lernpflicht, die so sein sollte, das der Stoff verstanden wird, es dem Kind dabei aber gut geht.

Wann schaffen wir alle es, jeden so anzunehmen, wie er ist? Jedem zu glauben, wenn er ehrlich sagt, das ist zu viel? Ihn zu ermuntern, so zu sein, wie er ist, aber trotzdem ihn zu herauszufordern, in seiner Geschwindigkeit neues zu wagen? Dies kann man aber doch auf Dauer nur, wenn man sich sicher sein kann, das man selber nein sagen darf, wenn es genug ist.

Wann darf endlich wieder jeder „anders“ sein?

Schule nicht mehr möglich

Die Lage in der Schule hatte sich so zugespitzt, das er mehr Erholungszeit zuhause brauchte, als es in die Schule zu schaffen. Mit seinem Verstand wußte und wollte er in die Schule gehen, aber sein Körper machte nicht mehr mit. Er lag morgens weinend, zitternd und hyperventilierend in seinem Bett und wußte nicht, wie er es schaffen sollte. So konnten wir es nicht mehr zulassen ihn weiterhin dort hin zu schicken. Es musste eine andere Lösung her.

Schulpflicht hin oder her, diese heißt ja nicht nur die Pflicht, das er zur Schule gehen muss, sondern auch, das er stressfrei lernen darf. Wenn dies nicht in einer Regelschule möglich ist, sollte ihm doch etwas anderes ermöglicht werden.

Wir dachten, das alle Beteiligten großes Interesse daran haben, dass er lernen kann und es ihm gut geht. Leider wurden wir eines anderen belehrt.

Unser Hausarzt sah dies genauso wie wir und schrieb Tom erst einmal für 3 Wochen krank. In der ersten Woche konnte er sich endlich wieder etwas erholen, in der zweiten etwas mehr, aber dann kippte die Stimmung, weil die Angst wuchs, das er doch wieder danach gehen muss.

Wir besuchten wieder unseren Arzt, der meinte, “ So sollten sie den armen Jungen nicht mehr in eine Schule schicken, lassen sie ihn zuhause, bis er sich ganz erholt hat, vielleicht muss er ersteinmal noch lernen, wie er besser mit dem Stress umgehen kann“!

Endlich mal jemand, der uns ermuntert, ihn nicht mehr in eine Schule zurückzuschicken. Interessanter weiße, war dies für das Jugendamt auch kein Problem. Die meinten auch zu uns das es doch tatsächlich das beste sei, wenn er sich mal richtig erholt. Glaubten aber auch, das er bald von selber wieder den Wunsch äußert, gehen zu dürfen… Nur das geschah nicht, bis heute.

In der Zwischenzeit hatte er auch im Autismuszentrum eine Therapie angefangen. Einmal pro Woche konnte er nun für 1 Stunde dort hin. Alle hatten die Hoffnung, das er dort lernt, wieder in die Schule zurückzufinden. Aber was lernen die dort?

Unser Anliegen war von Anfang an ein anderes, als das vom Jugendamt, nur war uns dies nicht klar. In unserem Fokus stand immer, ihm soll es gut gehen und dann kann er einen guten Schulabschluss machen. Nicht, er soll sich anstrengen, das das in der Schule klappt und dann schauen wir mal, wie wir helfen können.

Wir machten uns auf die Suche nach guter Hilfe. Was gab es da alles, was war möglich…? Als erstes fand ich die Möglichkeit eines Schulbegleiters und versuchte mir vorzustellen, ob dies für ihn Erleichterung bringen könnte. Was würde durch solch eine Hilfe für ihn einfacher? Was würde bleiben? Wir fragten beim Jugendamt danach und bekamen schnell die Antwort, “ Nein in dem Alter machen wir das nicht mehr, wenn er daran noch nicht gewöhnt ist“!

Ok, dann brauchen wir darüber nicht mehr nachdenken. Konnte mir das eh nicht gut vorstellen, das der wirklich etwas bringt. Vorallem nicht, da die Pausen das größte Problem sind und Veränderungen, die plötzlich eintreten. Die kann er ja nicht verhindern. Also, wieder suchen. Was gibt es denn alles für Schulen im Umkreis? Möglichst welche, die nur bis mittags Unterricht haben und kleine Klassen. Oh, in der Nähe gibt es nichts, schade.

Vielleicht wäre ja ein Hauslehrer eine Möglichkeit. Davon haben wir schonmal etwas gehört, seine alte Lehrerin erzählte uns davon, dass wenn er länger krank ist, sie dies für ihn beantragen könnten beim Schulamt. Aber er bekommt nur 6-8 Unterrichtsstunden und dies von verschiedenen Lehrern zu unterschiedlichen Zeiten. Leider sind die Lehrer aber auch nicht alle dafür ausgebildet, mit Aspergern richtig umzugehen, so das wir Angst hatten, das dies alles noch schwieriger machen könnte. Aber eh wir näher darüber nachdenken konnten entdeckte ich die webindividualschule in Bochum. Dies erschien uns die beste Möglichkeit, das er stressfrei lernen kann. Die Lehrer dort sind auch auf Asperger Kinder sehr geschult, stellen sich auf jedes Kind genau ein und helfen, das jeder einen für ihn besten Schulabschluss schafft. Er hätte dort einen klaren Stundenplan mit nur einem Lehrer, der auf ihn gut eingehen kann.Der einzigste Nachteil ist, sie kostet viel Geld, über 830€ im Monat. Aber für Kinder die nicht mehr in eine Regelschule gehen können, bezahlt dies das Jugendamt.

Freudig sind wir mit dieser Idee zum JA und erzählten, naiv wie wir waren davon. Die Begeisterung hielt sich doch sehr in Grenzen und wir bekamen auf einmal, obwohl bis dahin sich keiner für uns interessierte das Angebot für eine kleine tolle Schule, die extra auch für Asperger Kinder sei. Dort könnte man ja auch einen Realschulabschluss machen… . Ok, die kannte ich nicht und suchte nach ihren Schwärmereien im Netzt nach Infos.

Es war eine Förderschule, soweit noch ok. Aber wenn von 40 Kindern 2 die Berechtigung bekommen einen Realschulabschluss zu machen und 10 einen Hauptschulabschluss schaffen, dann ist dies wohl nicht der richtige Ort für ein intelligentes Gymnasiumkind. Mal ganz abgesehen davon, das auch hier 3x die Woche bis 3 Uhr Unterricht sein soll und allein die Busfahrt schon eine Strecke mind 45 min in einem Kleinbus mit 15 anderen Kindern ist.

Wie stellen die sich das vor, wie soll der Junge das denn aushalten?

Sie reagierten sehr böse, als wir am nächsten Tag nicht begeistert waren und doch lieber die Webschule wollten. Dachten die denn wirklich, das wir einfach so auf sie hören und das machen, was sie sagen?

Tom überlebt ja schon nicht die Anreise, wenn irgendetwas im Bus passiert, was er nicht so eingeplant hat und dann sitzt er da und kann nicht mal eben von mir abgeholt werden….

Also hieß es dran bleiben und schauen, wie wir eine Lösung finden. Für uns war sie klar, aber dem JA viel immer wieder etwas ein, was wir dafür noch bräuchten, damit sie das genehmigen könnten. Wir glaubten Ihnen, das sie wirklich auch wollten, das der Junge dort unterrichtet werden kann. Aber nein, es war der Versuch, einen Grund zu finden, das es nicht geht oder uns zum aufgeben zu bewegen…. . Nun sollten wir…

Ein neues Gutachten von einem Psychiater, eines von der Autismustherapeutin, von den alten Lehrern… besorgen. Dies alles zu bekommen hat uns doch sehr viel Kraft und Zeit gekostet.

Also wieder einen neuen Psychiater finden, nur wo? Hilft der uns dann? Was fällt dem dann noch auf oder ein? Wie lange dauert das? Genehmigen sie die Schule dann?

Wieder vergingen Wochen und Tom saß hier, zu krank um in die Schule zu gehen, zu gesund um nichts zu machen. Mittlerweile waren 5 Monate vergangen…

Nachteilsausgleiche in der Schule

Durch die Diagnose vom Psychiater konnten wir uns mit der Schule zusammensetzen und Nachteilsausgleiche für unseren Sohn besprechen. Wir waren sehr froh, das die Klassenlehrer allem gegenüber sehr aufgeschlossen und freundlich reagierten. Sie hätten zwar nie gedacht, das ein solch ruhiger, braver schlauer Junge Asperger sein könnte, aber nachdem wir ihnen Literatur gaben und Erlebnisse erzählten, verstanden sie alles besser.

Tom sollte nun in der Schule einen Nebenraum vom Klassenzimmer bekommen, in den er sich jederzeit zurückziehen könnte. Nur war dies praktisch kaum möglich, da er es selber zu spät bemerkte, er es auch im Stress nicht sagen konnte und eigenständig dort hingehen. Meist saß er nur lächelnd auf seinem Stuhl und wartete, bis die Schule vorbei war. Dann brach der Stress aus ihm heraus,- und er wurde krank.

Er durfte, wenn er wollte in der Pause in der Schule bleiben, aber auch dies war nicht einfach für ihn, denn er hatte Angst, was er den anderen sagen sollte, warum er drin bleiben darf. Er hatte ja noch nicht lange selber etwas darüber gehört, warum er anders ist und somit für ihn andere Regeln gelten. Hatte die alten Regeln im Kopf, an die man sich halten muss. Somit wollte er auch sein Handy nicht mit in die Schule nehmen, mit dem er mir hätte jederzeit schreiben können, wenn etwas nicht stimmt oder wenn er nach Hause möchte…

Auch durfte er die Arbeiten in einem Raum alleine schreiben, gut so, nur nicht, wenn der Raum das „leere“ Lehrerzimmer ist, wo doch andauernd Lehrer rein und rausgehen, ihn ansehen und sich wundern oder gar ihm fragen stellen…

Er bekam gesagt, das er keine mündlichen Prüfungen oder Referate halten muss, wenn dies zuviel für ihn sei. Nur hielten sich daran nicht alle Lehrer. Der Lehrer in Geschichte bestand darauf, das jedes Kind ein Referat hält,- die müssen das jetzt lernen-. Er sagte den Kindern noch nicht einmal, wann sie dran kommen, sondern alle saßen im Unterricht und warteten, ob es sie heute erwischt. Tom war dadurch sehr verunsichert und wurde vor der nächsten Geschichtsstunde krank. Wir redeten mit der Klassenlehrerin und die wollte das mit dem klären. Wir bekamen dann die Info, das er in der nächsten Stunde halten darf, wenn er möchte. Mit viel Aufregung, wollte Tom es versuchen und ging brav in die Schule.

Mittags mussten wir ihn weinend abholen, er war krank. Was war passiert? Der Lehrer hatte ihn wieder nicht dran genommen. Das darf doch nicht wahr sein… Ich weiß nicht woher er trotzdem nocheinmal die Energie nahm und es die nächste Woche genauso wieder wagte. Nur diesesmal setzte der Lehrer noch eins drauf. Er meinte in die Klasse, so wer jetzt noch nicht gehalten hat, hat es wohl nicht rechtzeitig fertig gehabt und darf nächste Woche nicht mehr… bitte was???!!

Damit brach eine Welt zusammen und es dauerte lange, bis er dies überwunden hatte, wohl auch nur dadurch, das der Lehrer nach den Ferien nicht mehr den Unterricht hielt. Solche Erlebnisse waren sehr schlimm für Tom, sie zeigten ihm immer wieder, das er nicht verstanden wird, manche ihm nicht helfen wollen und Schule ein Ort ist, an dem er sich nicht entspannen kann, sondern immer sehr viele unvorhergesehene Dinge passieren können.

Was also nutzen Nachteilsausgleiche, die er nicht wahrnehmen kann, weil er es entweder selber nicht merkt, dies für ihn Sonderregelung sind, die er nicht annehmen kann, weil er dies sonst den Mitschülern erklären müsste oder die er doch nicht bekommt, weil so mancher Lehrer glaubt, dass sie es besser wissen, wie Sie ihm beibringen, dass er zb. frei reden lernt?

Aber auch sonst passiert fast jeden Tag viel, was ihn aus der Ruhe bringt oder stresst. Ein hupendes Auto auf dem Schulweg, ein rempler in der Pause, eine Textaufgabe im Unterricht, die er nicht versteht, Sätze, die er wörtlich nimmt und nicht merkt, das damit etwas anderes gemeint ist. Lehrer, die ihn anmeckern, wenn er im praktischen Unterricht rumsteht und nicht selber sieht, wo er noch was machen kann… , weil er von sich aus dies nicht sieht, sondern man ihm genau sagen muss, was er wann machen soll, sie aber nicht glaubt, das er das nicht merkt oder wissen kann. Es passieren einfach ständig Dinge, die für ihn unvorhergesehen sind und da nuneinmal in einer Schule sehr viele Menschen sind, ist die Wahrscheinlichkeit sehr groß.

Aber trotzdem war er immer wieder bereit nach einer Erholungszeit zur Schule zu gehen. Bis er wieder so überfordert war, das er krank wurde. Im Laufe des letzten halben Jahres verschoben sich so die anfängliche Erholungszeit von 1-2 Tagen im Monat auf 1-3 Wochen. Dies war nicht mehr tragbar und wir mussten etwas ändern. Zum Glück haben wir einen tollen Hausarzt, der die Situation gut einschätzte und meinte, „So geht das doch nicht, der arme braucht endlich mal länger Erholung“! Er schrieb Tom für 2 Wochen krank, damit er sich gut erholen konnte und zu Kräften kamm.

Danach ging es kurz etwas besser, aber als dann neben den normalen Stressfaktoren noch solche Szenen kamen wie, das er im Sportunterricht gesagt bekam, das sie jetzt nach draußen gehen um dort an verschiedenen Stationen Leichtathletik zu trainieren. Das sie in 6 Monaten auf Klassenfahrt fahren und sie alle in englisch und deutsch eine mündliche Klassenarbeit machen müssen,… . Da war es so schlimm, das er fast depressiv nach der Schule die Woche im Bett lag, zu nichts mehr Lust hatte, immer öfters krank war und sich morgens oft nur unter Tränen, Schüttelfrost und mit angst zur Schule traute. Dies konnten wir als Eltern kaum ertragen und zogen endlich die Reisleine. Zum glück sah dies unser Arzt genauso und schrieb unseren jungen über 6 Monate immer wieder krank. Bis wir einen neuen Psychiater fanden, der uns weiter half.

Aber damit fingen ganz neue Probleme mit dem Jugendamt an.

Asperger Diagnose, aber trotzdem „normal“ sein müssen

Der gute Psychiater hat schon viele Kinder mit Autismus diagnostiziert und anscheinend auch durch eine Therapie begleitet. Wir alle fanden, das er ein gutes feeling hatte beim erkennen, was, wo für Probleme sind…

Aber wieder einmal stand da einer vor uns, der meinte, “ Das muss der Junge nun einmal lernen, sich der Gesellschaft anzupassen“!

Bitte was? Nein, das muss er nicht. Muss denn ein Blinder auch Farben erkennen und ein Tauber die besten Musikstücke von Mozart nachsingen? Warum sollte dann ein Asperger smalltalk machen, sich unter Menschen begeben und zu vielen Partys gehen….???

Warum unterstellen uns immer wieder die Leute, wir würden uns nur “ anstellen“, könnten das doch mal eben machen, schaffen, lernen…. . Nur weil man uns unsere Behinderung nicht direkt ansieht?

Ich habe sehr vieles gelernt, was “ normalos“ so machen. Habe nie den Sinn verstanden, warum man dies machen sollte, aber alles brav abgeguckt und nachgemacht. Mich wie ein Chamäleon überall angepasst, nicht aufgefallen, gelächelt, weitergemacht…, bis mein Körper immer öfters streikte. Nur dies wurde mir früher auch nur immer als, -“ sei doch nicht immer so empfindlich, das bisschen was du gemacht hast, davon kann man doch nicht krank werden…“! “ Also los hopp, mach schon weiter…“!

Dadurch bin ich in einem ständigen inneren Druck durchs Leben gegangen, habe dadurch gelernt, das ich gelobt werde, wenn ich mich quäle “ normal “ zu sein, aber Ärger bekomme, wenn ich auf meinen Körper höre. Die Angst, bald wieder etwas nicht richtig zu verstehen, etwas überraschendes, neues zu erleben. Die Angst, mit zuvielen Menschen zusammen sein zu müssen, die alle durcheinander reden und ich nicht weiß, was ich bloß wann sagen soll, die ich nicht kenne und so auch garnicht einschätzen kann, was sie wann so machen oder von mir erwarten…. . Das macht mir sehr zu schaffen, kostet viel Kraft und ich benötige immer mehr Energie dies auszugleichen.

Leider waren meine Eltern da auch keine Hilfe. Auch sie haben mir zuviel Druck gemacht, waren sehr auf Leistung und ansehen bedacht und erwarteten, das ich am Gymnasium gute Noten schreibe…. . Ihre Einstellung, “ Wenn du das wirklich willst, kannst du alles schaffen“, machte alles noch schlimmer.

Immer wieder erlebte ich, wie auch Lehrer, Freunde und Eltern mich zwangen oder es einfach voraussetzten, das ich das genauso mache, wie alle anderen auch. Ich hätte doch die besten Vorraussetzungen,- einen Vater der eine eigene Praxis hat und ansehen im Ort, ein tollen Haus und Auto, Urlaube, gute Kleidung und essen, Geschwister…einfach alles soooo toll, da muss man doch ein braves Mädchen sein und mal eben sich in der Kirchengemeinde einsetzen, immer gute Noten schreiben, nett und adrett sich überall benehmen….

Was das eine mit dem anderen zu tun hat, hat sich bis heute mir noch nicht erschlossen. Weil mein Vater ein angesehener Mann im Ort war, muss ich locker auf Partys gehen können,….? Warum?

Heute weiß ich, das das Abi nicht klappen konnte, weil der Stress für mich zu groß war. Mich keiner verstand, mir glaubte oder mir half besser mit allem klarzukommen. So weiß ich auch, das ich mir selber noch mehr Stress gemacht habe, weil ich krampfhaft versuchte, dies alles zu können. Ich sah es ja, das DIE das „mal eben“ oder “ einfach so“ schafften. Fragte mich zunehmend, warum ich so blöd sei, dies immer noch nicht zu können.

Es war für mich sehr schlimm und lies mein Selbstwertgefühl immer mehr schwinden, da ich mich als „schluffi“ ansah. So wurde ich auch oft behandelt und glaubte dann dies noch mehr. Strengte mich immer mehr an, doch „normal“ zu sein, scheiterte wieder…. . Der Kreislauf wurde immer schlimmer. Bis ich nach dem gescheiterten Abi und einer Ausbildung zusammenklappte. Da lag ich nun und verstand nichts mehr. Der einzigste der mir half, war mein Mann. Er sagte mir, das ich nichts leisten muss, mich solange erholen darf, wie ich es brauche und dann nur noch das mache, was mir gut tut.

Es kamen aber auch Leute, die mir entweder erzählen wollten, ich würde mich nur zuviel anstellen, das Leben sei nun mal kein Pony Hof…, andere glaubten, ich sei verrückt und müsste unbedingt in eine Klinik und Therapie machen, damit ich lerne in der Gesellschaft klar zu kommen… . Niemand kam auf die Idee, das ich richtig fühle, empfinde und einfach nur „Blind “ bin für viele Dinge, die normalos intuitiv machen.

Am schlimmsten habe ich immer empfunden, das mir nur ein Mensch wirklich glaubte,- mein Mann. Alle anderen unterstellten mir “ Anstelleritis“ !!! Dies verletzte mich mehr, als die ständige Überforderung.

Und nun kommt da der Psychiater um die Ecke und glaubt, das ich weiter meinen Sohn zwinge sich der Gesellschaft anzupassen? Ich soll ihm weiter erzählen, das er das doch können oder wenigstens aushalten muss, wenn er in der Schule überfordert ist? Ihn zwingen solange in der Schule zu bleiben, bis er es sagt, das er nach Hause möchte, obwohl er gerade nicht sprechen kann? Das kann doch nicht dem sein ernst sein.

Genau dieser Zwang, der glaube, wir seien so schlecht, müssten uns mehr anstrengen, das doch können…, der hat alles noch schlimmer werden lassen. Nein, es ist endlich an der Zeit, das wir unser Leben so ausrichten, das es uns gut geht. Nicht wir passen uns dem Leben an, sondern das Leben wird nun uns angepasst. Auch wenn das für viel nicht verständlich ist oder komisch aussieht. Egal, unsere Gesundheit und unser Glück ist uns wichtiger.

Dafür werden wir nun kämpfen. Das dieser Kampf schwieriger wird, als gedacht und länger dauert, war uns damals nicht bewußt. Aber wir führen ihn und die Erfolge kann man sehen. Uns geht es besser, aber nach außen funktionieren wir nicht gut.

Tja, egal.

Anne

Die Diagnose

Nun hatten wir also einen Termin in 6 Monaten in der Klinik und in 6 Wochen bei einem erfahrenen Psychiater. Da dieser aber über 300 km weit weg war, haben wir mit ihm vereinbart, das er uns vorab einige Fragebögen zuschickt und wir diese ausgefüllt zurückschicken. Dazu sollten wir auch schon im eine Art Lebenslauf schreiben, wo wir auffällige Begebenheiten zu jedem Alter erzählen sollten. Ich dachte, das mache ich mal eben, aber im Endeffekt, wurden 15 Seiten daraus, weil uns beim Schreiben immer mehr einviel, was uns “ anders“ vorkam.

Ist das “ normal“ wenn man bei jedem neuen Kleidungsstück erst erzählt bekommen muss, dass dies bald getragen werden soll. Dann es sich ein paar Tage nur ansieht, um es dann vielleicht mal kurz anzuprobieren? Dies ist immer so, bei jeder Winterjacke, die im Herbst aus dem Schrank kommt oder jeder Sandale, die im Sommer da steht… Wieviele Kleidungsstücke wurden anprobiert und dann nach dem ersten waschen in hohem Bogen schreiend, zappelnd weggeworfen, da irgendetwas Unbehagen auslöste, – sehr viele.

Essen ist auch seit Jahren ein schwieriges Thema. Er hat seine 10 Sachen, die er mag,- fertig. Mehr bräuchte er nicht. Dann gibt es aber auch noch Zeiten, da ist er etwas Neues und dann dies für Wochen am liebsten 3x am Tag, bis es dann nicht mehr angefasst wird. Vieles wird nicht einmal näher angesehen oder gar probiert. Da stimmt schon das Aussehen nicht. Er schüttelt und ekelt sich, dies kann man ihm ansehen. Das ist kein,-“ ich will mit dem Kopf durch die Wand „!

Er mochte es schon immer, das sein Tag entspannt ist und er genau weiß, was auf ihn zukommt. Dies gilt auch für seine ganze Woche. Jegliche Veränderung oder neues können ihn aus der Ruhe bringen und oft wurde er zb nach Feiern oder Ausflügen krank. Dies musste uns aber erst einmal auffallen. Vor einer Unternehmung fragte er immer sehr viel, wollte genau wissen, was, wann, wo, wie lange, wer kommt,…. stattfindet. Wenn es bei uns zuhause war und wir ihm versicherten, das er jederzeit gehen darf, ging dies alles besser.

Wenn bei Situationen, die er kennt, sich etwas verändert, überfordert ihn dies auch. Wenn in der Schule zb ein Schüler hinfällt, ein neuer Lehrer Vertretung macht, jemand ihn schupst, etwas kaputt geht, sie in einen anderen Klassenraum müssen, es plötzlich Gewitter gibt, er etwas verloren hat, ….. wurde es schwierig. Von diesen unvorhergesehenen Momenten gibt es ja immer viele. Für die meisten, ist dies nicht der Rede wert, für ihn eine Katastrophe bis hin zu, er wird körperlich krank und liegt einige Tage im Bett.

Gespielt hat er auch oft anders, keine Rollenspiele oder Phantasiespiele. Er konnte stundenlang Lego aufbauen nach Anleitung. Er hat so eine ganze Stadt gebaut, Straßen dazwischen gelegt und auch mal ein Auto von A nach B gefahren, aber ansonsten musste die Stadt nur einfach da stehen und keiner durfte es anfassen. Auch ein Haus nocheinmal abzubauen und neu aufzubauen, weil er ja gerne baute, wollte er nicht. “ Warum sollte ich das noch einmal bauen“? „Ich kaufe mir lieber ein neues“!

Was gut ging, waren früh schon Brettspiele, auch schon welche, die für viel ältere Kinder oder Erwachsene empfohlen wurden, waren kein Problem. Da gibt es ja klare Regeln, man weiß, wer was macht und los geht es… .

Wir mussten ihm immer schon alles in klaren Worten sagen, sonst verstand er nicht, was gemeint war. Sprichwörter haben wir mit ihm eingeübt. Probleme gab es in der Schule, wenn dort Textaufgaben, Gedichte oder sonstige “ Blumige“ Texte bearbeitet werden sollten. Die Aufgabe an sich war einfach, aber verstehen, was er machen soll, sehr schwer. Ich denke, er hat ein paarmal nachgefragt und entweder lachte die Klasse oder der Lehrer meinte, das er dies ja selber wissen muss. Dann fragt man nicht mehr, sondern baut Angst auf und weiß nicht, warum er das nicht versteht.

Als er klein war, wurden immer die selben Bücher angesehen und die selben Videos angeschaut oder Kassetten angehört. Manchmal anstrengend für uns.

Den Wunsch mit anderen Kindern zu spielen, hatte er von sich aus noch nie. Wenn Freunde ihre Kinder mitbrachten, konnte er mal kurz mit ihnen etwas spielen. Aber am ehesten in unserer Nähe oder draußen im Garten. Am liebsten guckten die zusammen was im Fernsehen, das war am unverfänglichsten. Gut klappte es mit Kindern, die sich auch für Fußball interessierten. Da konnte man einfach Fußball spielen.

Auffällig war auch, das er erst sehr spät und wenig geredet hat, vieles zeigte er uns mit seinen Händen. So machten sich viele um uns herum Sorgen. Wir nicht, da wir uns verstanden und ihm die Zeit liesen. Nicht jeder muss ja den ganzen Tag quasseln. Er konnte ja sprechen und Hörproblemen hatte er auch keine, denn wenn man zb eine Bonbontüte leise Aufriss, stand er schon neben einem…. . Auch redete er mit 5 viel, wenn es ein Thema war, das ihn interessierte,- Fußball. Damit war eine, seine größte Leidenschaft geboren, bis heute. Danach wird die Woche geplant und ausgerichtet. Wenn ein wichtiges Spiel kommt, kann man nichts anderes machen. Wenn seine Mannschaft unvorhergesehen verliert, wird er auch schonmal krank. So kann man sich stundenlang mit Tabellen, Spielzügen, Aufarbeitung von den Spielen…beschäftigen. Dazu spielt er selber bei uns im Garten und auch auf der Xbox. Auch sonst ist Sport sein Thema und es wird viel darüber gelesen und angesehen. Dies hat es ihm auch erleichtert mit den Jungen bis Klasse 7-8 klar zu kommen.

So sind wir dann gut vorbereiten zu dem ersten Termin, der 2 Stunden dauerte gefahren. Dort machten wir noch einen Test ( Marburger ) am Computer, der schon eindeutig zeigte, das er Asperger ist. Aber wir Eltern redeten auch alleine mit dem Psychiater und danach auch unser Sohn. Zum Schluss saßen wir noch einmal alle zusammen und er meinte, es wäre sehr wahrscheinlich, das er ein Asperger Kind sei. Er würde aber noch einmal nach dem nächsten Termin alles auswerten und uns dann die Diagnose zuschicken. So erklärte er uns auch, das unser Sohn begleitend eine Somatoforme Störung hat, also das er durch Stress körperlich krank wird und auch eine soziale Ängstlichkeit, also ihn anderen Menschen überfordern, weil er sie nicht einschätzen kann und er dadurch Angst aufgebaut hat. Nach dem nächsten Termin bekamen wir also eine schriftliche Diagnose. Soweit konnten wir dies alles nachvollziehen und bestätigen. Dies war erst einmal eine große Erleichterung.

Aber was er uns dann als Therapie vorschlug und das er sich weigerte uns eine längere schriftliche Stellungnahme zu schreiben, fanden wir doch sehr merkwürdig. Er meinte, er würde das persönlich mit dem Therapeuten besprechen. Dies wollten wir aber so nicht.

Was aber nun?

Alle Aspis sind unterschiedlich

Uns wurde am Anfang immer wieder gesagt, “ ja aber ist der denn ein Aspi, der hat ja gar keine Wutausbrüche und schaut mir ins Gesicht und….“!

Ja, das kann sein, denn alle Aspis sind unterschiedlich, wie NT ja auch. Warum glauben die Leute so schnell, das alle Aspis gleich sein müssen? Wir sind doch genauso zb durch Charakter, Interessen und unserer Lebensgeschichte geprägt, wie alle anderen auch.

Wir alle unterscheiden uns schonmal durch unseren Charakter. Da wären die beiden extrovertierten Typen,- die Choleriker und der Sanguiniker. Diese gehen eher aus sich heraus, wollen gerne bestimmen oder Spaß haben. Sie werden wohl schneller laut und „explodieren“ wenn es Ihnen zuviel wird. Der Stress, wird eher direkt verarbeitet, also sie reagieren schnell nach außen auf Veränderung oder unerwartetes.

Dann gibt es noch die beiden introvertierten Typen,- den Melancholiker und den Phlegmatiker. Sie sind eher die unauffälligen, ruhigen, insich gekehrten, die auch den Stress nicht immer so direkt verarbeiten. Sie scheinen den Stress in sich zu sammeln und dann körperlich krank zu werden. Sie verstummen eher bei Stress, als das sie sich wütend auf den Boden werfen.

Keiner der Typen ist aber besser oder schlechter, jeder hat seine Stärken und Schwächen. Sie gehen nur alle mit ein und der selben Situation anders um.

Dazu habe ich einmal eine Geschichte gehört. Eine Mutter wollte mit ihren 4 kleinen Kindern Plätzchen backen und verzieren. Zusammen hatten sie sie ausgestochen und nun ging es ans verzieren. Dazu stellte die Mutter viele Schüsseln mit Perlen, Streuseln, Glasur…..auf den Tisch.

Das cholerische Kind, wußte direkt, mit was es seine Plätzchen verzieren wollte und nahm sich sofort mit vielen Kommentaren wie,- „das brauche ich unbedingt…., das ist das beste…, wie wunderschön doch meine Plätzchen werden…. „, die passenden Schüsseln. Hauptsache, es bekommt alle Dinge, wie es sich das so vorstellt und es sind die tollsten Plätzchen. Am besten sollten alle sie bewundern, dafür strengt es sich auch sehr an.

Das sanguinische Kind, will bei allem Spaß haben und fängt vielleicht an dabei zu singen,… “ ach wie wunderschön sind meine Plätzchen…, das macht ja soviel Spaß…“ es wird vieles ausprobieren und vielleicht wegwerfen, neu anfangen, es anders machen, wenn es nicht gefällt…. . Es hat schnell wieder neue,- noch bessere Ideen und probiert sie direkt aus, ohne groß nachzudenken, dabei geht halt auch mal was schief. Hauptsache es macht alles Spaß, wenn nicht, ist es schnell weg.

Das melancholische Kind, überlegt ersteinmal, zweifelt dann an sich,“ mmm ob ich das so hinbekomme…, die anderen werden bestimmt viel schöner… .“! Es konzentriert sich dann sehr darauf, sauber und akkurat zu arbeiten und bleibt bis zum Schluss bei der Sache. Es können die schönsten Kekse werden, aber ihm bleiben daran doch gerne Zweifel.

Das phlegmatische Kind hat vielleicht keine Lust jetzt auch noch die Plätzchen zu verzieren, die sehen doch auch so gut aus. “ naja gut, dann tauche ich sie halt mal eben in Schokolade ein, wenn es sein muss“! Fertig, schnell weg. Seiden es interessiert ihn, dann ist er ganz dabei, arbeitet sauber und überlegt und das Ergebnis kann sich sehen lassen. Sein Motto ist,- möglichst mit geringen Aufwand, zum besten Ergebnis kommen.

Eine Aufgabe, verschiedene Herangehensweisen und nur, weil jeder anders ist. Dies ist bei NTs nicht anders, als bei Aspis. Nur wird bei Aspis schneller angenommen, das alle „Rainman“ sind oder aussehen müssen, wie so ein „Nerd“ immer aussieht. Warum ist das so? Und warum glaubt man jemandem nicht, wenn er dieses Klischee nicht erfüllt, das er trotzdem ein Aspi ist?

Wieviele von uns schauen beim Reden dem anderen ins Gesicht? Doch einige, aber nicht alle schauen dabei dem gegenüber in die Augen. Ich zb wurde als Kind gezwungen, das ich die Leute ansehe, die mit mir reden. Nur sagte man mir nichts davon, das ich Ihnen in die Augen sehen muss. So schaue ich Ihnen auf den Mund. Da passiert ja wenigstens was, wenn jemand redet. Die Mimik des Mundes kann ich auch etwas einordnen und daraus Schlüsse oder Gefühle erkennen. Als mich mal jemand nach der Augenfarbe meiner Kinder fragte, war ich geschockt, das ich die nicht wußte. Aber nun zu behaupten, das ich kein Aspi sei, weil ich sie ja ansehe, ist schon komisch. Ich bin ein Melancholikers und sehr darauf immer bedacht gewesen, das ich es so mache, wie alle, das ich nicht auffalle und dadurch noch mehr Stress bekomme…

So habe ich immer versucht mich anzupassen, habe die Menschen beobachtet, gelernt, wann sie was, wie machen,- warum sie vieles machen, weiß ich bis heute nicht, aber ich kann doch so einiges nachmachen. Wenn auch mit Unbehagen oder viel Kraftaufwand. So bin ich äußerlich “ unauffällig“, lange durchs Leben gegangen. Habe innerlich vieles verdrängt, mich gezwungen zu funktionieren, mir Vorwürfe gemacht, das so vieles nicht gut klappt. Habe mich zunehmend darüber gewundert, wie die “ anderen“ das nur hinbekommen und warum ich immer mehr Erholungszeit brauche. Nun wird mir dies zum Vorwurf gemacht? Warum nur? Weil ich nicht “ Rainewoman“ bin?

Schade

Anne

Wie geht man nun vor, die Diagnose

Da standen wir nun mit unserem Verdacht und nicht viel Ahnung.

So fragte ich in einigen Foren, was ich am besten machen soll. Die Antwort, zur Therapie in ein Autismuszentrum. Ahhh ok, da wir auch eins in der Nähe haben, meldeten wir uns dort ersteinmal. Die Leute waren sehr nett, meinten aber, sie dürften keine Diagnose erstellen, dies müssten wir erst woanders machen lassen, dann könnten Sie unserem Sohn eine Therapie anbieten.

Ok, dann also doch erst eine Diagnose bekommen. Nur wer macht die? Wie lange dauert das, was ist bis zum Ergebnis, wie soll es solange in der Schule weitergehen….

Die meisten anderen Mütter, von Asperger Kindern meinten, sie hätte eine Diagnose in einer Klinik machen lassen. So haben auch wir uns in der nächsten Klinik im Kreis einen Termin geben lassen. Dieser sollte aber erst in ca 6 Monaten sein. Dies erschien uns aber doch sehr lange, denn die Probleme in der Schule wurden nicht kleiner. Nur hängt ja alles eng miteinander zusammen, das eine bedingt das nächste. Solange es nur unser Verdacht ist, das der Junge Asperger sein könnte, bekommen wir auch keinerlei Hilfe. Ja leider wird man von vielen eher belächelt oder sogar beschimpft, wie wir denn selber so etwas wissen könnten…

Also haben wir uns entschlossen in der Schule unseren Verdacht zu schonmal äußern, dort reagierten sie sehr verständnisvoll und boten uns Ihre Unterstützung an. Aber auch hier bekamen wir gesagt, “ Meinen sie wirklich das er Autist ist, ich hatte da mal einen,… der war ganz anders…!“ Und “ Nachteilsausgleiche können Sie erst bekommen, wenn er eine Diagnose hat“!

Nachteilsausgleiche, was ist das denn? Nachgelesen und erkannt, dass allen Menschen durch eine Behinderung keine Nachteile entstehen sollen. Deshalb können Kinder zb in der Schule Nachteilsausgleiche bekommen, die ihre Beeinträchtigungen ausgleichen. Also, einen Raum wo das Kind sich hin zurückziehen kann, einen Raum, in dem es Klassenarbeiten alleine schreiben darf, die Zuhilfenahme eines Computers, wenn die Motorik beim Schreiben eingeschränkt ist oder die Erlaubnis nicht auf den Schulhof zu müssen in der Pause…. . Solche und viele andere Dinge, kann man erhalten, damit das Kind entspannt lernen kann.

Also war es uns noch wichtiger, das wir schnell eine Diagnose bekommen. Wieder fragte ich im Forum, ob nicht jemand eine Stelle weiß, wo man schneller einen Termin bekommen kann. Zum Glück hatte eine Mutter mir die Adresse von ihrem Psychiater gegeben, der vor 5 Jahren ihren Sohn getestet hat und wir dann dort innerhalb von 6-8 Wochen einen Termin bekommen können. Ahhh, in einer Psychiaterpraxis kann man das Kind auch testen lassen? Aber es sollte ein erfahrener Kinderpsychiater sein, der sich wirklich mit Autismus auskennt. Denn ansonsten kommt es schnell vor, das er meint, das das Kind “ nur verzogen “ sei.

Die Praxis war allerdings über 300km weit weg, aber das war egal, wir wollten schnell wissen, ob wir mit unserer Vermutung richtig liegen. So machten wir eine Termin, der schon in 6 Wochen sein sollte.

Weiterführende Schule

Der Wechsel aufs Gymnasium gestaltete sich wieder schwierig. So viele neue Dinge, Räume, Lehrer, Mitschüler….neue Stundenpläne und Unterricht bis nachmittags. Aus heutiger Sicht, hätten wir ihm dies nie so zumuten dürfen, aber damals wußten wir ja nicht, was mit uns anders ist.

Also wieder ihm alles erklären, vorher ansehen, ihm sagen was er dann machen oder sagen kann. Wieder durchhalten, sich eingewöhnen und glauben, das es an einem selber liegt, das es so schwierig ist.

Die Klassenlehrer sind ihm wieder eine gute Hilfe, mögen ihn, da er ein ruhiger, aufmerksamer Schüler ist, der viel weiß. Aber auch sie meinen immer mehr, er muss doch lernen mehr aus sich heraus zu kommen, frei zu reden, sich aktiv am Unterricht zu beteiligen… . Sie sagten uns auch, das es im 5-6 Schuljahr noch nicht so schlimm sei, da er da noch keine “ bringeschuld “ hat. Aber ab der 7 Klasse, würde sich dies ändern dann würden die mündlichen Noten sehr ins Gewicht fallen und es gäbe auch mündliche Prüfungen. Ohwei, glauben die wirklich, das er sich in der Schule noch sehr öffnet? Wir nicht…

Die ersten 2 Jahre hat er sich mehr oder weniger eingelebt. Wurde immer wieder krank und bleib zu Hause, aber ansonsten gab es einen klaren Stundenplan und er durfte so sein wie er ist. Da er Fußball mag und so auch mit anderen Jungs darüber reden konnte oder mit Ihnen auf dem Schulhof spielen, war er in seiner Klasse auch kein Außenseiter. Dies änderte sich aber immer mehr, als die ersten in die Pubertät kamen und sich veränderten. Die neuen Themen waren für ihn sehr fremd oder interessierten ihn nicht. Auch wurde es so in der Schule, wie ja schon angekündigt immer anstrengender, da nun mehr erwartet wurde. Mündliche Prüfungen in englisch und deutsch, Vortragen von Referaten, mündliche Mitarbeit im Unterricht….

Dabei war es auch nicht förderlich, das es viele Wahlfächer gab, so wechselten ständig auch noch die Mitschüler. Sein einer guter Freund, bekam dann auch noch andere Interessen und zog sich zurück. So begann eine Spirale von “ überfordert, durchhalten, mehr machen müssen, krank werden, zuhause Erholung finden, wieder von neuem“!!

Wo am Anfang noch alle 4 Wochen mal 1-2 Tage zuhause bleiben reichten, wurden es zunehmend mehr Fehlzeiten. Wir machten uns immer mehr sorgen, so vieles von dem, was der kleine durchleben musste, war mir leider aus meiner eigenen Jugend auch bekannt. Damals hatte ich keine Lösung gefunden. Meine Eltern hatten kein Verständnis für mich und ich bekam gesagt, ich sei wohl einfach zu faul und müsste mich mehr anstrengen. So sah ich das nicht bei ihm heute. Nein, faul ist er bestimmt nicht. Ich wußte, das er sich sehr bemüht, durchsuchte das Netz um irgendeine Idee zu finden, was mit ihm oder uns los sei… . Aber wenn man nicht weiß nach was man suchen muss, ist das finden sehr schwer. Bisher hatte ja auch kein Lehrer eine Idee, warum er so anders ist, außer, das er sich mehr öffnen muss, es einfach lernen muss…

Die große Erlösung kam dann durch den erwähnten Zeitungsbericht über Asperger. Endlich hatten wir einen “ Namen „, endlich wurde so vieles klar und wir konnten dann uns über Asperger Autismus schlau machen.

Aber wie nun in der Praxis damit umgehen? Was können wir tun, damit es einfacher wird? Womit anfangen? Wer hilft uns dabei? Wem sollen wir unseren Verdacht erzählen? Wer versteht uns?

Fragen über fragen, die uns länger beschäftigen sollten, als wir es damals gedacht haben.